Im Schlossbergsaal der Steiermärkischen Sparkasse ging es am 2. November 2026 um Wasserverluste, künstliche Intelligenz, Implantate und Kniebelastungen. Elf Startups präsentierten bei „Idea meets Money“ in Graz ihre Geschäftsmodelle – vor einem möglichen Investor, der die Gründerszene selbst gut kennt: Bergfex-Gründer Markus Kümmel.

Jedes Team hatte drei Minuten für den Pitch, danach durften die Investorinnen und Investoren ebenfalls drei Minuten lang Fragen stellen. Im Anschluss waren persönliche Gespräche möglich. Kümmel hörte aufmerksam zu. Er sei offen für Investments, wenn Idee, Team und Perspektive überzeugten, erklärte er, und wolle junge Unternehmen mit seiner Erfahrung unterstützen.

Vom Bergfex zum möglichen Investor

Kümmel gründete die Outdoor-Plattform Bergfex vor 27 Jahren gemeinsam mit Partnern. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 30 Mitarbeiter:innen, ist in 18 Sprachen verfügbar und zählt zu den führenden Outdoor-Plattformen im Alpenraum. Gewachsen ist Bergfex anschließend weitgehend durch Eigenfinanzierung.

Der Gründer kennt allerdings auch die andere Seite des Tisches. Anfang der 2000er-Jahre nahm er selbst an einem Vorgängerformat teil und warb dort um Unterstützung. Heute hält Kümmel Bootstrapping im Technologiebereich nur noch eingeschränkt für möglich: Die Märkte seien dichter besetzt, die Konkurrenz agiere schneller, und in vielen Bereichen bleibe weniger Zeit.

Künstliche Intelligenz beschleunige die Produktentwicklung zusätzlich. Funktionen, für die Bergfex früher mehrere Monate gebraucht habe, könnten heute teilweise in wenigen Wochen entstehen. Einfacher sei das Gründen dadurch trotzdem nicht geworden. Startups müssten sich in stark umkämpften Märkten zunächst Aufmerksamkeit verschaffen – und das ist, wie man hört, kein Spaziergang.

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Veranstaltet wird „Idea meets Money“ von der Steiermärkischen Sparkasse, dem Gründerservice der Wirtschaftskammer Steiermark, der Businessplan-Initiative i2b und dem Science Park Graz. Das Format von i2b ergänzt den jährlich stattfindenden i2b-Businessplan-Wettbewerb. Start-ups präsentieren dabei ihre Geschäftsideen und Projekte potenziellen Investorinnen und Investoren.

Teilnehmen können Teams mit einem funktionsfähigen Prototyp oder einem etablierten Leistungserstellungsprozess, die höchstens drei Jahre am Markt sind und Beteiligungskapital suchen. Für die Bewerbung muss eine One-Pager-Vorlage ausgefüllt und an contact@i2b.at gesendet werden.

Sparkassen-Vorstandsmitglied Oliver Kröpfl betonte, dass neben Ideen auch Unternehmergeist, Fachwissen, tragfähige Geschäftsmodelle und eine passende Finanzierung nötig seien. Science-Park-Graz-Geschäftsführer Martin Mössler sieht die Kurz-Pitches als Vorbereitung auf den internationalen Wettbewerb: Komplexe Technologien müssten in wenigen Minuten auf ihren wirtschaftlichen Kern reduziert werden.

Vier Modelle, vier Finanzierungsfragen

Indigo Water entwickelt eine hardwareunabhängige Softwareplattform für Wasserversorger. Vorhandene Daten werden zusammengeführt. Mithilfe von KI soll die Lösung Lecks lokalisieren und drohende Rohrbrüche erkennen – ein Thema, das bei steigenden Anforderungen an die Infrastruktur nicht gerade kleiner wird.

MotionSynq arbeitet mit fünf tragbaren Sensoren und biomechanischen Analysen. Sichtbar werden sollen Belastungsmuster, Asymmetrien und die Qualität von Bewegungen, zunächst mit Schwerpunkt auf dem Knie. Das gesuchte Kapital soll in einen drahtlosen Prototyp, Pilotstudien und die biomechanische Validierung fließen. Eine Beteiligung ist noch nicht vereinbart.

Bei MRsafe geht es um die Frage, ob Implantate MRT-tauglich sind. Das Startup bündelt verifizierte Implantatdaten, technische Parameter und KI-gestützte Entscheidungshilfen. Statt Informationen in verschiedenen Dokumenten zusammensuchen zu müssen, soll ein standardisierter digitaler Prozess entstehen.

SimplyAI entwickelt lokal betriebene, individuelle KI-Modelle und prüft bestehende KI-Produkte technisch. Die Audits bewerten unter anderem Leistungsversprechen, Datensicherheit und Wirtschaftlichkeit. Für Vertrieb, Marketing und die Produktisierung des Audits sucht das Unternehmen Risikokapital im sechsstelligen Bereich. Nach dem Pitch wurden weitere Gespräche vereinbart.

Ein kleiner Markt mit vielen Türen

Der österreichische Startup-Markt ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Seit 2013 wurden mehr als 3.700 Startups gegründet, dazu kommen drei Unicorns: Bitpanda, GoStudent und TTTech Auto. Im globalen StartupBlink-Ökosystem-Ranking 2025 lag Österreich auf Platz 26. 2024 flossen rekordverdächtige 891 Millionen Euro in Startups, 2025 waren es 253 Millionen Euro – keine einzelne Runde überschritt dabei 50 Millionen Euro.

Mehr als 30.000 Menschen arbeiten in österreichischen Startups. 22 Prozent der 2024 neu gegründeten Unternehmen wurden von Frauen gegründet, womit Österreich laut dem herangezogenen Bericht Platz eins in der EU einnimmt. 52 Prozent der Startups erhalten in der Pre-Seed- oder Seed-Phase öffentliche Förderung. Der Rückgang der Finanzierungen 2025 betraf vor allem spätere Phasen, während die Aktivität in der Frühphase stabil blieb.

Öffentliches Kapital ist die wichtigste einzelne Finanzierungskategorie. Förderprogramme beruhen auf Anträgen, festgelegten Programmen und Zeitfenstern und sind damit weniger beziehungsgetrieben als Venture Capital. Für Forschungs- und Entwicklungsprojekte ist vor allem die FFG relevant, für phasenbezogene Unternehmensfinanzierung die aws.

Die Austria Wirtschaftsservice mit Sitz in Wien ist die österreichische Förderbank für Startups von Pre-Seed bis Series A. Sie bietet Zuschüsse, Kredite, Garantien und Kofinanzierungsprogramme. Der aws Gründerfonds verfügt über 140 Millionen Euro und investiert vor allem in spätere Seed- und Pre-Series-A-Runden. Zu den wichtigen Programmen zählen aws First Incubator, aws Seed Financing, aws Gründerfonds und aws Co-Investment. Die Ticketgrößen reichen von 50.000 bis 3 Millionen Euro; beim aws Gründerfonds liegen typische Eigenkapitalinvestments bei 500.000 bis 3 Millionen Euro.

Die Forschungsförderungsgesellschaft, kurz FFG, ist die nationale Förderagentur für Forschung und Entwicklung – von Pre-Seed bis Scale-up. Sie sitzt in Wien und war dem Bericht zufolge Österreichs größter Startup-Finanzierer nach Volumen. 2023 wurden mehr als 100 Millionen Euro an Startups vergeben, vor allem als nicht verwässernde Zuschüsse für Deep Tech, Green Tech und Life Sciences. Die FFG verwaltet unter anderem COMET- und EDIH-Programme für Technologietransfer. Wichtige Angebote sind das FFG Basisprogramm, COMET, ESA BIC Austria und EDIH Austria; die Ticketgrößen reichen von 50.000 bis über 5 Millionen Euro.

Für Gründer:innen mit Sitz in Wien bietet die Wirtschaftsagentur Wien Unterstützung von der Ideenphase bis zur frühen Wachstumsphase. Sie betreibt Innovationszentren und Coworking-Infrastruktur, die Ticketgrößen liegen bei 10.000 bis 200.000 Euro.

Venture Capital, Angels und der Sprung nach draußen

Österreichs VC-Landschaft ist seit 2012 gewachsen, die durchschnittlichen Fondsgrößen liegen jedoch nur bei etwa 30 bis 50 Millionen Euro. Das macht den Standort in frühen Phasen stark; für Series B und spätere Runden gehen Startups typischerweise ins Ausland. Venture-Capital-Finanzierung ist zudem stark beziehungsgetrieben. Empfehlungen über Accelerators oder gemeinsame Portfoliogründer:innen zählen zu den wichtigsten Zugängen. Kaltakquise funktioniert am ehesten mit konkreten Verweisen auf Portfoliounternehmen und guter Kenntnis des Ökosystems.

Zu den bekannten Frühphaseninvestoren zählt Speedinvest. Der Fonds investiert in Pre-Seed und Seed, verwaltet mehr als 1,2 Milliarden Euro und vergibt Tickets von 250.000 bis 3 Millionen Euro. Standorte gibt es unter anderem in Wien, Berlin, London, München, Paris und San Francisco. Speedinvest gilt als einer der aktivsten Frühphaseninvestoren Europas und laut dem Bericht als Österreichs führender VC. Im Fokus stehen Deep Tech, Fintech, Health und Bio, Climate und Industrial Tech, SaaS und Infrastruktur sowie Marktplätze. Unterstützung gibt es auch bei Growth Marketing, HR und beim US-Markteintritt. Zum Portfolio gehören unter anderem Bitpanda, GoStudent, Wayflyer, TourRadar, Adverity, CoachHub und TWAICE.

APEX Ventures sitzt in Wien und investiert in Pre-Seed und Seed, mit Tickets von 250.000 bis 2 Millionen Euro. Gesucht werden Startups mit einzigartiger und schützbarer Technologie, etwa aus Cybersecurity, Smart Data und Business Intelligence, Fintech und Insurtech, Industrie 4.0 oder Digital Health.

eQventure ist ein Investor für die Wachstumsphase und setzt auf ein Entrepreneur-Investor-Modell: Erfolgreiche Gründer:innen bringen Kapital und Zeit ein. Der Schwerpunkt liegt auf Marktzugang in der DACH- und CEE-Region. Calm/Storm Ventures ist ein Wiener Seed-Fonds mit Founder-first-Ansatz und Fokus auf Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität. Wenige Deals, dafür intensive Betreuung.

Tecnet Equity aus Wien verbindet Seed-Investments mit Technologietransfer der TU Wien und konzentriert sich auf die Kommerzialisierung universitärer Spin-offs. Für akademische Deep-Tech-Gründer:innen kann das interessant sein. Pioneers Ventures, ebenfalls aus Wien, ist der Pre-Seed- und Seed-Arm des Pioneers-Festival-Ökosystems und nutzt den Dealflow des jährlich stattfindenden Festivals.

Der 2025 gestartete Fonds What A Venture verfügt über 15 Millionen Euro. Er will Unternehmen gemeinsam mit Gründer:innen aufbauen, statt ausschließlich bestehende Teams zu finanzieren, und investiert in Unternehmensgründung und Pre-Seed. ARAX Capital Partners investiert nach der Pre-Seed-Phase ausschließlich in Österreich, bevorzugt in Biotech und Hightech mit schützbarer Technologie. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Pre-Seed-Runde.

Auch die Angel-Szene ist seit 2015 deutlich gewachsen. 2023 gaben 53 Prozent der Gründer:innen an, Angel-Finanzierung erhalten zu haben. Angels wurden als gründerfreundlichste Kapitalquelle des Landes bewertet, noch vor öffentlichen Förderungen. Typische Tickets liegen bei 50.000 bis 500.000 Euro, oft als Teil syndizierter Runden. Nur fünf Prozent der österreichischen Angel-Investor:innen sind Frauen.

Die Austrian Angel Investors Association, kurz AAIA, ist ein organisiertes Wiener Angel-Netzwerk für Pre-Seed und Seed. Sie ermöglicht Koinvestitionen sowie Dealflow- und Due-Diligence-Austausch. Einzelinvestments liegen typischerweise bei 50.000 bis 500.000 Euro, syndizierte Runden können mehr als 1 Million Euro umfassen. Relevante Netzwerkanlässe sind ViennaUP, Veranstaltungen von weXelerate und das Pioneers Festival.

Der European Super Angels Club / Venionaire Capital verbindet in Wien und international das Kapital einzelner Angels mit institutionellen Dealstrukturen in der DACH- und CEE-Region. Genannt werden außerdem Hansi Hansmann, früher Unterstützer von Runtastic und einer der produktivsten österreichischen Angel-Investoren, die Impact-Investorin und Netzwerkerin Selma Prodanovic sowie Stefanie Pingitzer, eine frühe Pionierin des Ökosystems, Mitgründerin von LiLo Ventures und auf weibliches Unternehmertum fokussiert.

Wo Kapital sucht – und wo es hakt

Corporate Venture Capital gewinnt vor allem in der Wachstumsphase an Bedeutung. Der Grund: Heimische VC-Fonds sind für größere Finanzierungsrunden oft zu klein. Strategischer Mehrwert kann neben Kapital auch Kundenzugang, Vertrieb, regulatorische Beziehungen und Marktglaubwürdigkeit bringen. Bei der Ansprache sollte deshalb der geschäftliche Nutzen für die Muttergesellschaft im Vordergrund stehen.

Die Raiffeisen Bank International konzentriert sich auf Fintech, Bankeninfrastruktur und CEE und investiert von Seed bis Series B. Für Fintech-Startups mit Expansionsplänen in Mittel- und Osteuropa ist sie besonders relevant. Erste Group / s Ventures arbeitet in den Bereichen Fintech, Digital Banking und CEE und ist in sieben CEE-Märkten präsent. Beide haben ihren Sitz in Wien.

OMV Future Energy Ventures investiert von Seed bis Series B in Energiewende und Cleantech, darunter Wasserstoff, CO₂-Abscheidung, nachhaltige Materialien und Netzoptimierung. Kapsch Group fokussiert Mobilitätstechnologie, IoT und intelligente Infrastruktur; Kooperationen sind dort tendenziell projekt- und pilotgetrieben.

Fintech machte 2024 31 Prozent der Startup-Finanzierung aus, mehr als 277 Millionen Euro. Wien zählt zu den fünf führenden Fintech-Hubs in CEE. IT und SaaS stellten 30 Prozent der neu gegründeten Startups, getragen von einer starken technischen Talentbasis. Deep Tech kam auf 17 Prozent und profitiert von einer Forschungsprämie von 14 Prozent sowie FFG-Förderungen. Life Sciences und MedTech lagen bei 14 Prozent der neuen Startups. Mehr als die Hälfte der Startups versteht sich als Green oder Social Impact. Space und Quantum gelten als aufstrebende Bereiche, unterstützt durch ESA BIC Austria und FFG COMET.

Die strukturellen Stolpersteine bleiben trotzdem liegen: Series-B+-Finanzierungen sind in Österreich begrenzt, weshalb meist ausländische Investor:innen dazukommen müssen. 2023 umfassten nur 37 Prozent der Deals ausländische Investor:innen, in Berlin und Amsterdam waren es mehr als 50 Prozent. Eine vollständige Reform der Mitarbeiter:innenbeteiligung, also ESOP, steht noch aus. Wien erhält 70 Prozent der gesamten Startup-Finanzierung. Die FlexCo-Reform wird als strukturelle Verbesserung beschrieben.

Die Flexible Kapitalgesellschaft wurde im Jänner 2024 eingeführt. Sie soll besser auf die Anforderungen von Startups und Investor:innen zugeschnitten sein und den Verwaltungsaufwand gegenüber der traditionellen GmbH verringern. Im ersten Jahr wurden mehr als 700 Unternehmen als FlexCo registriert.

Für Frühphasen gelten grob folgende Größen: Angels investieren typischerweise 50.000 bis 500.000 Euro, Frühphasen-VC meist 500.000 bis 5 Millionen Euro. Öffentliche Förderungen von FFG und aws liegen typischerweise bei 50.000 bis 3 Millionen Euro und sind nicht verwässernd.

Wien punktet dabei mit hoher Lebensqualität, niedrigeren Betriebskosten als Berlin, London oder Amsterdam, einer starken akademischen Talentbasis, steuerlichen Anreizen für Forschung und Entwicklung, einer wachsenden internationalen Founder-Community und der strategischen Lage als Zugang zu den CEE-Märkten. Als Einstieg in das österreichische Startup-Ökosystem werden strukturierte Innovationsprogramme, ViennaUP und spezielle Matchmaking-Programme genannt. In Graz begann der Zugang an diesem Tag mit drei Minuten – und offenbar mit einigen Gesprächen, die noch länger dauern dürften.