Tiroler Cup-Krimi endet nach 120 Minuten und neun Elfmetern mit WSG-Sieg
Was für ein Fußballabend im Innsbrucker Tivoli-Stadion: Vor 16.100 Zuschauern verlor der FC Wacker Innsbruck am Mittwoch, dem 28. Oktober 2026, im Achtelfinale des UNIQA ÖFB-Cups gegen die WSG Tirol mit 5:6 nach Elfmeterschießen. Nach 120 Minuten hatte es im Tiroler Derby 2:2 gestanden. Für den Zweitligisten war es ein bitteres Aus, der Bundesligist durfte jubeln.
Der Anpfiff erfolgte um 18:00 Uhr. Wacker war vor dem Spiel seit zwei Partien sieglos und lag mit 14 Punkten auf Rang sieben der ADMIRAL 2. Liga. Die WSG Tirol belegte in der ADMIRAL Bundesliga ebenfalls Platz sieben und war seit zwei Spielen ungeschlagen. Ihr bislang letztes Bundesligaspiel gegen den GAK hatte 1:1 geendet.
Früher Rückstand, schnelle Antwort
Die Gäste erwischten den besseren Start. Olakigbe flankte in der fünften Minute von links, Husein Balic köpfte ins lange Eck – 0:1. Wacker ließ sich davon nicht lange beeindrucken: In der 15. Minute schloss Luis Gstrein einen Konter mit einem Schuss von der Strafraumgrenze zum 1:1 ab.
Danach war einiges los. Hinterseer scheiterte aus spitzem Winkel an Kirchmayr (18.), Guermouche verpasste eine Hereingabe knapp (25.), und Baden Frederiksen zwang Kirchmayr mit einem Distanzschuss zur Parade (26.). Nach einer Flanke von Köchl köpfte Lechl in der 30. Minute knapp am Tor vorbei. Zur Pause stand es 1:1.
Wacker kam mit Schwung aus der Kabine. Evans prüfte die WSG-Abwehr in der 49. Minute, Gstreins Schuss wurde in der 58. Minute geblockt, Lechl verfehlte das Tor kurz darauf nur knapp (60.). Die größte Chance hatte Wacker in der 72. Minute: Owusu spitzelte den Ball an Hamzic vorbei, doch Gugganig rettete für die Tiroler.
In der Schlussphase drückte dann die WSG. Baden Frederiksen scheiterte an Kirchmayr (76.), Satin traf eine Hereingabe von Wels in der 83. Minute nicht richtig, und Wels setzte den Ball in der 87. Minute an die Latte. Eine Minute später hätte Wacker den Sack fast zugemacht: Yilmaz vergab nach Vorlage von Biancheri den möglichen Siegtreffer.
Zwei Tore in der Verlängerung
Nach 90 Minuten blieb es beim 1:1. Auch in der Verlängerung ging es munter weiter. Hinterseer scheiterte aus rund zwölf Metern an Kirchmayr (93.), Owusu prüfte Hamzic mit einem Schuss von der Strafraumgrenze (94.). Kurz vor der Pause der Verlängerung flog ein abgefälschter Kopfball von Kopp knapp am Tor vorbei.
In der 110. Minute schlug die WSG zu. Wels scheiterte nach Zuspiel von Satin zunächst an Kirchmayr, Thomas Sabitzer verwertete den Abpraller zum 1:2. Wacker wackelte – fiel aber nicht. In der 116. Minute köpfte Gabriele Biancheri eine Flanke präzise ins Eck und stellte auf 2:2. Damit war die Partie nach der Verlängerung wieder offen; die Angaben zum Spielverlauf führen Balics frühen Treffer dabei als Ausgleich der WSG, während der Treffer im Matchverlauf in der 110. Minute Sabitzer zugeschrieben wird.
Im Elfmeterschießen wurde es dann lang und nervös. Sabitzer traf für die WSG, Wibowo scheiterte an Hamzic. Wels fand in Kirchmayr seinen Meister, Kunze traf für Wacker. Danach hielt Kirchmayr auch den Versuch von Goiginger, während Biancheri verwandelte. Boras brachte die WSG wieder in Front, Galle scheiterte an Hamzic. Satin traf, Yilmaz glich mit einem Lattenschuss aus.
Kubatta scheiterte anschließend an Kirchmayr, doch Owusu vergab den Matchball mit einem Lattenschuss. Oswald traf zur 4:3-Führung der WSG, Weinzierl scheiterte abschließend an Hamzic. Endstand: FC Wacker Innsbruck – WSG Tirol 5:6 n. E. (2:2).
Die Tore im Spiel erzielten Gstrein (16.) und Biancheri (116.) für Wacker sowie Balic (5.) und Sabitzer (110.) für die WSG. Geleitet wurde die Partie von Schiedsrichter Sebastian Gishamer. Gelbe Karten sahen Boras und Taferner, bei Wacker gab es keine Verwarnung.
Ein Cup mit langer Geschichte
Der ÖFB-Cup, offiziell UNIQA ÖFB Cup, ist der nationale Pokalbewerb im österreichischen Männerfußball. Veranstalter ist der Österreichische Fußball-Bund, gespielt wird im K.-o.-System. In der Hauptrunde treten 64 Mannschaften an; grundsätzlich berechtigt der Cupsieg zur Qualifikation für die UEFA Europa League. Die aktuelle Saison ist 2026/27.
Seinen Ursprung hat der Bewerb im Niederösterreichischen Cup, der von 1915 bis 1918 ausgetragen wurde. Als weiter zurückliegender Vorläufer gilt der Challenge-Cup, den der Vienna Cricket and Football-Club 1897 für Vereine der österreichisch-ungarischen Monarchie ausschrieb. Der Challenge-Cup wurde bis 1911 gespielt. Im Niederösterreichischen Cup war die Teilnahme zunächst freiwillig und mit gestaffelten Startgebühren verbunden, erster Sieger 1915 wurde der Floridsdorfer AC.
Kurios ging es damals auch zu: 1918 entschied Wacker Wien ein Spiel gegen Germania Schwechat erst in der 158. Minute mit 4:3. Das Finale zwischen Floridsdorfer AC und Wiener Amateur-SV wurde wegen einer eigenmächtigen Terminverschiebung nicht anerkannt, der Pokal blieb ohne Sieger. Ab 1919 mussten alle NFV-Mitglieder verpflichtend teilnehmen.
Rapid gewann den ersten offiziell ausgetragenen ÖFB-Cup 1919 gegen den Sport-Club mit 3:0 und verteidigte den Titel 1920. Die frühen Endspiele fanden auf der Hohen Warte statt. 1921 holte der Wiener Amateur-SV, der spätere FK Austria Wien, seine erste Trophäe. Austria gewann 1924 gegen Slovan ein Finale mit 14 Toren 8:6 und siegte wegen des damals saisonübergreifenden Frühjahrs- und Herbstmodus im Jahr 1924 gleich zweimal: im Juli die Saison 1923/24, im November die Saison 1924/25.
Später wechselten sich Austria und Admira als Sieger ab. 1926/27 qualifizierte sich der Cupsieger erstmals für den Mitropapokal. 1931 wurde der Wettbewerb ausnahmsweise im Meisterschaftsmodus ausgespielt; der WAC gewann mit 16 Punkten. Ab 1932 galt wieder das K.-o.-Format. Admiras 8:0 gegen Rapid im Finale 1934 ist bis heute der höchste Sieg in einem ÖFB-Cupfinale.
Nach der Annexion Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde der österreichische Cup eingestellt. Schwarz-Rot Wien war der letzte Sieger vor der Unterbrechung. Rapid gewann 1939 den deutschen Vereinspokal gegen den FSV Frankfurt mit 3:1, Vienna setzte sich 1943 gegen den Luftwaffen-Sportverein Hamburg mit 3:2 nach Verlängerung durch.
1945 wurde der ÖFB-Cup wieder ausgeschrieben. Rapid besiegte Vienna vor 50.000 Zuschauern – bis heute Rekordkulisse – mit 2:1. Nach Streitigkeiten über die Auslosung 1946/47, bei der alle Vereine außerhalb Wiens gegen Wiener Klubs antreten sollten, wurde der Bewerb in den Bundesländer-Cup umgewandelt. Jeder der neun Landesverbände entsandte einen Vertreter. Austria gewann 1948 im Halbfinale gegen den 1. Salzburger SK 1919 mit 15:0. Ab der Saison 1949/50 schrieb der ÖFB vorerst keinen weiteren Cup aus.
Damals wurden unentschiedene Spiele noch wiederholt. Der Wiener Sport-Club und Admira benötigten im Viertelfinale 1947/48 drei Partien, Austria gegen Rapid musste im Achtelfinale 1948/49 nach einem 1:1 nach Verlängerung erneut antreten und gewann 3:2.
Vom Wiederbeginn zum heutigen Modus
Vor allem kleinere Vereine drängten auf eine Rückkehr des Bewerbs. Alfred Frey, Präsident des SC-Wacker-Wien, schlug zusätzlich einen europäischen Pokalsiegerbewerb vor. 1958/59 wurde der ÖFB-Cup wieder ausgetragen, der WAC gewann. Weil der WAC damals international nicht antreten durfte, trieben ÖFB und Mitropapokal-Komitee die Schaffung eines europäischen Pokalsiegerbewerbs voran; die UEFA übernahm ihn ein Jahr später.
Ab 1960 qualifizierte sich der österreichische Cupsieger für den Europacup der Cupsieger. 1965 gewann der Linzer ASK als erster nicht aus Wien stammender Verein Meistertitel und Cup. Ein Schiedsrichterfehler führte 1967/68 bei Wacker Wien gegen Austria Klagenfurt zu einer Wiederholung, weil trotz 2:2 nach regulärer Spielzeit keine Verlängerung gespielt worden war.
Seit 1971/72 entscheidet bei Gleichstand nach Verlängerung grundsätzlich das Elfmeterschießen. In der Saison 1970/71 gab es noch drei Wiederholungsspiele. Seit 1989/90 wird jede Begegnung grundsätzlich in einem Spiel entschieden; 1990 gewann Austria Wien den ersten Cup nach diesem Ein-Spiel-Modus. Der Zweitligist Kremser SC sorgte 1988 für eine Überraschung, 1991 gewann mit dem SV Stockerau gegen Rapid erneut ein Zweitligist das Finale.
In den 1970er-Jahren dominierten Wacker Innsbruck, Rapid und Austria Wien; jeder dieser Vereine gewann in diesem Jahrzehnt fünf Titel. Nach dem wirtschaftlichen Niedergang Wacker Innsbrucks blieb in den 1980er-Jahren vor allem das Duell Rapid gegen Austria. Der Grazer AK gewann 1981 als Ausnahmeverein. Rapid besiegte Austria 1985 nach einem 3:3 im Elfmeterschießen mit 6:5, Austria revanchierte sich 1986 nach einem weiteren 3:3 mit 6:4 nach Verlängerung.
Ende der 1980er-Jahre mischte FC Swarovski Tirol mit, 1989 holte Swarovski den Cup. Nach Innsbrucks letztem Titel 1993 gewannen ab Ende der 1990er-Jahre vor allem GAK und Sturm Graz. Sturm siegte zwischen 1996 und 1999 in drei von vier Finalteilnahmen, verlor 1998 allerdings gegen den SV Ried. Der GAK gewann zwischen 2000 und 2004 drei weitere Titel. 2001 wurde der FC Kärnten der vierte Zweitligist mit einem Cupsieg.
Eine Ausnahme blieb die Saison 2007/08: Der Cup wurde als Amateur-Cup nur mit Mannschaften ab der dritten Leistungsstufe ausgetragen, das Finale entschied sich in Hin- und Rückspiel. Nach einem 1:1 im Hinspiel gewann SV Horn das Rückspiel mit 2:1. Austria Wien gewann zwischen 2003 und 2009 fünf von sechs Finalteilnahmen, wobei die Austragung 2007/08 in der ÖFB-Statistik nicht als regulärer Austria-Cup gezählt wird.
2010 gewann Sturm Graz erstmals seit 1999, 2011 holte der SV Ried seinen zweiten Titel. Red Bull Salzburg gewann 2012 erstmals den Cup und siegte von 2014 bis 2022 insgesamt achtmal; nur Sturm Graz unterbrach diese Serie 2018. Sturm gewann anschließend 2023 und 2024 erneut, der Wolfsberger AC holte 2024/25 seinen ersten Cup. Linzer ASK gewann 2025/26 seinen zweiten Titel.
Rekordsieger ist FK Austria Wien mit 27 Titeln, gefolgt von SK Rapid Wien mit 14 und FC Red Bull Salzburg mit neun. FC Wacker Innsbruck und SK Sturm Graz stehen bei sieben, FC Admira Wacker Mödling bei sechs. Grazer AK und First Vienna FC haben je vier Titel, Wiener AC drei, Linzer ASK und SV Ried je zwei. Je einmal triumphierten Wolfsberger AC, FC Pasching, FC Kärnten, SV Stockerau, Kremser SC, Wiener Sport-Club und Wiener AF. Insgesamt gewannen 19 verschiedene Vereine den ÖFB-Cup.
Austria Wien holte zehn Doubles, Red Bull Salzburg neun, Rapid sechs, Sturm Graz zwei sowie GAK und Linzer ASK jeweils eines. Austria gewann von 1924 bis 1926 dreimal in Folge, Rapid von 1983 bis 1985. Salzburg siegte viermal hintereinander von 2014 bis 2017 und erneut von 2019 bis 2022. Der Wiener Sport-Club gewann zwar 1923, verlor danach aber sieben weitere Endspiele. Die Wiener Admira brachte es auf fünf Siege in fünf Finalteilnahmen, während der Nachfolgeverein FC Admira Wacker alle sechs Finals verlor.
International führte der Weg des Cupsiegers von 1927 bis zum Teilnahmeverbot während der NS-Zeit in den Mitropapokal. Österreichische Vereine erreichten dort viermal das Finale und gewannen zweimal. 1931 trafen im Endspiel der österreichische Meister und Cupsieger aufeinander, Vienna gewann gegen den Meister. Ab 1960 ging es in den Europacup der Cupsieger; österreichische Vereine erreichten dort dreimal das Finale. Nach dessen Abschaffung 1999 folgte der UEFA-Cup, seit 2008/09 die UEFA Europa League.
Wenn der Cupsieger zugleich für den Meistercup beziehungsweise später die Champions League qualifiziert war, erhielt bis 2015 der unterlegene Cupfinalist den Europa-League-Platz. Das kam unter anderem 1963, 1964, 1966, 1967, 1969, 1974, 1976, 1981, 1984, 1987, 1988, 1990 und 1993 vor. Seit 2015 geht der Platz an den höchstplatzierten Bundesliga-Verein, der noch nicht für die Europa League qualifiziert ist.
Der Bewerb wird regulär über 2 × 45 Minuten gespielt. Bei Gleichstand folgen 2 × 15 Minuten Verlängerung, danach Elfmeterschießen. Vor 1971 gab es Wiederholungsspiele, meist mit getauschtem Heimrecht; Endspiele waren ausgenommen, dort konnte früher sogar ein Losentscheid entscheiden. Ein solcher Losentscheid kam unter anderem 1966/67 im Finale sowie 1965 im Viertelfinale und 1970 im Halbfinale zum Einsatz.
1974/75 wurden ab dem Viertelfinale Hin- und Rückspiele gespielt, ab 1975/76 grundsätzlich nur noch das Finale. Später kehrte auch das Endspiel zum Einzelspiel zurück. Bundesliga-Vereine steigen direkt in die erste Hauptrunde ein, UEFA-Teilnehmer erst in der dritten Runde. Mannschaften der Landesverbände spielen zunächst regionale Vorrunden. In den ersten beiden Runden werden Amateurvereinen bevorzugt Profimannschaften zugelost, die Amateure haben Heimrecht. Ab dem Achtelfinale gibt es nur noch einen Lostopf, die Bevorzugung beim Heimrecht bleibt bestehen.
Das Finale ist die sechste Hauptrunde und wird zwischen den Halbfinalsiegern an einem neutralen Ort ausgetragen. Wien war bisher 48-mal Finalort, insgesamt wurden sechs Wiener Stadien genutzt. Weitere Endspiele fanden viermal in Klagenfurt, zweimal in Graz sowie je einmal in Maria Enzersdorf, Wals-Siezenheim und Mattersburg statt. In den Jahren 1965, 1967, 1972 bis 1984 sowie 1987 bis 1989 wurde das Finale als Hin- und Rückspiel ausgetragen.
Seit 1989 trägt der Cup den Namen seines Hauptsponsors. Auf Memphis, Bull, Snickers, Magnofit, Stiegl und Samsung – Samsung war von 2011 bis 2017 Namensgeber – folgte ab der Saison 2017/18 Uniqa. Die heutige Trophäe entstand zum 100-jährigen Bestehen des Wettbewerbs und wird seit 2019 verwendet: 38 Bauteile, Metall, Stein, Glas und Holz, neun beteiligte Produzenten und Handwerksbetriebe, 70 Zentimeter Höhe, 43 Zentimeter Durchmesser und zwölf Kilogramm Gewicht. Walnussholz und der burgenländische Naturstein Pannonia Grün gehören dazu. Der Wanderpokal bleibt dem Siegerverein vier Wochen zur Präsentation, eine Erinnerungsplakette bleibt beim Klub.
Die erste Trophäe von 1919 war ein großer, kunstvoll gearbeiteter Silberpokal, genannt „Häferl“, den 1925 erstmals der Bundespräsident überreichte. 1986 wurde er durch einen mehr als 60 Zentimeter hohen und 17 Kilogramm schweren Goldpokal ersetzt. Von 2004 bis 2008 kam ein von Silvio Gazzaniga entworfener Pokal zum Einsatz, ab 2009 eine 70 Zentimeter hohe und 16,45 Kilogramm schwere Version. Bei Finalspielen erhalten die Spieler beider Mannschaften Medaillen, laut Durchführungsbestimmungen stehen jedem Verein 50 Sieger- oder Finalistenmedaillen zu. Seit 1919 werden sie in weitgehend unveränderter Form vergeben, bis etwa 2018 von der Mailänder Manufaktur GDE Bertoni, seit etwa 2019 von kerschbaumer trophies & more in einem neuen Design.
Und noch eine Verbindung reicht über den Männerfußball hinaus: Der ÖFB-Cup gilt als Vorbild für den ÖFB-Ladies-Cup, dessen erster Sieger 1973 ermittelt wurde. Im Tivoli blieb am 28. Oktober 2026 davon nur der dumpfe Klang des Lattenschusses in der Luft – und die WSG Tirol, die nach diesem langen Tiroler Abend im Achtelfinale weiter ist.
