AMAG Ranshofen erzielt Rekordergebnis – doch der Cashflow rutscht tief ins Minus
Die AMAG Ranshofen hat in den ersten neun Monaten 2026 eines der besten Ergebnisse ihrer Unternehmensgeschichte erzielt. Im dritten Quartal kletterte der Umsatz um mehr als 16 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Das EBITDA legte sogar um knapp 60 Prozent auf 181 Millionen Euro zu.
Mit 80,3 Millionen Euro EBITDA war das dritte Quartal zugleich das zweitbeste Quartalsergebnis der AMAG. Als wesentliche Gründe nennt das Unternehmen den hohen Aluminiumpreis und einen um sieben Prozent gestiegenen Absatz. Im September erreichte der Standort Ranshofen außerdem die höchste Produktivität seit seiner Gründung.
Qualität statt Preiskampf
„Wegen der hohen Kosten des Standorts Österreich konkurrieren wir nicht primär über den Preis, sondern über Qualität und kontinuierliche Weiterentwicklung“, sagt Christoph Gabriel, Head of Investor Relations. In Ranshofen verarbeitet die AMAG ausschließlich recyceltes Aluminium. Die Produkte gehen unter anderem an die Automobil- und Transportbranche, in den Bereich der Wärmetauscher, an die Luftfahrt, in die Industrie sowie in Verpackungen und weitere Anwendungen. Rund 20 Prozent des Absatzes entfallen auf die USA.
Der hohe Aluminiumpreis hilft zwar beim Umsatz, hat aber eine Kehrseite: Auch die Beschaffung von Aluminiumschrott wird teurer. Weil die Produkte vorfinanziert werden, zeigen sich positive Effekte zeitverzögert. Laut Unternehmen könnten sie bereits im nächsten Quartal sichtbar werden.
Beim Geldfluss sieht es derzeit weniger glänzend aus. Der Cashflow lag aktuell bei minus 36,2 Millionen Euro. Schon im ersten Halbjahr war der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit mit minus 56,7 Millionen Euro deutlich negativ gewesen, nach plus 76,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Ausschlaggebend waren die höhere Kapitalbindung infolge des gestiegenen Aluminiumpreisniveaus und größere Metallbestände, unter anderem wegen logistischer Absatzverschiebungen im Segment Metall.
Starkes erstes Halbjahr, mehr Druck auf die Bilanz
Die AMAG-Gruppe hatte im ersten Halbjahr 2026 Absatz, Umsatz und Ergebnis trotz eines herausfordernden Marktumfelds gesteigert. Der Umsatz wuchs um 8,2 Prozent auf 850,7 Millionen Euro, nach 786,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025. Höhere Absatzmengen und deutlich gestiegene Aluminiumpreise trieben die Entwicklung an, während Wechselkurseffekte durch den stärkeren Euro gegenüber dem US-Dollar dagegenwirkten.
Insgesamt setzte die Gruppe 221.400 Tonnen ab, geringfügig mehr als die 220.400 Tonnen im Vorjahr. Im Segment Walzen legten die Mengen deutlich zu. Logistikbedingte Absatzverschiebungen im Segment Metall nahmen diesem Zuwachs allerdings einen wesentlichen Teil der Wirkung.
- Automobil: plus 31 Prozent
- Wärmetauscher: plus 23 Prozent
- Luftfahrt: plus 9 Prozent
- Industrielle Anwendungen: plus 2 Prozent
Das EBITDA belief sich im ersten Halbjahr auf 101,1 Millionen Euro – ein Plus von 25,4 Prozent gegenüber den 80,6 Millionen Euro aus H1/2025. Die EBITDA-Marge stieg von 10,3 auf 11,9 Prozent. Operative Verbesserungen, Produktivitätssteigerungen und Kosteneffizienzmaßnahmen in den Segmenten Gießen und Walzen spielten dabei eine wichtige Rolle. Im Segment Metall wirkten sich die hohe Produktionsstabilität und günstige Marktbedingungen für die kanadische Elektrolysenbeteiligung Alouette positiv aus.
Das Ergebnis nach Ertragsteuern erhöhte sich um 73,7 Prozent von 23,4 auf 40,7 Millionen Euro. Der Cashflow aus Investitionstätigkeit lag bei minus 19,3 Millionen Euro, nach minus 27,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025. Der Free Cashflow drehte von plus 49,1 Millionen auf minus 76,0 Millionen Euro.
Zum 30. Juni 2026 betrug die Nettofinanzverschuldung 421,7 Millionen Euro; Ende 2025 waren es 321,0 Millionen Euro gewesen. Die Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente sanken von 276,5 auf 186,1 Millionen Euro. Das Eigenkapital stieg hingegen von 717,1 auf 740,4 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote ging von 43,2 auf 41,0 Prozent zurück.
Ausblick mit zwei verschiedenen Prognosen
Für das zweite Halbjahr erwartet der Vorstand im Segment Metall eine gute Ergebnisentwicklung. Hohe Produktionsmengen bei Alouette sowie attraktive Aluminium- und Rohstoffpreise sollen dabei helfen. Im Segment Gießen bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll, die Entwicklung war bislang aber positiv. Produktivitätssteigerungen, operative Flexibilität und Kosteneffizienz gelten hier als entscheidend.
Im Segment Walzen rechnet die AMAG mit weiteren Mengen- und Produktivitätssteigerungen sowie einem Rekordabsatz im Automobilbereich. Zusätzliche Kosteneffizienzmaßnahmen sollen das Ergebnis stützen.
Bei der Gesamtjahresprognose stehen allerdings zwei unterschiedliche Angaben im Raum: In der aktuellen Entwicklung erwartet die AMAG für 2026 ein EBITDA zwischen 200 und 220 Millionen Euro. In der Mitteilung zum ersten Halbjahr wurde noch eine Spanne von 170 bis 190 Millionen Euro genannt.
Unsicherheiten bleiben geopolitische Entwicklungen, mögliche Änderungen bei US-Einfuhr- und Gegenzöllen, Energiepreise sowie Schwankungen bei Aluminium-, Prämien-, Rohstoff- und Währungspreisen. Auch Risikorückstellungen und Derivatebewertungen können zu Ergebnisschwankungen führen. Als Risiken nennt das Unternehmen außerdem schwankende Markt- und Energiepreise sowie US-Einfuhrzölle.
Weltmarkt bleibt in Bewegung
Der Blick auf den internationalen Aluminiummarkt erklärt, warum die Zahlen trotz des Erfolgs nicht ganz ohne Bauchweh gelesen werden. 2024 wurden weltweit 72,8 Millionen Tonnen Primäraluminium produziert – 2,9 Prozent mehr als 2023 mit 70,6 Millionen Tonnen. Für 2025 meldete das International Aluminium Institute 73,8 Millionen Tonnen. Bis Ende November lagen 67,5 Millionen Tonnen vor, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
China steigerte die Produktion um zwei Prozent, das übrige Asien um ein Prozent und Afrika um 2,9 Prozent. In der Golfregion sank sie hingegen um 2,9 Prozent. Die IKB erwartet moderates globales Wachstum; bis 2027 könnte die weltweite Produktion auf 78 Millionen Tonnen steigen. Impulse kommen vor allem aus Leichtbau und Elektromobilität.
Seit dem Jahreswechsel 2024/2025 verlief die Entwicklung nicht geradlinig: Im Jänner 2025 stieg die globale Primäraluminiumproduktion um 2,7 Prozent, in den ersten beiden Monaten lag sie nur 0,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im März waren es 2,3 Prozent, im ersten Quartal insgesamt 1,3 Prozent. Zum Ende des ersten Halbjahres betrug der Zuwachs 1,4 Prozent. China mit plus 2,5 Prozent und Europa mit plus 1,8 Prozent trugen wesentlich dazu bei, während die Produktion in der Golfregion und in Nordamerika stagnierte.
Auch die Preise bewegten sich kräftig. Primäraluminium blieb seit November 2024 zunächst relativ stabil, im Februar 2025 stieg der Monatsdurchschnitt um drei Prozent; zwischen Monatsminimum und -maximum lagen 120 US-Dollar je Tonne. US-Strafzölle beeinflussten die Preise im März deutlich. Der durchschnittliche Märzpreis für Aluminium Alloy stieg auf 2.531 US-Dollar je Tonne.
Von April bis Juli lag Aluminium Alloy im Monatsdurchschnitt über Primäraluminium, von April bis Juni auch Recyclingaluminium. Im Juli verteuerte sich Primäraluminium um 6,4 Prozent und lag mit durchschnittlich 2.499 US-Dollar je Tonne wieder über Aluminium Alloy. Der Preis für Recyclingaluminium blieb mehrere Monate relativ konstant. Die London Metal Exchange prüfte außerdem eine mögliche Prämie für nachhaltige Metalle, darunter Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink und Blei.
Im Zusammenhang mit den US-Zöllen wurde eine verstärkte Einfuhr von Aluminiumschrott beobachtet, darauf wurde ein Zollsatz von 15 Prozent erhoben. Ende Dezember lag Primäraluminium bei 2.968 US-Dollar je Tonne. Bis Ende des ersten Quartals 2026 wurden Preise in einer Spanne von etwa plus/minus 200 US-Dollar um 3.000 US-Dollar je Tonne erwartet; Aluminium Alloy sollte rund 300 US-Dollar darunter liegen.
Unruhig zeigten sich auch die Lagerhäuser. Die Bestände an LME und SHFE waren 2024 insgesamt volatil. Im Jänner 2025 gingen sie zurück, im Februar und März entwickelten sie sich uneinheitlich. Ende April lagen an der LME 415.575 Tonnen Aluminium, elf Prozent weniger als im Vormonat. An der SHFE waren es 175.857 Tonnen – ein Rückgang von 26 Prozent. Damit erreichten die Bestände an der LME den niedrigsten Stand seit zwei Jahren, an der SHFE seit einem Jahr.
Auch im Mai gingen die Börsenbestände deutlich zurück, im Juni sanken sie weiter. Die US-Zollpolitik brachte Veränderungen und Unruhe in die Lagerhäuser. Im Juli stiegen die Bestände erstmals seit mehreren Monaten wieder. Im August verlief die Entwicklung an LME und SHFE relativ einheitlich; im September entsprach der SHFE-Bestand ungefähr dem Vormonatsniveau, während sich an der LME der Lageraufbau der Vormonate fortsetzte. Ende Dezember lagen die LME-Bestände knapp fünf Prozent unter dem Vormonatsniveau, die SHFE-Bestände dagegen 12,6 Prozent über dem Vorjahresniveau.
