Heute ist der 15.05.2026, und das Thüringenderby zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und Rot-Weiß Erfurt sorgt für reichlich Aufregung – allerdings nicht im Stadion. Der Gästeblock bleibt leer, weil Rot-Weiß Erfurt auf die angegebene Zahl von 800 Gästekarten verzichtet hat. Stattdessen haben die Fans in Erfurt ein Public Viewing organisiert. Ein bisschen schade, wenn man bedenkt, dass gerade solche Derbys für die Stimmung und die Begeisterung unter den Fans wichtig sind. FCC-Geschäftsführer Patrick Widera hat seine Enttäuschung über diese Entscheidung zum Ausdruck gebracht. Immerhin könnte eine hohe Zuschauerzahl das Derby noch aufregender machen.
Die Hintergründe sind jedoch alles andere als einfach. Seit der Neueröffnung des Jenaer Fußballstadions gibt es Konflikte zwischen dem FCC, seinen Fans und der Stadt Jena. Die Stadt hat vor der Saison eine Begrenzung für Gästetickets bei Hochrisikospielen festgelegt. Nur 800 Karten dürfen verkauft werden, was 50% der möglichen Kapazität entspricht. Das betrifft nicht nur die Spiele gegen Erfurt, sondern auch gegen andere Rivalen wie Lokomotive und Chemie Leipzig sowie den Hallescher FC. Das hat zu Protesten geführt – die Jenaer Ultras und die Fans der anderen Vereine zeigen sich unzufrieden mit dieser restriktiven Kartenpolitik.
Konflikte und Proteste
Die Stimmung ist angespannt. Die Ultras des FCC bestehen darauf, ihren traditionellen Standort in der Südkurve zu behalten, was weitere Konflikte mit der Stadt und den Sicherheitskräften nach sich zieht. Die Stadt Jena hat sogar die Konformitätserklärung für die Saison 2025/26 verweigert, was auf Ausschreitungen zurückzuführen ist. Dazu kommen die Hausverbote für 61 Personen, die für ein Jahr ausgesprochen wurden – eine Maßnahme, die der FCC als ungerecht empfindet. Patrick Widera hat angedeutet, dass rechtliche Schritte gegen diese Hausverbote geplant sind, auch wenn der Verein vor dem Oberlandesgericht verloren hat.
Die Situation ist heikel, denn die Stadt verfolgt eine Null-Toleranz-Politik gegen Gewalttäter im Stadionumfeld. Das hat zur Folge, dass Auflagen vor der Saison das Gästekontingent bei Hochrisikospielen weiter reduziert haben. In diesem Kontext versuchen Stadt und FCC, über Sicherheitsaspekte im Mietvertrag zu verhandeln. Aufkleber im Stadionumfeld, die Stadtfunktionäre zu „Feinden des Jenaer Fußballs“ erklären, führen zur Ermittlung durch die Polizei und zeigen, wie tief der Graben zwischen den Beteiligten ist.
Sicherheitsdebatte im deutschen Fußball
Diese Konflikte sind nicht nur lokal, sie spiegeln ein größeres Problem im deutschen Fußball wider. In einer Bund-Länder-offenen-Arbeitsgruppe (BLoAG) diskutieren Vertreter von Politik, Polizei, DFB und DFL über die Sicherheit in Fußballstadien. Der Ausgangspunkt war ein Spitzengespräch im Oktober 2024, in dem es um Polizeieinsatzstunden und Gewaltvorfälle ging. Die Fankultur, die eigentlich bunt und vielfältig sein sollte, steht unter Druck. Kriminelle Einzeltäter und politische Maßnahmen drohen das Stadionerlebnis für viele Fans negativ zu beeinflussen. Maßnahmen wie die Reduzierung von Gästefankarten und die Personalisierung von Tickets werden diskutiert, was nicht gerade zur Entspannung beiträgt.
Die DFL hat sich bereits mit den Zwischenergebnissen der BLoAG auseinandergesetzt und fordert eine bessere Zusammenarbeit. Die Verantwortlichen betonen, dass die Sicherheit der Fans und der Erhalt einer positiven Fankultur höchste Priorität haben. Um die Situation zu verbessern, sollen auch Mittel für sozialpädagogische Fanprojekte erhöht werden. Stadionverbote müssen auf konkreten, nachweisbaren Tatsachen basieren – pauschale Verbote sind nicht mehr tragbar.
Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Hoffnung auf eine Annäherung zwischen Stadt und FCC, die Patrick Widera geäußert hat, könnte vielleicht eines Tages Realität werden. Doch bis dahin wird das Thüringenderby nicht nur auf dem Platz, sondern auch in den Herzen der Fans weiter für Diskussionen sorgen.