In der „Hofer Mühle“ in Deutschlandsberg wurde am 31. Oktober 2026 das Tanzbein geschwungen: Die Volkstanzgruppe Stainz lud zum Trachtenball und versprach eine gemütliche Ballnacht. Der Auftakt war traditionsreich und zugleich ein wenig verspielt. Beim Bandltanz gab Harmonikaspieler Dominic Fukar den Takt vor, während die Tänzerinnen und Tänzer den Bandlbaum zunächst zu einem weiß-grünen Muster flochten und anschließend wieder entrollten.

Obmann Peter Nöhrer begrüßte die Gäste und wies auf das bevorstehende 50-Jahre-Jubiläum der Volkstanzgruppe hin. Der Verein besteht seit 1977. Besonders willkommen hieß er die Tanzgruppen aus Bad Gams, Hengsberg, Stainztal und St. Martin im Sulmtal.

Musik, Mehlspeisen und ein voller Abend

Für den musikalischen Auftakt sorgte die Familienmusik Sommer. Schon da wagten sich die ersten Gäste aufs Parkett. Später spielten die Liebochtaler Tanzgeiger zum 35. Mal in Folge beim Ball auf. Laut Peter Nöhrer gingen sie ursprünglich aus der Familienmusik Strunz hervor.

Wer durch den Eingang kam, bekam ein Begrüßungsschluckerl. Danach folgten Volkstänze, eine Einführung in das Volkstanzen und ein Jahresrückblick auf der Videowall. Peter Sommer und sein Vater Eduard kommentierten die Bilder – ein Abend, an dem Erinnerungen nicht bloß im Fotoalbum blieben.

Für das Essen war die „Mühle“ zuständig, die Getränke schenkte das Team von Claudia Dunst-Mösenlechner aus. In der VTG-Bar standen Erdbeerbowle, auch alkoholfrei, Sekt und Jägermeister bereit. Dazu gab es Spagatkrapfen und süße Mehlspeisen. Nicht gerade die schlechteste Kombination für eine lange Ballnacht.

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Zum Gelingen trugen viele Hände bei. Nöhrer dankte der Trachtenstube Weigl für die Plakate, Gerti Schönberger für die Tischdekoration, Maria Hofferek für die Ballorganisation und Bernd Csernicska für die Tanztafel. Sein Dank galt außerdem allen weiteren Helferinnen und Helfern.

Herzerlkönigin und Apfelkorb

Auch abseits der Tanzfläche war einiges los. Bei der Wahl zur Herzerlkönigin setzte sich Lena Baumgartner mit 70 Herzen durch.

Beim Ratespiel musste das Gewicht eines von Obstbau Sommer bereitgestellten Apfelkorbs geschätzt werden. Die richtige Lösung: 5.260 Gramm. Franz Höfler lag zehn Gramm darunter, Gerhard Gaisberger zehn Gramm darüber – beide waren damit gleich weit vom tatsächlichen Gewicht entfernt. Der Erlös des Ratespiels wird wie im Vorjahr dem Vinzi-Markt in Deutschlandsberg übergeben.

Zum anstehenden 50-Jahre-Jubiläum bittet die Volkstanzgruppe Stainz um Erinnerungsstücke, Fotos und Schriftstücke. Wer etwas beitragen kann, darf die Materialien einem Mitglied der Volkstanzgruppe zur Erfassung übergeben.

Vom Sammeln zur lebendigen Tradition

Die österreichische Volkstanzbewegung entstand im späten 19. Jahrhundert aus Forschungs- und Sammeltätigkeiten zu ländlichen Tanztraditionen. Tänze wurden systematisch aufgezeichnet, auf österreichische Besonderheiten ausgerichtet und weitergegeben. So konnten sie gelehrt und vor dem Aussterben bewahrt werden.

Als Begründer der Sammlung und Systematisierung deutsch-österreichischer Tänze gilt Raimund Zoder (1882–1963). Er dokumentierte Volkstänze mit einer normierten Aufzeichnungstechnik und sammelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch geeignete Tanzmusik. Von Anfang an wurden zudem die Ausbildung von Tanzmusikern und die Bereitstellung festlicher Trachten gefördert.

Aus dieser Arbeit entwickelte sich eine eigenständige, lebendige Tradition, die über Generationen weitergegeben und weiterentwickelt wird. 1956 gründete Hermann Lein die Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz als Dachverband; neben österreichischen Gruppen sind dort auch Südtiroler Gruppen vertreten.

Im März 2011 nahm die Österreichische UNESCO-Kommission die österreichische Volkstanzbewegung in der Sparte „Darstellende Künste“ in das österreichische Verzeichnis des nationalen immateriellen Kulturerbes auf. Die Eintragung gilt für ganz Österreich und soll den verbindlichen Schutz der Volkstanzbewegung als lebendige Kulturtradition sichern.

Ganz ohne Spannungen ist diese Entwicklung allerdings nicht. Laut UNESCO-Kommission ist die Vielfalt des Volkstanzes gefährdet, wenn ein bestimmtes Volkstanzbild „eingefroren“ und musealisiert wird. Auch die Nutzung für Interessen von Tourismus, Wirtschaft, Politik und Regionalismus, zunehmende Perfektionierung und Professionalisierung sowie eine Ausrichtung auf Leistung und Wettbewerb können die Szene verengen. Vereinfachende Darstellungen in Massenmedien können die Wahrnehmung zusätzlich verzerren oder auf wenige Aspekte reduzieren.

In vielen Regionen Österreichs und Südtirols ist die traditionelle Tanzkultur dennoch lebendig und Teil des nationalen Kulturerbes. Einflüsse der österreichischen Tanzkultur gibt es auch in Bayern und weltweit in Gemeinschaften mit migrantischem Bevölkerungsanteil.

Volkstanzgruppen und Volkstanzkreise bieten in allen österreichischen Bundesländern weiterhin Tanzgelegenheiten an. Viele Österreicher schauen bei Vorführungen eher zu, statt selbst mitzutanzen. Daneben gibt es aber eine aktive traditionelle Volkstanzszene, in der überlieferte Tänze als Freizeitbeschäftigung gepflegt werden. Im Mittelpunkt stehen nicht professionelle Auftritte, sondern das gemeinsame Tanzen von Menschen verschiedener Altersgruppen und mit unterschiedlichen Könnensstufen.

Zum Repertoire gehört ein Kanon österreichischer Grundtänze, der in ganz Österreich und Südtirol aufgenommen wurde. Tanzveranstaltungen folgen üblicherweise einem festen Ablauf: Auftanz, Tanzfolge und Schlusskreis. Das Vereinsleben bringt Gruppen zusammen, wenn Tanzgruppen einander besuchen oder internationale Feste weitreichende geografische Verbindungen schaffen. Beim gemeinsamen Tanzen treffen Generationen aufeinander; zugleich gibt es besondere Bemühungen, den Volkstanz für Jugendliche attraktiv zu machen.