Heute ist der 8. Mai 2026, und in der Inneren Stadt Wiens bereitet sich die Öffentlichkeit auf das „Fest der Freude“ am Heldenplatz vor. Diese Veranstaltung ist besonders bedeutsam, denn sie gedenkt der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945, dem offiziellen Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. In diesem Jahr jährt sich dieses einschneidende Ereignis zum 81. Mal. Und ein ganz besonderer Gast wird an diesem Abend sprechen: Lucy Waldstein, die als Zeitzeugin einen bewegenden Einblick in die Schrecken und Herausforderungen ihrer Flucht aus Österreich geben wird.

Lucy Waldstein, geborene Fischer, wurde im Dezember 1930 in Wien geboren. Ihre Kindheit war geprägt von Glücksmomenten, tierischen Freunden und einem bunten sozialen Leben. Doch die idylle der 1930er Jahre währte nicht lange. Im Jahr 1938 erhielt ihre Mutter, Liesl Neubauer Fischer, eine Warnung von einem Freund der Familie, dass sie die Stadt verlassen sollten. Die Familie war in akuter Gefahr, denn Lucys Vater, Ernst Otto Fischer, Chefredakteur der Kronen Zeitung, drohte die Verhaftung. In der Nacht flüchtete die Familie über die Grenze, ein gewagter Schritt, der nur durch die Unterstützung von Ernsts älterem Sohn, der in England lebte, möglich wurde. Ein „Kapitalistenvisum“ ermöglichte ihnen die Flucht, jedoch war es mit strengen Auflagen verbunden, die ihnen die Arbeit verwehrten.

Ein bewegtes Leben in der Fremde

Die Flucht führte die Familie zunächst nach Trinidad, einem der wenigen Orte, die Flüchtlinge des Nationalsozialismus aufnahmen. Lucy und ihre ältere Schwester Inge wurden in ein Internat geschickt, während ihre Eltern in Trinidad um ihren Lebensunterhalt kämpften. In einem Lager lebten sie 15 Monate lang unter widrigen Umständen zusammen mit anderen „feindlichen Ausländern“. Die Baracken waren mit Stacheldraht umzäunt, und es lebten etwa 200 jüdische Familien aus verschiedenen europäischen Ländern darin. Ihre Erinnerungen an diese Zeit sind geprägt von der Trennung von den Eltern und dem harten Kampf ums Überleben.

Nach dem Kriegseintritt Englands war die Unsicherheit groß. Die Familie entschied, dass die Mädchen nicht in ein Kriegsgebiet zurückkehren sollten. Schließlich reisten Lucy und Inge allein mit einem Passagierschiff nach Trinidad, um sich wieder mit ihren Eltern zu vereinen. Die Rückkehr nach Europa war für die Familie keine Option mehr. Ernst Otto Fischer starb 1944 an Komplikationen einer Routineoperation, und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in den USA wurde immer greifbarer. Ein wohlhabender Amerikaner, den die Familie vor ihrer Internierung kennengelernt hatte, half ihnen, die notwendigen Formalitäten für die Einreise in die USA zu klären, und so fanden sie 1945 schließlich einen Neuanfang in New York.

Gedenken und Reflexion

Lucy Waldstein wird beim Fest der Freude am Heldenplatz über ihre Flucht nach Trinidad berichten. Ihre Erfahrungen spiegeln die vieler jüdischer Flüchtlinge wider, die in den 1930er und 1940er Jahren vor dem Terror des Nationalsozialismus fliehen mussten. „Die Vorurteile und der Hass scheinen sich zu wiederholen“, hat sie in der Vergangenheit betont. Ein eindringlicher Aufruf, gegen diese Phänomene anzukämpfen und sich für eine friedliche und tolerante Zukunft einzusetzen. Bei der Veranstaltung wird auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen eine Rede halten, und die Wiener Symphoniker sorgen für das musikalische Rahmenprogramm. Die Übertragung auf ORF III wird es ermöglichen, dass viele Menschen diesen wichtigen Moment miterleben können.

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Die Geschichte von Lucy Waldstein ist nicht nur eine persönliche Erzählung, sondern ein Teil des kollektiven Gedächtnisses, das uns daran erinnert, wie wichtig es ist, die Vergangenheit zu reflektieren. Die Flucht vieler Juden aus dem Dritten Reich war von unvorstellbaren Herausforderungen geprägt. Während etwa 340.000 Juden aus Deutschland und Österreich während der NS-Zeit emigrierten, waren viele andere gezwungen, zu bleiben, was für sie oft tödliche Konsequenzen hatte. Die antisemitische Politik der Nationalsozialisten führte zu einem Klima der Angst und Unsicherheit, das sich über Jahre hinzog.

In diesem Kontext wird das „Fest der Freude“ am Heldenplatz nicht nur zur Feier des Friedens, sondern auch zum Mahnmal für die, die unter dem Regime gelitten haben und für die, die ihre Stimmen erheben, um sicherzustellen, dass solch eine Geschichte sich nicht wiederholt. Lucy Waldstein, mit ihrer bewegten Biografie, wird an diesem Abend einen wichtigen Beitrag leisten, um die Erinnerung wachzuhalten.