In Thüringen ist der Leerstand, besonders in ländlichen Regionen, ein drängendes Problem. Um innovative Lösungsansätze zu entwickeln, fand die Tagung „Praxistage Leerstand gestalten“ im Eiermannbau in Apolda statt. Dieser Ort ist nicht nur ein Beispiel für die Neunutzung eines ehemaligen Industriebauwerks, sondern bietet auch Raum für inspirierende Diskussionen und Austausch. Die Revitalisierung des Eiermannbaus dauerte zehn Jahre und er bietet heute ein Café sowie ein Stadtmuseum. Dies zeigt, wie durch kreative Ideen und langfristige Planung Leerstand in neue, lebendige Räume transformiert werden kann.
Ein weiteres bemerkenswertes Projekt ist der Getreidespeicher in Oßmannstedt, der 1939 erbaut wurde. Fridtjof Florian Dossin hat diesen Speicher vor fünf Jahren erworben und mit dem Verein „Institut für Graue Energie“ revitalisiert. Der Speicher wurde in einen Begegnungsort umgewandelt, ausgestattet mit einer Feuerschale, Sitzplätzen und einem Stromanschluss. Dossin sieht Leerstand als Ressource und spricht sich für „radikalen Bestandserhalt“ aus. Trotz der hohen Kosten für eine Wohnnutzung des Speichers plant der Verein, dort einen Vereinsraum sowie eine Fachbibliothek und Werkstatt einzurichten.
Innovative Ansätze zur Leerstandsaktivierung
Die Tagung in Thüringen zog Teilnehmer aus ganz Deutschland an, die von den Projekten in der Region lernen wollten. Katja Fischer von der Stiftung Baukultur Thüringen forderte kluge Finanzierungsmodelle, wie etwa durch private Baugruppen oder Genossenschaften, um dem Problem des Leerstands zu begegnen. Dies ist besonders wichtig, da die internationale Bauausstellung in Thüringen seit zehn Jahren das Thema Leerstand behandelt.
Ein weiteres Highlight steht bereits in den Startlöchern: Die Praxistage „Leerstand gestalten“ werden am 2. und 3. April 2025 in Ansbach stattfinden. Diese Veranstaltung wird von der Agrarsoziale Gesellschaft e.V. (ASG) organisiert und zielt darauf ab, Möglichkeiten der Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung in ländlichen Räumen zu erkunden. Fast 100 Akteur*innen werden vor Ort erwartet, während rund 130 Teilnehmer im Livestream dabei sein können. Die Moderation übernimmt Barbara Wunder, eine Expertin für Innenentwicklung.
Vielfältige Perspektiven und wertvolle Einblicke
Die Grußworte von Dr. Jürgen Ludwig, Landrat des Landkreises Ansbach, Judith Conrad vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie Martin Alexy vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus werden die Veranstaltung eröffnen. Sie thematisieren das Spannungsfeld zwischen Wohnraummangel und leerstehenden Hofstellen sowie die Bedeutung gleichwertiger Lebensverhältnisse und regionaler Wertschöpfung.
Die Teilnehmer können sich auf spannende Vorträge von Experten freuen, unter anderem von Prof. Dr. Peter Dehne, der den Wandel von Top-down zu Bottom-up-Ansätzen in der ländlichen Entwicklung beleuchtet. Exkursionen am zweiten Tag führen die Teilnehmer zu erfolgreichen Leerstandsnutzungen, wie dem wiederbelebten Bahnhof in Dombühl und dem Mehrgenerationenhaus „Dorflinde“ in Langenfeld. Diese Exkursionen bieten wertvolle Einblicke in die Praxis und zeigen, wie durch innovative Konzepte Leerstand aktiv angegangen werden kann.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Herausforderungen des Leerstands in ländlichen Regionen durch eine Kombination aus kreativen Ideen, nachhaltiger Planung und gemeinschaftlichem Engagement angegangen werden müssen. Die bevorstehenden Veranstaltungen in Thüringen und Ansbach bieten dafür die richtige Plattform.