Steiermark ehrt 20 Persönlichkeiten – zwei Frauen für mutige Lebensrettungen ausgezeichnet
In der Aula der Alten Universität Graz sind am 3. November 2026 das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark und die „Steirische Lebensrettungsmedaille am weiß-grünen Band“ verliehen worden. Landeshauptmann Mario Kunasek und Landesrat Willibald Ehrenhöfer zeichneten 20 Persönlichkeiten aus – darunter zwei Steirerinnen für ihren Einsatz bei dramatischen Unglücksfällen.
Angehörige, Freunde und langjährige Wegbegleiter verfolgten den Festakt. Unter den Gästen waren Landesrat Hannes Amesbauer, Landeshauptmann a. D. Christopher Drexler, Landtagspräsident a. D. Franz Majcen, die Landtagsabgeordneten Theresia Heil und Markus Konrad, Militärkommandant Heinz Zöllner sowie Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger.
Vom Holzbau bis zur Hospizarbeit
Oskar Beer aus Hartberg entwickelte den elterlichen Holzbaubetrieb zu einem modernen Unternehmen und prägte als Landesinnungsmeister den steirischen Holzbau. Ausbildung und Nachwuchs waren ihm dabei ein wichtiges Anliegen. Rudolf Behr aus dem Bezirk Leibnitz war jahrzehntelang beim Österreichischen Bundesheer tätig, vor allem im Pionierwesen. Er half bei Katastrophen-, Hochwasser-, Sturm- und Lawineneinsätzen sowie bei Großveranstaltungen und engagierte sich für Miliz, Kameradschaftsbund und Ehrenamt.
Der Grazer Künstler Hans Beletz arbeitet mit Aquarell, Tusche und Öl. Seine Werke finden sich in Lexika, Publikationen und literarischen Illustrationen. Johann Eder-Schützenhofer aus dem Bezirk Bruck-Mürzzuschlag war langjähriger Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Freßnitz und stellvertretender Bereichsfeuerwehrkommandant; außerdem wirkt er im Landesverleihungsausschuss mit.
Franz Greinix aus dem Bezirk Voitsberg, Landwirt und langjähriger Funktionär des Ländlichen Fortbildungsinstituts, setzte sich für Bildungsangebote, Digitalisierung, bäuerliche Interessen und Bergbauern ein. Der Grazer Orthopäde, Forscher und Ausbilder Gerd Martin Ivanic leistete Beiträge zur Wirbelsäulenchirurgie, technischen Orthopädie und Rehabilitation.
Karl Kaplan aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld ist seit seiner Jugend bei der Freiwilligen Feuerwehr Fürstenfeld aktiv. Zahlreiche Ausbildungen und sein Einsatz für mehrere Generationen von Feuerwehrleuten prägten seinen Weg. Ingrid Knaus aus Graz verbindet als Künstlerin und promovierte Philosophin Malerei, Wissenschaft und Literatur; sie engagiert sich zudem für Nachwuchsförderung und Kunstvermittlung.
Branko Lenart prägte die steirische Fotoszene, unterrichtete an der Ortweinschule und an der FH Joanneum und war Mitbegründer des Artikel-VII-Kulturvereins. Sein Einsatz gilt dem kulturellen Dialog. Alois Lugitsch aus Hartberg-Fürstenfeld ist Musiker, Komponist, Kapellmeister und langjähriger Direktor der Musikschule Hartberg. Er gründete die Musical-Festspiele Schloss Hartberg.
Maria Pierer aus dem Bezirk Weiz baute gemeinsam mit ihrem Mann das Hotel Pierer auf der Teichalm auf und prägte dessen gastronomisches Konzept. Josef Rampler aus dem Bezirk Liezen arbeitet als Arzt, Notarzt sowie Bezirks- und Landesfeuerwehrarzt. Er entwickelte den feuerwehrmedizinischen Dienst weiter und engagierte sich in Ausbildung, Prävention und Sicherheit.
Der Grazer Pop-Art-Künstler und visuelle Gestalter Johann Rossbacher arbeitete unter anderem an Werbe-, Zeichentrick- und Plattencover-Projekten. Gertraud Schafler aus Hartberg-Fürstenfeld entwickelte das Familienunternehmen E-Werk und Elektro Schafler weiter. Der Betrieb versorgt die Region mit Wasserkraftstrom und bildet Fachkräfte aus.
Egon Taliman Sluga aus Graz ist Kulturmanager, Museums- und Ausstellungsmacher sowie Autor von Kochbüchern. Er initiierte die Kochbuchmesse und den Österreichischen Kochbuchpreis. Anton Eberhard Steffan aus dem Bezirk Deutschlandsberg setzte sich für die Burg Deutschlandsberg und das Burgmuseum „Archeo Norico“ ein.
Gerhard Wanker, Universitätsprofessor, Musikpädagoge und langjähriger Institutsleiter, gründete das Austria Consort, war Pianist, Mitglied der „Grazbürsten“ und Schulbuchautor. Angela Mauerbauer aus dem Bezirk Bruck-Mürzzuschlag und Evelyn Zörweg aus dem Bezirk Liezen bauten regionale Hospizteams auf und entwickelten sie weiter. Sie organisierten Ausbildungen und gewannen ehrenamtliche Mitarbeitende. Mauerbauer leitet das Hospizteam im Mariazellerland, Zörweg jenes in Gröbming und vertritt die steirischen Hospizteams im Landesvorstand.
Lebensrettung in brennenden Zügen und Häusern
Claudia Hakl aus dem Bezirk Weiz rettete nach einem Zugunglück in Wollsdorf im Mai 2025 den verletzten Lokführer. Sie evakuierte Fahrgäste aus dem brennenden Zug und durchsuchte ihn ohne Atemschutzausrüstung vollständig. Als Letzte verließ sie den Zug.
Anita Scherr aus dem Bezirk Voitsberg half nach einer Explosion und einem Hausbrand in Hörgas im September 2025 ihren Nachbarn. Einen 90-jährigen Bewohner rettete sie zweimal aus dem brennenden Haus, außerdem half sie, dessen Sohn vom Balkon zu bergen.
Im Namen der Geehrten dankte Alois Lugitsch der Landesregierung sowie den Angehörigen, Freunden und Wegbegleitern für ihre Unterstützung.
Weitere Auszeichnungen in der Aula
Die Ehrung vom 3. November 2026 reiht sich in eine längere Serie von Verleihungen in der Alten Universität ein. Am 10. November 2025 überreichte Landeshauptmann Mario Kunasek dort ebenfalls das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark und die „Steirische Lebensrettungsmedaille am weiß-grünen Band“. Damals nahmen unter anderem Bischof Wilhelm Krautwaschl, der ehemalige Bischofsvikar Heinrich Schnuderl, General a. D. Günter Höfler, Bundesrätin Antonia Herunter sowie die Landtagsabgeordneten Kerstin Zambo und Klaus Zenz teil. Kunasek dankte den Geehrten für Leistungen in gesellschaftlichen, beruflichen und ehrenamtlichen Bereichen.
Ausgezeichnet wurden 2025 unter anderem Gerhard Friesenbichler, der über sechs Jahrzehnte Musiker im Musikverein Ratten war, eine Vereinschronik verfasste und das Blasmusikmuseum in Ratten gründete. Heidemarie Fuchs leitete das Hospizteam Leibnitz und war in Organisation und Hospizbegleitung tätig. Karl-Josef Lienhart engagierte sich ehrenamtlich in der Grazer Hospizarbeit, auf der Palliativstation des Krankenhauses der Elisabethinen und beim Aufbau eines weiteren Hospizbegleitdienstes.
Gerald Gollenz, Obmann a. D., war an bedeutenden Immobilienprojekten unter anderem in St. Pölten, Wien und Graz beteiligt und hatte Funktionen in Fachgruppen der Wirtschaftskammer für Immobilienmakler, Verwalter und Bauträger. Anna Magdalena Hollwöger ist Juristin und frühere Assistentin für Zivilrecht, war Pressesprecherin und Leiterin des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der Diözese Graz-Seckau, organisierte den Mitteleuropäischen Katholikentag und war Generalsekretärin der Katholischen Aktion Steiermark.
Oberst i. R. Karl Holzer war mehr als 25 Jahre in leitenden Funktionen der öffentlichen Sicherheit tätig – unter anderem als Bezirksgendarmeriekommandant in Knittelfeld sowie als Bezirks- und Stadtpolizeikommandant in Leoben. Verdienste erwarb er sich auch in Nachwuchsförderung und Ausbildung. Frater Paulus Kohler gehört seit seinem 17. Lebensjahr den Barmherzigen Brüdern an. Er arbeitete im Krankenhausmanagement, war Rechtsträgervertreter der Lebenswelten der Barmherzigen Brüder Steiermark, Provinzial und Prior an mehreren Standorten und betreibt eine moderne Landwirtschaft.
Heidrun Notbauer engagierte sich früh im Rettungsdienst, baute die erste Tageswerkstätte der Lebenshilfe Hartberg und ein Netzwerk für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige auf. Sie war Geschäftsführerin und ehrenamtliche Obfrau der Lebenshilfe. Oberst i. R. Reinhard Pieber, Offizier und langjähriger Kommandant des Miliz-Jägerbataillons „Junker“, wirkte als Brückenbauer zwischen Militär und Zivilgesellschaft. Er initiierte die Katastropheneinsatzübung „Koralmschutz 08“, die als Vorbild für weitere Übungen in Österreich und international diente.
Doris Reiter leitet die Geschäftsstelle der Wirtschaftshilfe für Studierende Steiermark. Sie engagiert sich im Verein „Soziale Projekte Steiermark“ und war Mitinitiatorin des „Balls der Vielfalt“, des Inklusionslaufs, der „Kochbrücke“ und von Ukraine-Hilfsaktionen. Außerdem ist sie Bezirksrätin in Graz-Eggenberg.
Eberhard Schrempf absolvierte die Kunstschule für Bildhauerei und eine Bühnenbild-Ausbildung an der Kunstuniversität Graz. Er arbeitete beim „steirischen herbst“, baute mehrere Kulturagenturen auf, initiierte die Helmut-List-Halle und war Geschäftsführer von „Graz 2003 – Kulturhauptstadt Europas“. Zudem wirkte er an der Entwicklung der „Creative Industries Styria“ mit und lehrte an der FH JOANNEUM.
Adolf Schriebl spielte bei den Brandstätter Buam, war Mitbegründer des Gradnertal-Trios und später Mitglied der Kernbuam. Mit den Gruppen trat er in Europa auf und machte steirische Volksmusik auch international bekannt.
Mit der Lebensrettungsmedaille wurden 2025 Sascha Hammer und David Höfler geehrt. Hammer hörte am Röcksee bei Mureck Hilferufe, nachdem ein junger Mann untergegangen war. Trotz geringer Sicht und unbekannter Wassertiefe sprang er ins Wasser, barg den Mann und begann sofort mit der Reanimation. Der Verunfallte konnte wiederbelebt werden.
David Höfler rettete im Freibad Hartberg seinen Cousin Nico. Dieser war nach einem Sprung mit dem Hinterkopf am Beckenrand aufgeschlagen und lag regungslos in fast zwei Metern Tiefe. Höfler tauchte zu ihm, brachte ihn an die Oberfläche und holte gemeinsam mit einem Freund Hilfe. Der Bademeister verständigte den Notruf. Oberst i. R. Karl Holzer bedankte sich damals stellvertretend für alle Ausgezeichneten bei der Landesregierung.
Ein breites Netz an Landesauszeichnungen
Das Land Steiermark verleiht neben dem Goldenen Ehrenzeichen und der Lebensrettungsmedaille auch den Ehrenring, das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark mit dem Stern, das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark, das Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark sowie das Ehrenzeichen des Landes Steiermark für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
Für langjährige Tätigkeiten im Feuerwehr- und Rettungswesen gibt es Medaillen für 70-, 75- und 80-jährige Tätigkeit, Goldene Medaillen für 50- und 60-jährige, Silberne Medaillen für 40-jährige sowie Bronzene Medaillen für 25-jährige Tätigkeit. Verdienstkreuze für besondere Leistungen oder hervorragende Verdienste im Feuerwehr- und Rettungswesen werden in Gold, Silber und Bronze verliehen. Dazu kommen die Steirische Katastrophenhilfe-Medaille in Gold, Silber und Bronze sowie Sportleistungsmedaillen und Sportverdienstzeichen in Gold, Silber und Bronze.
Auf der Informationsseite des Bundes werden außerdem die Bereiche „Ehrenring“, „Zuständige Stelle“ und „Zusätzliche Informationen“ angeführt. In der Aula der Alten Universität ging es heute jedenfalls um Menschen aus der Steiermark, deren Arbeit oft dort sichtbar wird, wo andere längst aufhören – im Betrieb, im Einsatz, im Atelier, im Hospiz oder mitten in einer brenzligen Situation.
Quelle: Land Steiermark, https://www.politik.steiermark.at/cms/beitrag/13032006/7129389/
Weiterführende Informationen: https://www.verwaltung.steiermark.at/cms/beitrag/13001983/182839858/_1
Einordnung: https://www.oesterreich.gv.at/de/themen/arbeit_beruf_und_pension/titel_und_auszeichnungen/3/1/Seite.1730470
