Die Trafik am Bernaschekplatz in Linz-Urfahr ist nicht nur ein Laden, sondern ein Stück Geschichte. Sie feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen und hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer wichtigen Anlaufstelle für die Menschen in Urfahr entwickelt. Ursprünglich 1926 am damals noch Weigunyplatz gegründet, diente sie als Existenzsicherung für den Kriegsinvaliden Herrn Hasner. Der erste Trafikant, ein Kriegsversehrter des Ersten Weltkriegs, legte damit den Grundstein für eine Institution, die bis heute eine verlässliche Konstante in der Nachbarschaft ist. Die Vergabe der Trafik beruhte auf der Tradition des österreichischen Tabakmonopols, das Kriegsinvaliden unterstützen sollte – ein echter Lichtblick für viele damals und auch heute.

Nach 16 Jahren unter der Leitung von Gerhard Binder übernahm Martin Raab im Dezember 2022 die Trafik. Er entdeckte die Ausschreibung auf der Plattform der Monopolverwaltung (MVG) und wurde durch einen Freund auf das Monopolsystem aufmerksam gemacht. „Liebe auf den ersten Blick“ beschreibt Raab seinen Einstieg – und das aus gutem Grund. Der Standort und der Charme der Trafik haben ihn sofort begeistert. Die Unterstützung der MVG und die Trafik-Akademie halfen ihm, sich in die neue Rolle einzuarbeiten. Raab ist seit dreieinhalb Jahren Trafikant und sieht seine Entscheidung als richtig an, denn die Trafik bietet weit mehr als nur Tabakwaren. Als „Grätzl-Botschafter“ gibt er Insider-Tipps und trägt zur Lebendigkeit des Viertels bei.

Ein Modell für Inklusion

Die Trafik in Linz-Urfahr ist Teil eines größeren Systems, das seit über 240 Jahren in Österreich existiert. Das österreichische Tabakmonopol wurde nämlich bereits 1784 von Kaiser Joseph II. eingeführt, um Kriegsversehrte und -witwen im Tabakverkauf zu beschäftigen. Diese Regelung sollte den Betroffenen ein Einkommen und eine Lebensgrundlage bieten. Interessanterweise regelt das Tabakpatent bis heute den Tabakverkauf in Österreich und ist ein Modell für Inklusion. Es ist kaum zu fassen, dass solch eine Tradition bis heute Bestand hat!

Insgesamt gibt es etwa 2.500 Trafiken und 4.500 Tabakverkaufsstellen in Österreich. Diese Geschäfte dürfen nicht nur Tabakwaren verkaufen, sondern auch Lotterieprodukte, Briefmarken und Süßwaren. Ein weiterer spannender Punkt ist, dass die Verkaufspreise für Tabakwaren vom Hersteller festgelegt werden – das sorgt für einheitliche Preise in allen Trafiken im Land. Die Trafikant-Marge liegt zwischen 12 und 15 Prozent des Verkaufspreises. Das ist nicht viel, aber für viele Trafikanten ein wichtiger Teil ihres Einkommens.

Moderne Entwicklungen

Die Trafik am Bernaschekplatz hat sich auch den modernen Anforderungen angepasst. Sie ist nun eine offizielle Ö-Ticket Vorverkaufsstelle und bietet „Coffee to go“ ab 6 Uhr morgens an. Ein bisschen wie ein Treffpunkt für die Nachbarschaft, wo man sich schnell einen Kaffee holen kann, bevor der Tag richtig losgeht. Raab stellt damit sicher, dass die Trafik auch in der heutigen schnelllebigen Zeit relevant bleibt. Es ist ein Ort, der Tradition und Moderne verbindet. So bleibt die Trafik nicht nur ein Verkaufsort, sondern ein lebendiger Teil des Viertels.

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Insgesamt zeigt das Beispiel der Trafik am Bernaschekplatz, wie tief verwurzelt das Tabakmonopol in der österreichischen Gesellschaft ist und welche Rolle es für die Menschen spielt. Durch die Vergabe von Konzessionen an Menschen mit Behinderungen, insbesondere an Kriegsversehrte, wird nicht nur Tradition fortgeführt, sondern auch soziale Verantwortung übernommen. Und das ist in der heutigen Zeit vielleicht wichtiger denn je. Die Trafik bleibt ein Ort, an dem nicht nur Dinge verkauft werden, sondern auch Geschichten und Erfahrungen geteilt werden.

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