Heute ist der 11.06.2026 und wir werfen einen Blick nach Nordhausen, wo die Hochschulsozialarbeit eine wichtige Rolle spielt. Die Einrichtung dieser sozialen Unterstützung an Regelschulen hat bereits Früchte getragen, und nun wird intensiv daran gearbeitet, auch Angebote für Grundschulen, Gymnasien und Berufsschulen zu schaffen. An den Hochschulen ist die Situation allerdings etwas anders. Hier gibt es nur vereinzelt soziale Projekte, wie das auf dem Nordhäuser Campus, das in den letzten Jahren ins Leben gerufen wurde.

Vor kurzem öffnete die Nordhäuser Hochschule ihre Türen für Interessierte und potenzielle Studierende. Präsident Wagner stellte nicht nur den Campus vor, sondern auch dessen Kernkompetenzen und die Region. Die Hochschulsozialarbeit ist seit 2021 im Flachbau des Campus angesiedelt. Ein dreiköpfiges Team, bestehend aus Conny Sander, Ines Jahne und Marie-Therese Weber, bietet Unterstützung für Studierende in schwierigen Lebenslagen. Dabei reicht das Angebot von der Immatrikulation bis zum Abschluss.

Beratungszahlen und Herausforderungen

Seit Projektbeginn wurden beeindruckende 1013 Beratungen durchgeführt. Darunter fallen 394 Erstberatungen, 619 weiterführende Beratungen und 54 Lerncoachings. Besonders auffällig: 33% der Studierenden kommen wegen psychischer Belastungen zu den Beratern, während 21% aufgrund von Studienproblemen und 12% mit multiplen Problemlagen Unterstützung suchen. Auch finanzielle Nöte und Integrationsprobleme internationaler Studierender spielen eine Rolle, wobei 9% der Fälle finanzielle Sorgen betreffen. Die Auswirkungen der Corona-Zeit sind nicht zu übersehen; jüngere Studierende kämpfen vermehrt mit Isolation und Einsamkeit.

Das Team der Hochschulsozialarbeit bietet eine Vielzahl von Workshops an, die sich mit Themen wie Studium mit ADHS, Depressionen sowie sportlichen und kulturellen Angeboten beschäftigen. Besonders hervorzuheben ist das Sprachcafé, das den Austausch fördert. Hochschulpräsident Wagner betont die positive Wirkung dieser sozialen Arbeit auf den Studienerfolg der Studierenden. Auch der Landrat lobt das Projekt, das nicht nur den sozialen Zusammenhalt stärkt, sondern auch Folgekosten für die Gesellschaft vermeidet.

Finanzierung und Zukunft

Die Hochschulsozialarbeit ist jedoch auf der Kippe. Das Projekt ist befristet, und Ende 2026 droht das Aus. Die Finanzierung kommt vom Bildungsministerium, weshalb die Hochschule keinen direkten Einfluss auf die Mittel hat. Wagner hofft auf weitere Unterstützung durch das Land, denn das Nordhäuser Modell könnte nach einer Evaluation dem Studierendenwerk angegliedert werden. Ein Vorschlag zur zentralen Koordination in Kooperation mit dem Studierendenwerk könnte hier hilfreich sein. Um den Erhalt der Hochschulsozialarbeit zu sichern, wurde eine Petition ins Leben gerufen.

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Ein Blick auf bundesweite Entwicklungen zeigt, dass die Zahl der Studierenden mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen von 11% im Jahr 2016 auf 16% im Jahr 2021 gestiegen ist. Das zeigt, dass die Probleme, mit denen junge Menschen konfrontiert sind, alles andere als neu sind. Die Erhebung „best3“, durchgeführt vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und dem Deutschen Studierendenwerk (DSW), hat gezeigt, dass der Anteil der Studierenden, die über psychische Erkrankungen berichten, von 53% auf 65% zugenommen hat. Ein Anstieg, der möglicherweise sowohl auf die Corona-Pandemie als auch auf eine gesellschaftliche Akzeptanz psychischer Erkrankungen zurückzuführen ist.

In der Gesamtheit ist der Druck auf Studierende enorm gestiegen, was die Nachfrage nach psychologischen Beratungsstellen betrifft. Diese sind stark frequentiert, und an vielen Standorten haben sich die Wartezeiten vervielfacht. Auch die Nachfrage nach Inklusionsberatung nimmt zu, jedoch ohne dass die nötigen Ressourcen bereitgestellt werden. Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des DSW, fordert daher einen Ausbau der personellen Kapazitäten in psychosozialen Beratungsstellen von Studierendenwerken und Hochschulen.

Die Herausforderungen sind groß – sowohl in Nordhausen als auch in anderen Hochschulen Deutschlands. Die Initiativen zur Unterstützung der Studierenden sind wichtig, aber sie müssen auch langfristig gesichert werden, um den Bedürfnissen der jungen Generation gerecht zu werden. Die Entwicklungen zeigen, dass die Hochschulsozialarbeit mehr denn je gefordert ist, um den psychischen Belastungen der Studierenden entgegenzuwirken.

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