Gegen Mittag des 1. November 2026 sind die Feuerwehren Hagenberg im Mühlkreis und Tragwein zu einer Fahrzeugbergung alarmiert worden. Ein Fahrzeuglenker war beim Rückwärtsfahren über eine Geländestufe geraten. Das Elektrofahrzeug setzte im Bereich des Fahrzeugakkus auf und ließ sich nicht mehr aus eigener Kraft bewegen.

Auch die Pannenhilfe kam nicht weiter. Eine Bergung mit der Seilwinde schied aus, weil dabei Schäden am Unterboden und am Akku drohten. Also wurde das Kranfahrzeug der Feuerwehr Tragwein hinzugezogen. Gemeinsam befreiten die Feuerwehren das Fahrzeug schonend und ohne zusätzliche Beschädigung aus seiner misslichen Lage.

Vorsicht rund um den Akku

Der Einsatz in Freistadt zeigt, warum bei Elektro- und Hybridfahrzeugen nicht jeder Bergungsweg infrage kommt. Eine neue, verbändeübergreifend abgestimmte Handlungsempfehlung beschreibt den sicheren Umgang mit verunfallten Fahrzeugen dieser Art. Sie richtet sich unter anderem an Abschleppdienste, Werkstätten, Feuerwehren und andere Einsatzkräfte sowie an weitere Beteiligte bei Bergung und Übergabe.

Der Leitfaden entstand unter Federführung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) gemeinsam mit zahlreichen Organisationen. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) brachte Praxiserfahrungen aus Autohäusern und Werkstätten ein. Behandelt werden die Sicherung von Hochvolt-Batterien, Zuständigkeiten zwischen Feuerwehr, Abschleppdiensten und Werkstätten, Arbeitssicherheit, Transport und Zwischenlagerung sowie die Quarantäne potenziell beschädigter Hochvolt-Batterien.

Berücksichtigt werden der Stand der Technik sowie Vorgaben aus Arbeits- und Gefahrgutrecht. Im Mittelpunkt stehen außerdem die Qualifikation des Personals, Rettungsdatenblätter und eine strukturierte Fahrzeugübergabe nach Unfällen oder Bränden. Vom Unfallort bis zur Fachwerkstatt sollen dadurch sichere und verlässliche Abläufe möglich werden. Schulungen ersetzt die Handlungsempfehlung nicht, sie bietet Betrieben und Einsatzkräften aber eine praxisnahe Orientierung für den täglichen Umgang mit Elektrofahrzeugen. Die Empfehlung steht zum Download bereit.

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Mehr Fahrzeuge, andere Gefahren

Der Hintergrund wird mit jedem Jahr greifbarer: Im Januar 2025 waren in Deutschland laut Kraftfahrtbundesamt rund 2,5 Millionen Elektroautos und Hybridfahrzeuge zugelassen. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Elektrofahrzeuge um 17,2 Prozent, jene der Hybridfahrzeuge um 5 Prozent. Damit wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass Elektro- und Hybridfahrzeuge in Unfälle verwickelt sind.

Die überarbeitete DGUV Information 205-022 behandelt Lösch- und Rettungsarbeiten an Kraftfahrzeugen mit Hochvoltspeichern. Sie beschreibt Einsatzgrundsätze und Maßnahmen zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit bei verunfallten oder brennenden Elektrofahrzeugen, Grundlagen zur Gefahrenabwehr an der zugehörigen Ladeinfrastruktur sowie die Identifizierung der Fahrzeuge und die Einschätzung der Gefahrenlage an Unfallstellen. Auch Brandbekämpfung und Personenrettung werden unter Beachtung der Sicherheit der Einsatzkräfte behandelt. Eine kompakte Taschenkarte fasst die empfohlenen Maßnahmen für solche Einsätze zusammen.

Laut DGUV ist das Gefährdungspotenzial bei Unfällen und Bränden für Einsatzkräfte nicht größer als bei konventionellen Fahrzeugen – die Gefahren unterscheiden sich aber. Bei Elektrofahrzeugen entfallen potenziell brandbeschleunigende Schmier- und Kraftstoffe. Dafür müssen die Einsatzkräfte Hochvoltspeicher, meist Lithium-Ionen-Batterien, berücksichtigen. Brände im Inneren eines solchen Speichers sind schwer zugänglich und können giftige sowie brennbare Gefahrstoffe freisetzen. Dafür braucht es besondere Kenntnisse und gegebenenfalls eine angepasste Einsatztaktik.

An der Überarbeitung der DGUV-Information beteiligten sich unter anderem der Deutsche Feuerwehrverband, mehrere Feuerwehren, Feuerwehrschulen, Forschungsinstitute und weitere Einrichtungen. Ziel ist eine bundesweit nutzbare Lehrunterlage für die Einsatzkräfte der deutschen Feuerwehren. In Hagenberg und Tragwein war am Sonntag jedenfalls der Kran der entscheidende Helfer.