Die Autorin Mareike Fallwickl, in Hallein 1983 geboren, hat mit ihrem neuen Roman „Haltet euch fest“ ein bemerkenswertes Werk veröffentlicht. Darin zeichnet sie die Geschichte einer Regenbogenfamilie und beleuchtet die Herausforderungen, mit denen diese Gemeinschaften konfrontiert sind. Im Fokus steht Marle, eine Frau um die vierzig, die sich sehnlichst ein Kind wünscht. Um diesem Traum näherzukommen, löscht sie alle ihre Dating-Apps und plant, ein Baby aus einer Samenbank zu bestellen. Doch in Österreich ist es derzeit noch gesetzlich verboten, ein Kind aus einer Samenbank zu bestellen, wenn keine offizielle Partnerschaft besteht. Ein Umstand, der die Suche nach dem Glück erschwert.

Die Handlung spielt in einer farbenfrohen Villa Kunterbunt, die von einer Gruppe Frauen und einem schwulen Paar bewohnt wird. Die Gründungsgeschichte dieser Hausgemeinschaft reicht bis in die 1970er Jahre zurück, als zwei Frauen den Mut fanden, ihre prügelnden Ehemänner zu verlassen. Sie lebten in einem antipatriarchalen Modell, ohne „Herrenzimmer“ oder traditionelle Bibliothek. Die Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft sind oft „queerplatonic“, was bedeutet, dass körperliche Liebe hier nicht im Vordergrund steht. Fallwickl gelingt es, durch wechselnde Perspektiven – zwischen Marle, ihrer Freundin Luzia, einer Theaterregisseurin, und Frieda, einer der Hausgründerinnen – die Komplexität der Beziehungen und die Herausforderungen des Lebens in dieser modernen Familie zu erfassen.

Familienrechtliche Herausforderungen

Was im Roman thematisiert wird, spiegelt sich auch in der Realität wider: In Österreich haben gleichgeschlechtliche Paare, die Kinder adoptieren möchten, nur begrenzte Möglichkeiten. Lesbische Paare können die materielle Sorge nur erlangen, wenn die gebärende Frau die Partnerin durch eine Stiefkindadoption anerkennt. Bei schwulen Paaren sieht es ähnlich aus – die gebärende Frau bleibt rechtlich die Mutter, während der Mann Vaterschaft anerkennen oder gerichtlich feststellen lassen kann. Aber der Partner des Mannes hat keine Möglichkeit zur Anerkennung und kann nur durch Stiefkindadoption rechtliche Elternschaft erlangen. Das geltende Abstammungsrecht ist dabei binär, was bedeutet, dass die rechtlichen Tatsachen oft nicht den modernen Familienstrukturen gerecht werden.

Fallwickls Roman behandelt auch Themen wie Diskriminierung und Familienrecht, und das nicht ohne Grund. Das Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag (SBGG), das am 1. November 2024 in Kraft tritt, wird auch für viele ihrer Charaktere relevant sein. Es zeigt sich, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für Regenbogenfamilien oft noch hinter den gesellschaftlichen Entwicklungen zurückbleiben.

Ein Blick auf die Realität der Regenbogenfamilien

In Deutschland sind gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern als „Regenbogenfamilien“ bekannt. Obwohl die Schätzung ihrer Anzahl aufgrund der Datenlage schwierig ist, zeigen Zahlen aus dem Mikrozensus von 2016, dass etwa 10.000 dieser Familien existieren. Kinder aus lesbischen Inseminationsfamilien haben oft nur einen rechtlichen Elternteil zum Zeitpunkt ihrer Geburt, was die Notwendigkeit von Adoptionen unterstreicht. Kritiker dieser Familienform befürchten, dass das Kindeswohl gefährdet sein könnte, während zahlreiche Studien belegen, dass Kinder aus Regenbogenfamilien sich ähnlich gut entwickeln wie ihre Altersgenossen aus heterosexuellen Familien.

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Das Thema bleibt also komplex und vielschichtig. Die Qualität der familialen Beziehungen ist entscheidend für die Entwicklung der Kinder, nicht die sexuelle Orientierung der Eltern. Dies wird auch im neuen Roman von Fallwickl deutlich, wo die Protagonisten trotz aller Schwierigkeiten ihren eigenen Weg finden, um eine liebevolle und unterstützende Gemeinschaft zu bilden.

„Haltet euch fest“ hat 432 Seiten und kostet 25,95 Euro (Rowohlt). In der spannenden Erzählung verbindet Fallwickl literarisches Talent mit einem scharfen Blick auf die gesellschaftlichen Realitäten unserer Zeit.