Hans Hecht: Vom Maschinenbauingenieur zum prägenden Pfarrer in Lienz
In Eferding begann ein Weg, der Hans Hecht später nach Lienz, in die Theologie und auf die Kanzel führen sollte. In den 1960er-Jahren fuhr der Schüler täglich mit dem Fahrrad zum Bahnhof Eferding und anschließend mit dem Zug nach Linz. Heute, am 6. November 2026, blickt der evangelische Pfarrer DI Mag. Hans Hecht mit 73 Jahren auf ein erfülltes Leben zurück.
Seit 40 Jahren lebt der gebürtige Oberösterreicher mit seiner Frau Elke in Lienz. Das Ehepaar hat fünf Kinder und sieben Enkelkinder. Die Familie ist gewachsen, während sich Hechts beruflicher Weg mehrfach verändert hat – und ein Bibeltext schließlich den entscheidenden Anstoß gab.
Vom Maschinenbau zur Theologie
Nach der Matura 1972 studierte Hans Hecht Maschinenbau in Wien. Danach arbeitete er vier Jahre lang als Patent-Ingenieur bei VÖEST. Gemeinsam mit Elke und dem ersten Kind wohnte er damals in Linz.
Dann bewegte ihn ein Text aus dem Buch Haggai. Den Aufruf, am „Haus Gottes“ mitzuwirken, verstand Hecht als Anstoß zu einem Theologiestudium. Er kündigte seine Arbeitsstelle und zog mit seiner Familie nach Oberursel bei Frankfurt, wo er an einer kleinen Hochschule Theologie studierte.
Mit inzwischen zwei Kindern übersiedelte die Familie später nach Wien. Dort wurde das dritte Kind geboren, Hecht schloss sein Studium ab und absolvierte sein erstes Vikariatsjahr. 1986 kam er für das zweite Vikariatsjahr nach Lienz. Ein Jahr später bewarb er sich dort um die Pfarrstelle – weitere Bewerber gab es nicht – und wurde gewählt. In Lienz kamen die Kinder vier und fünf zur Welt.
33 Jahre in der Martin-Luther-Kirche
Bis zu seiner Pensionierung 2019 war Hans Hecht insgesamt 33 Jahre Pfarrer der Martin-Luther-Kirche am südlichen Stadtrand von Lienz. Damit leitete er auch 33 Jahre lang die einzige evangelische Gemeinde in Osttirol. Die fünf inzwischen erwachsenen Kinder wuchsen im dortigen Pfarrhaus auf.
Nach seinem 65. Geburtstag ging Hecht mit 31. August in den Ruhestand. Am Sonntag wurde er in der Martin-Luther-Kirche offiziell aus dem Pfarrdienst verabschiedet, in der evangelischen Kirche heißt das „Entpflichtung“. Ehrengast war Manfred Sauer, Superintendent der Evangelischen Kirche Kärnten-Osttirol.
Der Gottesdienst dauerte wegen der zahlreichen Abschieds- und Dankesworte rund zwei Stunden. Die Krankenhaus-Seelsorgerin, Mitglieder der Katholischen Frauenbewegung und Mitarbeiter der Pfarre verabschiedeten sich, überreichten Geschenke und richteten persönliche Worte an den Pfarrer und die Gemeinde. Zum Abschluss dankten und verabschiedeten sich Hans und seine Ehefrau Elke gemeinsam mit ihren Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln.
Das Ehepaar Hecht zieht nach Tristach. Bürgermeister Markus Einhauer hieß die beiden als neue Mitbürger willkommen. Ab 1. September übernimmt Franziska Förster die evangelische Gemeinde in Lienz. Die Pfarrerin stammt aus Deutschland.
Posaune, Berge und schnelle Hilfe
Ganz aus dem Gemeindeleben verschwunden ist Hecht auch nach seiner Pensionierung nicht. Zu seinen musikalischen Aktivitäten gehört das Posaunenspiel, das ihn bei vielen Gottesdiensten begleitet. Elke Hecht spielt Orgel. Dazu kommen Sport und handwerkliche Tätigkeiten: Hecht fährt Rad, geht Berg- und Skisport nach und unternimmt Kajak-Touren.
Im Herbst 2025 übernahm er kurzfristig die Betreuung der Evangelischen Pfarre Treßdorf im Gailtal einschließlich Jenig und Kötschach-Mauthen. Die Kuratoren Karl Wassertheurer, Horst Hochenwarter und Herbert Neuwirth dankten Hans und Elke Hecht für ihren Einsatz. Nach Angaben der Kuratoren ist Hans Hecht weiterhin verfügbar, wenn Unterstützung benötigt wird.
Auch Superintendentin Andrea Mattioli würdigte seinen Einsatz in der Pfarrgemeinde Treßdorf. Sie hob seine Stimme, seine Predigten und Gedanken, sein Posaunenspiel, seine handwerklichen Fähigkeiten und seine sportliche Ausdauer hervor. Hecht bringt sich auch nach der Pensionierung mit Zeit, Worten und Musik in die Gemeinde ein – offenbar nicht nur dann, wenn alles längst vorher ausgemacht war.
Eine Gemeinde mit langer Vorgeschichte
Wie weit die Geschichte der evangelischen Betreuung in Lienz zurückreicht, zeigen Unterlagen aus den 1930er-Jahren. Im Mai 1936 teilte die Pfarrgemeinde Spittal der Predigtstation Lienz mit, dass der „Deutsche Evangelische Bund“ der Entsendung eines zweiten Vikars ab dem 1. August 1936 zugestimmt hatte. Zugleich wurde angefragt, ob der neue Vikar W. Nordheim seinen Amtssitz in Lienz nehmen solle.
Mit Zustimmung der Predigtstation Lienz wurde schließlich Greifenburg als Amtssitz festgelegt. Der Ort lag zentraler, außerdem sprachen weitere Gründe gegen ein Vikariat in Lienz. Dokumente und Bilder aus dieser Zeit gingen bei einem Zimmerbrand des Vikars verloren.
Am 7. Juni 1938 beantragte die Predigtstation Lienz beim Oberkirchenrat dann, den Amtssitz von Vikar Wolfgang Nordheim nach Lienz zu verlegen. Als Gründe wurden die größere evangelische Gemeinde in Lienz und die zentralere Lage zu den weiteren Stationen genannt, die der Vikar mitversorgen sollte. Außerdem sollte in Lienz ein ganzes Militärregiment stationiert werden; dessen evangelische Angehörige sollten seelsorgerisch betreut werden.
Rückblickend wurde die Wahl Greifenburgs mit den politischen Verhältnissen im Ständestaat begründet. Ein junger, unerfahrener Vikar hätte am Sitz der Bezirkshauptmannschaft Lienz leichter Schwierigkeiten bekommen können. Am 22. Dezember 1939 wurde Vikar E. Kontetzny als neuer Personalvikar für Lienz mit Amtssitz in Lienz berufen. Im April 1940 wechselte Kontetzny nach Wiener Neustadt.
