470 Beauty-Behandlungen als „Dr. Lukas“: Urteil im Prozess gegen falschen Arzt erwartet
Am Landgericht Konstanz wird heute, am 26. Oktober 2026, das Urteil im Prozess gegen einen 28-Jährigen erwartet, der sich als Arzt ausgegeben haben soll. Ab 9.00 Uhr sollen zunächst noch ein Gutachter gehört und anschließend die Plädoyers gehalten werden. Erst danach zieht sich das Gericht zur Beratung zurück.
Der gelernte Rettungssanitäter hat gestanden, ein Medizinstudium vorgetäuscht und gefälschte Zeugnisse verwendet zu haben. In einer Konstanzer Schönheitspraxis soll er Hunderte Menschen behandelt haben. Vorgeworfen werden ihm Urkundenfälschung, Betrug und gefährliche Körperverletzung.
470 Behandlungen unter dem Namen „Dr. Lukas“
Seit dem 19. Oktober steht der Mann vor dem Landgericht Konstanz. Laut Anklage führte er zwischen Anfang März und Mitte April insgesamt 470 ästhetische Behandlungen durch, überwiegend Hyaluronunterspritzungen im Gesicht. In einem Bericht ist von rund 475 behandelten Menschen die Rede. Aufgetreten sein soll der Angeklagte unter dem Namen „Dr. Lukas“ – und mit dem Eindruck, approbierter Arzt zu sein.
Tatsächlich hatte er 2018 lediglich eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Rettungssanitäter abgeschlossen. Für seine Anstellung legte er laut Anklage gefälschte ärztliche Prüfungsbescheinigungen und eine gefälschte Approbationsurkunde vor. Nach Angaben von Dominik Bettray, bekannt als „Dr. Nick“, waren auch das Abiturzeugnis und weitere Unterlagen gefälscht. Der Angeklagte sagte, die Dokumente über einen chinesischen Anbieter im Internet gekauft zu haben.
Er habe aus Anerkennungsbedürfnis gegenüber seinem Umfeld ein Medizinstudium vorgespiegelt, erklärte der 28-Jährige. Während der Corona-Pandemie habe er Präsenzveranstaltungen und Online-Vorlesungen erfunden. Damals sei das nach seiner Darstellung nicht schwierig gewesen. Laut Bettray soll der Beschuldigte bereits früher in seinem Lebenslauf gelogen haben.
Patienten berichten von Beschwerden
Die Praxis gehört zum Unternehmen „Aesthetify“ der TV-Beauty-Docs Henrik Heüveldop („Dr. Rick“) und Dominik Bettray („Dr. Nick“). Die beiden betreiben bundesweit sieben Standorte und erklärten, der Mann habe langjährige ärztliche Erfahrung vorgespiegelt. Sie selbst und die Patienten seien dadurch getäuscht worden. Auf Instagram und TikTok äußerten sie sich ebenfalls dazu.
Nach den Behandlungen berichteten Patienten unter anderem von Krämpfen, verschwommener Sicht, Kiefer- und Kopfschmerzen sowie Taubheitsgefühlen im Gesicht. Laut Staatsanwaltschaft brach sich in einem Fall ein Teil einer Spritze ab. In einem anderen Fall soll der Angeklagte versehentlich die Lippe einer Patientin durchstochen haben. Allen von ihm behandelten Patienten wurde eine Nachsorge angeboten.
Mehr als 100 Betroffene sollen Strafanträge gestellt haben, wie der SWR unter Berufung auf eine Sprecherin des Landgerichts berichtet. Neben Urkundenfälschung, Betrug und gefährlicher Körperverletzung geht es auch um den Missbrauch von Berufsbezeichnungen und die unerlaubte Ausübung der Heilkunde.
Haft und ein früherer Fall in Braunschweig
Der 28-Jährige befindet sich seit Ende April, beziehungsweise seit April, in Untersuchungshaft. Für den Prozess waren vier Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte am 28. Oktober fallen; am heutigen 26. Oktober könnte die Entscheidung aber bereits vorbereitet und nach dem Gutachter sowie den Plädoyers verkündet werden.
In Braunschweig war der Mann zuvor bereits wegen eines ähnlichen Betrugs aufgefallen und zu einer Geldstrafe verurteilt worden. „Dr. Rick“ und „Dr. Nick“ kündigten außerdem einen Podcast mit der Ex-Freundin des Angeklagten an und forderten eine langjährige Haftstrafe. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung.
