Herzsport am Traunsee: Wie Bewegung und Gemeinschaft Herzpatienten stärken
Herzsport kann mehr sein als Training in einer Halle. In Bad Füssing verbindet die Herzsportgruppe des SV Pocking und des TSV Rotthalmünster die wöchentlichen Einheiten mit gemeinschaftlichen Aktivitäten – diesmal führte der Weg 50 Herzsportler nach Gmunden an den Traunsee.
Begleitet wurde die Gruppe von Leiterin Gabi Eichner, den Übungsleiterinnen Melanie Hasbauer, Roswitha Ziegler und Olga Vostrikova sowie der Gruppenärztin Dr. Gulsuma Aliyeva. Mit dem Bus ging es durch den Hausruck und über Vöcklabruck nach Gmunden. Bei herrlichem Wetter verbrachte die Gruppe den Ausflugstag am Traunsee. Ein Tag, an dem offenbar nicht nur das Herz, sondern auch die Gemeinschaft auf ihre Kosten kam.
Bewegung mit Sicherheit
Regelmäßige Bewegung ist bei Herz- und Gefäßerkrankungen ein Bestandteil von Behandlung und Rehabilitation. Spezielle Sportgruppen bieten dafür Training unter fachkundiger Anleitung und gemeinsam mit anderen Betroffenen. Das kann Sicherheit geben und motivieren – gerade dann, wenn man nach einer Erkrankung nicht einfach wieder loslegen möchte.
Herzgruppen richten sich unter anderem an Menschen mit koronarer Herzkrankheit, nach einem Herzinfarkt oder einer Herzoperation sowie an Menschen mit bestimmten Formen der Herzschwäche. Trainiert wird unter Leitung qualifizierter Trainerinnen oder Trainer und mit ärztlicher Betreuung. Die Übungen werden an die persönliche Belastbarkeit angepasst.
Zum Angebot gehören häufig Bewegungstraining, Entspannungsübungen, Informationen zu einer herzgesunden Lebensweise und der Austausch mit anderen Betroffenen. Welche Gruppe passt, hängt vor allem von der jeweiligen Erkrankung ab. Herzgruppen sind besonders für Menschen geeignet, bei denen das Herzleiden im Mittelpunkt steht.
Auch Gefäße brauchen Training
Für Menschen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit, kurz pAVK, gibt es Gefäßsportgruppen. Die Durchblutungsstörung betrifft meist die Beinarterien und ist auch als „Schaufensterkrankheit“ bekannt. Unter Anleitung qualifizierter Übungsleitungen absolvieren die Teilnehmenden gezieltes Geh- und Bewegungstraining.
Regelmäßiges Training kann belastungsabhängige Beinschmerzen lindern, die schmerzfreie Gehstrecke verlängern und die körperliche Leistungsfähigkeit im Alltag verbessern. Die passende Gruppe sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt anhand der Diagnose und der persönlichen Belastbarkeit besprochen werden.
Herz- und Gefäßsport können als Rehabilitationssport ärztlich verordnet werden. Eine Verordnung muss in der Regel vor Trainingsbeginn von der gesetzlichen Krankenversicherung oder dem zuständigen Rentenversicherungsträger genehmigt werden.
Vereine, Verbände und Suchangebote
Herzgruppen werden meist von Vereinen und anderen örtlichen Leistungserbringern angeboten. Organisatorisch können sie etwa zu Landesorganisationen der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR), zu Landesbehindertensportverbänden und dem Deutschen Behindertensportverband (DBS), zu Landessportbünden beziehungsweise deren Fachverbänden und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), zum Bundesverband Rehabilitationssport | RehaSport Deutschland e. V. (RSD) oder zum Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS) gehören.
Bei der Suche helfen unter anderem die Herzgruppen der DGPR, die Herzgruppen des DBS, die Rehasport-Suche des BRSNW und die Herzgruppen des RSD. Gefäßsport wird häufig von örtlichen Gruppen bei Sportvereinen, Rehabilitationssportanbietern, Kliniken oder gesundheitsbezogenen Vereinen angeboten. Die Deutsche Gefäßliga führt eine bundesweite, nach Postleitzahlen geordnete Übersicht. Darin finden sich, soweit verfügbar, Anbieter, Trainingsort und Kontaktmöglichkeiten.
Ein Wegbegleiter der Herzgruppen
Wie eng Sport, Krankheit und neuer Lebensmut zusammenhängen können, zeigte auch Hartwig Gauder. Der am 10. November 1954 in Vaihingen an der Enz (Baden-Württemberg) geborene Olympiasieger im 50-Kilometer-Gehen von 1980 in Moskau lebte seit 1997 mit einem Spenderherz.
Gauder war als herztransplantierter Patient, Buchautor und Unterstützer ein langjähriger Wegbegleiter der Herzgruppen der DGPR. Sein Buch trug den Titel „Zwei Leben, drei Herzen – vom Olymp zum heiligen Berg“. Nach seiner sportlichen Laufbahn engagierte er sich für andere Menschen und nutzte dafür seine Bekanntheit als Olympiasieger sowie als Welt- und Europameister.
Als Mitbegründer der Walkingbewegung in Deutschland fand Gauder zur DGPR und deren Herzgruppen. Er war an den DGPR-Produkten „Vision 2 – Gesundes Herz“ und dem „Herzgruppenfilm“ beteiligt. Bei deutschlandweiten Veranstaltungen sowie Fort- und Weiterbildungen der DGPR-Landesorganisationen trat er als Referent und Motivator auf. Ein für die DGPR produzierter Herzgruppenfilm entstand 2012 gemeinsam mit Hartwig Gauder und Olaf Haberecht.
Darüber hinaus war Gauder Mitbegründer der Vereine „Sportler für Organspende“ und „Kinderhilfe Organtransplantation“ und setzte sich für Organspende ein. Am 22. April 2020 starb er im Alter von 65 Jahren in Erfurt an einem Herzinfarkt. Das von ihm als „drittes Herz“ bezeichnete Spenderorgan hörte an diesem Tag auf zu schlagen.
Die Erklärung der DGPR zu seinem Tod verfasste Dipl.-Med. Olaf Haberecht, ehemaliger Sprecher der DGPR-Phase III und Vorsitzender des LVPR Sachsen-Anhalt/Thüringen. Die DGPR und ihre Landesorganisationen erklärten, Hartwig Gauder zu vermissen und sein Vermächtnis in Ehren zu halten.
