CDU am Abgrund: Die Suche nach Identität und der Kampf gegen die AfD
Heute ist der 12.10.2026. In der CDU brodelt es gewaltig. Die letzten Landtagswahlen, besonders die in Sachsen-Anhalt am 6. September, waren für die Partei wahrhaft katastrophal. Mit nur 17,2 Prozent der Stimmen ist das Ergebnis ein Tiefpunkt, während die AfD mit 43,8 Prozent einen gewaltigen Aufschwung erlebt hat. Friedrich Merz, der Parteichef, bezeichnete diese Niederlage als die schwerste seit Jahrzehnten. Ein klares Signal, dass die CDU in einer tiefen Krise steckt. Und die Umfragen? Auch die sehen alles andere als rosig aus und zeigen die Partei auf einem bundesweiten Niveau von 23 bis 24 Prozent.
Die CDU hat sich in einer Klausur zusammengefunden, um über ihren Status als Volkspartei zu diskutieren. Ein heißes Thema dabei ist der Umgang mit der AfD. Christine Singler von der Senioren-Union äußert scharfe Kritik an Merz, der nicht zu seinem Wort steht. Er hatte während des Wahlkampfs die Neuaufnahme von Schulden ausgeschlossen, nur um dann ein milliardenschweres Schuldenprogramm anzukündigen. Solche kommunikativen Fauxpas, wie seine umstrittene Aussage über ein „Gerechtigkeitsproblem“ im dualen System der Krankenkassen, tragen zur Unzufriedenheit bei.
Die Brandmauer zur AfD
Die Meinungen innerhalb der Senioren-Union sind unterschiedlich. Während Rainer Wieland, der Landesvorsitzende, klare Kante gegen die AfD fordert und Unterstützung von SPD und Grünen einfordert, zeigen sich einige Mitglieder, wie Ingeborg Choeb aus Ludwigsburg, offener für eine Zusammenarbeit mit der AfD. Sie sieht keinen Grund, gegen sinnvolle Anträge der AfD zu stimmen. Diese Diskussionen zeigen, dass die Brandmauer zur AfD nicht so stabil ist, wie es die Parteiführung gerne hätte. Merz selbst hat sich zwar gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgesprochen, doch die Basis scheint in Teilen anderer Meinung zu sein. Die Frage, wie die CDU sich künftig positioniert, wird immer drängender.
Auch der CDU-Spitzenmann Manuel Hagel hat sich zu Wort gemeldet und die Moralisierung im Wahlkampf kritisiert. Es scheint, als ob sich die CDU auf einem schmalen Grat bewegt, zwischen dem Verlangen nach einer klaren Abgrenzung zur AfD und dem Druck, sich den Sorgen der Wähler zu stellen. Ein Aufruf von Carsten Linnemann, ehemaliger CDU-Generalsekretär, zur Rückbesinnung auf gutes Regieren als Schlüssel zum Wahlsieg, könnte hier als Ansatz dienen. Doch die Wahrheit ist, dass die CDU sich nicht nur um die AfD kümmern muss, sondern auch um ihre eigene Identität und die Ansprüche der Bürger.
Die Stimmen der Enttäuschten
Die Reaktionen auf die Wahlniederlagen sind gemischt. Franziska Hoppermann, Linnemanns Nachfolgerin, zeigt sich erschrocken über die Ergebnisse, während Philipp Amthor betont, dass es für die CDU ums Ganze gehe. In der ZDF-Dokumentation „Inside CDU“ wird die prekäre Lage der Partei im Superwahljahr 2026 beleuchtet. Die Mitgliederzahl der CDU hat sich seit den 1990er-Jahren mehr als halbiert, und es gibt einen schwindenden Glauben an die Handlungsfähigkeit der Partei. Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte spricht von einer Entfremdung von der gesellschaftlichen Mitte.
Die Herausforderungen für die CDU sind enorm. Die AfD hat von der Schwäche der CDU profitiert, und die Lockerung der Schuldenbremse durch die schwarz-rote Koalition wird als ein zentraler Grund für den Glaubwürdigkeitsverlust der Partei angesehen. In Mecklenburg-Vorpommern scheiterte die CDU sogar an der Fünf-Prozent-Hürde – ein Desaster, das die Dringlichkeit einer Neuausrichtung unterstreicht.
