Am Dienstagnachmittag gegen 13 Uhr kontrollierte eine Polizeistreife auf der B74 in Sankt Martin im Sulmtal, Bezirk Deutschlandsberg, einen 66-jährigen Autofahrer aus dem Bezirk Leibnitz. Er war mit einem Anhänger unterwegs, auf dem ein Minibagger transportiert wurde.

Schon beim Vorbeifahren fiel den Beamten auf, dass das rechte Rücklicht des Anhängers nicht funktionierte. Außerdem fuhr der Lenker laut Polizei teilweise rund 70 km/h im Ortsgebiet – erlaubt gewesen wären höchstens 50 km/h.

Minibagger völlig ungesichert

Bei der Kontrolle zeigte sich, dass die Sache nicht mit einem kaputten Licht erledigt war. Der Minibagger war auf dem Anhänger völlig ungesichert. Auch der rechte Fahrtrichtungsanzeiger, das rechte Rücklicht und beide Bremsleuchten funktionierten nicht.

Zusätzlich wies das Auflaufbremssystem des Anhängers Mängel auf. Die Polizei untersagte deshalb die Weiterfahrt und nahm das Kennzeichen des Anhängers noch vor Ort ab. Der 66-Jährige wird bei der zuständigen Behörde angezeigt und muss mit mehreren Anzeigen wegen Verwaltungsübertretungen rechnen.

Die Landespolizeidirektion Steiermark verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung ordnungsgemäßer Ladungssicherung sowie funktionierender Beleuchtungs- und Bremsanlagen. Ein Minibagger, der bei einer Notbremsung ins Rutschen kommt, ist schließlich kein loses Einkaufssackerl.

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Studie: Jeder zehnte Lkw-Unfall mit Ladegutverlust

Wie schnell aus mangelhafter Sicherung eine Gefahr für andere werden kann, zeigt auch eine aktuelle KFV-AIT-Studie zu Unfällen durch schlecht gesicherte Ladung auf Österreichs Straßen. Das zweijährige, vom Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds geförderte Forschungsprojekt stützte sich auf eine Literaturrecherche, die Analyse mehrerer Unfalldatenbanken – darunter die ASFINAG-Ereignisdatenbank –, die Videoauswertung von 200 Lkw-Unfällen mit Ladegutverlust und Tests innovativer Sensoren zur Ladungs- und Branderkennung. Außerdem wurden 28 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Verwaltung und Sachverständigenwesen eingebunden.

Das Ergebnis der Videoanalyse: Etwa jeder zehnte Lkw-Unfall steht mit mangelhaft gesicherter Ladung in Zusammenhang. Dieser Anteil ist dreimal höher als bisher angenommen. In der amtlichen Unfallstatistik werden Ladungssicherungsmängel allerdings gemeinsam mit technischen Fahrzeugdefekten erfasst, was eine getrennte Auswertung erschwert.

Ladegutverluste wurden laut Studie auch bei Pkw und Kleintransportern häufig festgestellt. Verlorene Fahrräder, Handwerkerleitern oder ungesicherte Stahlstangen können bei einer Notbremsung durch Windschutzscheiben geschleudert werden. Für eine sichere Sicherung braucht es Fachkenntnisse, Erfahrung, geeignete Zurrmittel, optimale Ladeeinheiten und Verpackungen, die sich tatsächlich sichern lassen.

Verantwortung entlang der gesamten Transportkette

Kontroll- und Unfallberichte zeigen oft mehrere Schwachstellen gleichzeitig. Als wesentliche Ursachen für den fahrlässigen Umgang mit Ladegut nennt die Studie Zeit- und Kostendruck in der Transportwirtschaft, verschärft durch Informationsmangel. Zuständig ist demnach nicht nur die Person am Steuer: Die Verantwortung reicht von der Herstellung und Verpackung bis zur Zustellung.

Für bestimmte Aufgaben in der Transportorganisation gibt es bislang keine ausreichenden Ausbildungs- oder Prüfungsvorschriften. Eine alleinige Verantwortung der Fahrerinnen und Fahrer greift deshalb zu kurz, weil ungeeignet verpacktes oder geladenes Gut später nicht immer optimal gesichert werden kann.

Auch autonome Gütertransportfahrzeuge müssen künftig selbst erkennen können, ob Ladung verrutscht, umkippt, herunterfällt oder in Brand gerät. Getestet wurden dafür vibro-akustische Sensoren, optische Sensoren für Flammen und Wärmestrahlung, lineare Temperatursensoren sowie kamerabasierte Überwachung mit automatischer Bilderkennung. Besonders bei verrutschtem Ladegut und Bränden waren die Ergebnisse vielversprechend. Zusätzlich zur Erkennung braucht es aber automatische Programme, die passende Gegenmaßnahmen einleiten.

Die Studie empfiehlt unter anderem eine Qualitätssicherung bei der Aus- und Weiterbildung von Fahrzeuglenkenden und Anordnungsbefugten, mehr Kontrollen durch Polizei und technische Dienste, eine Anpassung von Strafen und Prüfgebühren sowie den Abbau von Kontrollhindernissen. Außerdem sollen weitere Personengruppen in verwaltungs-, straf- und zivilrechtliche Pflichten und Haftung einbezogen werden.

Praktische Hinweise liefert der kostenlose Leitfaden „Gut informiert – gut transportiert: Ladung sichern – aber richtig!“. Darin wird erklärt, wie verschiedene Güter gesichert werden, wie physikalische Kräfte wirken und welche gesetzlichen Vorgaben gelten. Weitere Informationsquellen sind ebenfalls enthalten. Der Leitfaden ist online und als Broschüre verfügbar.