Martins Mantel wird zur Tafel: Helfer in Braunau, Altheim und Hochburg-Ach gesucht
Am 11. November ist Martinstag. Die Geschichte vom heiligen Martin, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte, kennt fast jedes Kind. Weniger bekannt ist vielleicht, wie unmittelbar dieser Gedanke heute noch ist: Bei den Tafeln geben freiwillige Helfer Lebensmittel an Menschen weiter, die sie dringend brauchen.
Auch in Braunau, Altheim und Hochburg-Ach werden jederzeit engagierte Helfer gesucht. Wer sich einbringen möchte, kann regelmäßig mitarbeiten oder gelegentlich einspringen. Der Bedarf wächst, denn die höheren Lebenshaltungskosten bringen immer mehr Menschen in Bedrängnis.
Vom Soldaten zum Bischof
Martin von Tours wurde um 316 in Sabaria im heutigen Ungarn geboren und wuchs im italienischen Pavia auf. Als Sohn eines Offiziers trat er zunächst in den römischen Militärdienst ein. Als junger Mann ließ er sich taufen und verzichtete danach auf den Kriegsdienst. Sein Lehrer war der heilige Bischof Hilarius von Poitiers.
Im Jahr 371 wurde Martin Bischof von Tours in Gallien, dem heutigen Frankreich. Trotzdem lebte er weiterhin einfach und arm, half Bedürftigen und setzte sich für Verfolgte ein. Als Mönch gründete er klösterliche Gemeinschaften in Ligugé und Marmoutier und gilt als Vater des abendländischen Mönchtums. Martin starb am 8. November 397 in Candes und wurde am 11. November in Tours beigesetzt. Dieser Tag wurde zu seinem Gedenktag.
Martin gilt als einer der ersten Heiligen, die nicht als Märtyrer, sondern als Bekenner verehrt wurden. Das Volk von Tours wollte ihn zum Bischof machen. Aus Demut hielt er sich für unwürdig und versteckte sich der Überlieferung nach in einem Gänsestall. Die schnatternden Gänse verrieten ihn – und Martin wurde zum Bischof geweiht.
Die Mantelhälfte und der frierende Bettler
Der Überlieferung nach begegnete Martin als junger Soldat am Stadttor von Amiens einem frierenden, fast unbekleideten Bettler. Er besaß nur seine Waffen und den Soldatenmantel, nahm das Schwert und teilte den Mantel. Die Hälfte gab er dem Mann.
In der folgenden Nacht erschien Martin Christus im Traum, bekleidet mit dieser Mantelhälfte. Christus erklärte den Engeln, Martin habe ihn mit dem Mantel bekleidet. Die Erzählung knüpft an Jesu Worte im Matthäusevangelium an: Was Menschen den Bedürftigen tun, tun sie Christus. Die Mantelteilung steht seither für tätige Nächstenliebe und für die Vorstellung, Christus in jedem Armen zu begegnen.
Gerade deshalb passt der Martinsgedanke zu den Tafeln. Dort wird kein Mantel zerschnitten, sondern Essen weitergegeben – Brot, Obst, haltbare Waren. Das Prinzip bleibt ähnlich: Etwas, das vorhanden ist, kommt dorthin, wo es fehlt.
Laternen, Lieder und eine Gans
Der Martinstag wird am 11. November gefeiert, weil Martin an diesem Tag im Jahr 397 beigesetzt wurde. In der kirchlichen Tradition werden Heilige gewöhnlich am Tag ihres Heimgangs zu Gott und nicht an ihrem Geburtstag geehrt. Früher markierte der 11. November außerdem das Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres. Danach begann eine vierzigtägige Fastenzeit vor Weihnachten, die „Martinsquadragese“ genannt wurde und in den Advent überging. Das Martinsfest galt als letztes großes Mahl davor.
Heute ist der Martinstag kein gesetzlicher Feiertag. Gefeiert wird er besonders im Rheinland, in Bayern und in anderen katholisch geprägten Regionen. Kinder basteln Laternen, singen Martinslieder und ziehen durch die Dunkelheit, häufig angeführt von einem Reiter, der Martin darstellt. Das Licht erinnert an Christus als Licht der Welt und an das Licht der Nächstenliebe, das Martin mit seiner Tat entzündet haben soll.
Oft erklingt dabei „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“. Der Liedtext erzählt von Martins Ritt und der Mantelteilung mit dem armen Mann. So wird die Botschaft vom Teilen und von der Nächstenliebe kindgerecht weitergegeben.
Auf den Tisch kommt traditionell die Martinsgans. Eine Deutung führt den Brauch auf jene Gänse zurück, die Martins Versteck verraten haben sollen. Eine andere Erklärung verweist auf das letzte reichliche Essen vor der Fastenzeit. Außerdem waren Gänse zu dieser Jahreszeit schlachtreif. Zum Martinsfest gehören auch Martinsbrezel und Weckmann – beides wird geteilt oder verschenkt.
Ein Heiliger mit vielen Verbindungen
Martin gilt als Schutzpatron Frankreichs, der Slowakei, zahlreicher Städte und Bistümer. Auch Mainz und das Umland sowie der Mainzer Dom haben ihn als Patron. Eine gleichnamige Priestergemeinschaft beruft sich auf Martin und wirkt heute überwiegend in Frankreich. Verehrt wird er unter anderem als Patron der Soldaten, Reisenden, Reiter, Bettler, Armen, Weber und Schneider. Zahlreiche Kirchen tragen seinen Namen.
Durch seine Biografie wurde Martin früh zum Nationalheiligen des Frankenreichs und seiner Könige. Im Erzbistum Köln erzählt man sich, Severin, der dritte bekannte Erzbischof von Köln, habe durch Engelsgesang vom Tod Martins bei Tours erfahren. Sein Archidiakon merkte sich den Zeitpunkt und stellte später fest, dass Martin tatsächlich zu dieser Stunde gestorben war. Die Legende könnte auf ein ähnliches sozial-karitatives Engagement Severins hindeuten; möglich ist außerdem, dass Severin ein Schüler Martins war. Mehrere Bischöfe auf gallischen Bischofsstühlen stammten im späten 4. und frühen 5. Jahrhundert aus Martins Klöstern Ligugé bei Poitiers und Marmoutier bei Tours.
Die Verehrung Martins wird mit der Bitte um seine Fürsprache bei Gott verbunden – nicht mit dem Glauben an einen magischen Glücksbringer. Ein einfaches Kindergebet lautet: „Heiliger Martin, bitte für uns.“ Für den 11. November enthält das Römische Messbuch ein Gebet, in dem um den Schutz durch Martins Fürsprache gegen alles Widrige gebeten wird.
Martinszüge gehen wahrscheinlich auf die Überführung seines Leichnams zurück: Er wurde auf einem Boot transportiert, das von Laternen begleitet wurde. Seit dem 14. Jahrhundert werden bei Martins- und Laternenzügen Martinslieder gesungen. Im Erzbistum Köln finden jährlich zahlreiche Martinszüge statt.
Termine in deutschen Städten
In Bonn findet der 104. große Martinszug durch die Innenstadt am Mittwoch, 4. November 2026, statt. Die Aufstellung beginnt um 16:30 Uhr auf dem Münsterplatz, der Zug startet um 17:15 Uhr. Die Strecke führt über Münsterplatz, Remigiusstraße, Acherstraße, Straße Dreieck, Münsterplatz, Vivatsgasse und Sterntor. Am Sterntor gibt es eine Spielszene, anschließend geht es über die Sternstraße zum Martinsfeuer auf dem Marktplatz. Eine digitale Karte mit weiteren Martinszügen gibt es auf bonn.de.
Der zentrale Martinszug durch die Düsseldorfer Altstadt findet am Dienstag, 10. November 2026, ab 17 Uhr statt. Ab 16:45 Uhr wird vor dem Rathaus die Geschichte von Sankt Martin vorgelesen. Start ist am Stiftsplatz. Die Strecke: Lüber Ratinger Straße, Neubrückstraße, Mühlenstraße, Martinsstele, Andreasstraße, Kurze Straße und Marktplatz. Gegen 17:30 Uhr folgt dort die erste Mantelteilung. Danach zieht der Zug über den Bereich um den Carlsplatz, die Mittelstraße und „Rheinort“ zum Burgplatz, wo gegen 18 Uhr die zweite Mantelteilung stattfindet. Organisiert wurde der Martinszug erstmals 1886.
In Köln beginnt der Martinszug durch die Altstadt am Freitag, 6. November 2026, um 17 Uhr mit einem Wortgottesdienst im Kölner Dom. Kinder und Erwachsene, auch ausländische Missionen, sind eingeladen. Der Fackelzug führt durch die historischen Gassen zum Martins-Viertel. An der Kirche Groß St. Martin wird der abschließende Segen gespendet, dort verteilt „St. Martin“ traditionelle Weckmänner. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. In vielen Kölner Stadtteilen gibt es außerdem kleinere Laternenumzüge von Kindergärten, Schulen und Vereinen.
Der 18. Wuppertaler Martinszug startet am Dienstag, 10. November 2026, ab 17 Uhr am Laurentiusplatz und endet auch dort. Martinsspiel und Martinsfeuer finden am Platz statt. Die Strecke führt über Friedrich-Ebert-Straße, Sophienstraße, Luisenstraße, Erholungsstraße, Herzogstraße, Kasinokreisel, Friedrich-Ebert-Straße und zurück zum Laurentiusplatz. Jedes Kind erhält zum Abschluss einen Weckmann, gestiftet von Bäckern der IG Friedrich-Ebert-Straße. Der ambulante Kinderhospizdienst des Caritasverbandes verkauft gegen Spenden heiße Getränke. Eine Gebärdendolmetscherin begleitet den Zug und unterstützt Familien mit gehörlosen Kindern. Die Liste der Termine soll noch ergänzt werden.
In evangelischen Regionen wird das Martinsfest teilweise auch mit Martin Luther verbunden: Sein Tauftag war der 11. November, und er wurde nach Martin von Tours benannt. Martin von Tours war ein katholischer Heiliger des 4. Jahrhunderts und wird auch in der orthodoxen Kirche verehrt. Die Laternen werden wieder leuchten – und in Braunau, Altheim und Hochburg-Ach kann man den Gedanken dahinter nicht nur anschauen, sondern mit anpacken.
