Heute, am 16. Mai 2026, blicken wir auf die Wälder Österreichs, die sich über rund 4,02 Millionen Hektar erstrecken und damit etwa 48 Prozent der Staatsfläche ausmachen. Wahnsinn, oder? In diesen Wäldern leben etwa 3,5 Milliarden Bäume, die nicht nur wunderschön sind, sondern auch eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen. Der Zuwachs unserer Wälder wird jährlich an Brüssel und die UNO gemeldet und hat in guten Jahren wie 2001 über 20 Millionen Tonnen CO2 von den Gesamtemissionen abgezogen. Doch das Bild ist nicht durchweg positiv, denn die aktuelle CO2-Bilanz ist alles andere als rosig: Österreich verzeichnet einen Treibhausgas-Ausstoß von etwa 67 Millionen Tonnen.

Leider wird der Wald in den Jahren 2018, 2019, 2023 und 2024 zur Emissionsquelle, da mehr CO2 abgegeben wird als aufgenommen. Hauptursache hierfür sind ungeplante Holznutzungen durch Störungen, extreme Wetterereignisse und der gefürchtete Fichtenborkenkäfer. Manfred Lexer vom Institut für Waldbau der Uni für Bodenkultur hat zwar für 2025 eine Verbesserung prognostiziert, aber die Herausforderungen sind gewaltig. Besonders alarmierend ist der Trend, dass in trockenen Jahren, wie wir sie in den letzten Monaten erlebt haben, die Bäume weniger wachsen, was die CO2-Bindung verringert. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig warnt eindringlich vor den Folgen des trockensten März und April seit Beginn der Messgeschichte. Das Niederschlagsdefizit schwächt die Bäume und begünstigt die Ausbreitung des Borkenkäfers, insbesondere des gefährlichen „Buchdruckers“, welcher die Fichte besonders stark angreift.

Die Rolle der Wälder im CO2-Kreislauf

Die Bedeutung der Wälder für die CO2-Bindung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ihre Photosynthese ist entscheidend, um CO2 aus der Atmosphäre zu filtern. Die Bundeswaldinventur 2022 hat eine Debatte über die Klimaschutzfunktion unserer Wälder ausgelöst. Dürre- und Borkenkäferjahre zwischen 2018 und 2020 führten zu großflächigen Kalamitäten und einem dramatischen Fichtensterben. Schlagzeilen wie „Der deutsche Wald wird zur Kohlenstoffquelle“ haben oft Missverständnisse hervorgerufen und verdeutlichen, dass der Kohlenstoffkreislauf komplex ist. Der Umrechnungsfaktor von Kohlenstoff (C) in CO2 beträgt 3,67, was bedeutet, dass 500 kg Holz durchschnittlich 917,5 kg CO2 entspricht. Lebende Bäume speichern kontinuierlich Kohlenstoff, aber wenn sie absterben, sinken die Vorräte. Zwischen 2018 und 2022 war die Netto-Emission aus Wäldern aufgrund der hohen Kalamitätsholzmengen negativ.

Das Thünen-Institut untersucht die Waldböden und stellt fest, dass der Mineralboden Kohlenstoffverluste der Bäume ausgleicht. In Deutschland sind die Wälder zwar nur für etwa 0,33 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen verantwortlich, aber die Notwendigkeit zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in allen Sektoren ist evident. Um die Wälder als Kohlenstoffsenke langfristig zu erhalten, ist ein Umbau hin zu widerstandsfähigeren, klimafitten Mischbeständen unabdingbar. Junge Bäume, die zwischen 20 und 40 Jahren alt sind, wachsen schneller und speichern mehr Kohlenstoff, während nach etwa 50 Jahren oft ein Fließgleichgewicht von Zuwachs und Abgang erreicht wird.

Herausforderungen und Perspektiven

Die Herausforderungen für unsere Wälder sind enorm. Während Holzprodukte als langfristige Kohlenstoffspeicher wirken können, sinkt das Potenzial der Wälder als Kohlenstoffsenke. Seit 2018 ist die Klimawirkung des Holzproduktespeichers negativ, und der Verlust von 2,14 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten aus Wäldern ist alarmierend. Private Haushalte und die Wirtschaft emittieren nahezu 650 Millionen Tonnen CO2, was die Situation nur verschärft. Es ist klar, dass wir die Treibhausgasemissionen markant senken müssen, während wir gleichzeitig die Waldböden pflegen, um die Kohlenstoffspeicherung zu fördern. Die Forderung nach eingeschränkter Holznutzung in alten Wäldern ist problematisch, denn das richtige Maß ist entscheidend.

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Wir stehen vor der Aufgabe, die Wälder nicht nur als CO2-Senken zu betrachten, sondern auch ihre vielfältigen Ökosystemleistungen zu schätzen. Holz als Rohstoff kann CO2-intensive Materialien ersetzen, was einen weiteren positiven Effekt auf das Klima haben könnte. Doch die LULUCF-Klimaschutzziele sollten an die Grenzen der Ökosysteme angepasst werden. Es ist eine komplexe, aber notwendig gewordene Aufgabe, die Wälder zu schützen und gleichzeitig nachhaltig zu nutzen.