40 Jahre Ehrenamt beim Roten Kreuz: Liane Barilits bleibt, wenn andere Hilfe brauchen
Seit 40 Jahren engagiert sich Liane Barilits aus Pöttsching ehrenamtlich beim Roten Kreuz. Die 59-Jährige kam über Verwandte, Bekannte und einen Erste-Hilfe-Kurs zu dieser Aufgabe. Der Wunsch, anderen Menschen zu helfen und sich sozial einzubringen, gab den Ausschlag.
An ihren ersten Dienst erinnert sie sich gut, über die damaligen Umstände möchte sie allerdings keine Einzelheiten nennen. Seither hat sie viele Seiten der Rotkreuz-Arbeit kennengelernt: Barilits war Rettungssanitäterin und Mitarbeiterin im Journaldienst, Ortsstellenleiterin in Pöttsching sowie in der Krisenintervention, Hospizbetreuung und Sozialbegleitung tätig. Auch weiterhin arbeitet sie bei einer Ortsstelle mit und ist stellvertretende Bezirksfreiwilligenkoordinatorin. Wie viele ehrenamtliche Stunden dabei zusammengekommen sind, kann sie längst nicht mehr genau beziffern.
Vom Rettungsdienst bis zur Krisenbegleitung
Verändert habe sich der Rettungsdienst in den vergangenen Jahrzehnten deutlich, erzählt Barilits. Für Rettungssanitäter gelten heute höhere Ausbildungs- und Qualitätsstandards, dazu kommen zusätzliche Kompetenzen. Die Einsatzfahrzeuge sind moderner und komplexer ausgestattet. Kriseninterventionsteams unterstützen Patientinnen und Patienten ebenso wie Angehörige, außerdem gibt es mehr Freiwillige in unterschiedlichen Leistungsbereichen und das Freiwillige Soziale Jahr.
Leicht sind nicht alle Einsätze. Besonders nahegehen Barilits Situationen mit Babys und Kindern sowie schwere Schicksalsschläge. Im Team werden belastende Erlebnisse besprochen; zusätzlich können sich Mitarbeitende an sogenannte Peers wenden, die psychologische Unterstützung anbieten. Und dann gibt es diese anderen Momente: Wenn ehemalige Patientinnen oder Patienten sie wiedererkennen und sich für frühere Hilfe bedanken, zählt das für Barilits zu den schönsten Erfahrungen.
Über die Jahre sind im Roten Kreuz tiefe Freundschaften und langfristige Vertrautheiten entstanden. Im Mittelpunkt steht für sie der Mensch. Ihre sozialen Kompetenzen möchte sie weiter einsetzen, sich entwickeln und auch in Krisensituationen menschlich bleiben. Das klingt einfach, ist es aber nicht immer.
Zwischen Dienstplan und Familienleben
Ehrenamt, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen, gelingt ihrer Einschätzung nach mit gutem Zeitmanagement und familiärem Verständnis. Angehörige mussten gelegentlich auf sie verzichten, wenn sie ehrenamtlich im Einsatz war. Gerade die Vereinbarkeit mit beruflichen Verpflichtungen gehöre zu den größten Herausforderungen.
Freiwillige beim Roten Kreuz investieren einen großen Teil ihrer Freizeit in soziale Dienste und arbeiten in unterschiedlichen Bereichen. Mehr als 37.000 freiwillige Sanitäterinnen und Sanitäter des Österreichischen Roten Kreuzes engagieren sich im Rettungsdienst und tragen ein flächendeckendes Versorgungsnetz in Österreich mit. Auf dem Programm stehen Krankentransporte, Notfalleinsätze – etwa nach Unfällen – sowie die Betreuung und Versorgung von Menschen. Jeder Dienst, jede Fahrt kann anders verlaufen.
Barilits würde sich wieder für denselben Weg entscheiden. Ihr Leitgedanke ist der Rot-Kreuz-Spruch „Aus Liebe zum Menschen“. Sie wünscht sich, dass gegenseitiges Helfen weiterhin gefördert wird. Für ihre 40-jährige Tätigkeit steht eine Ehrung des Landes Burgenland bevor. Ihr Jubiläum verbindet sie mit dem Vorsatz, weiterhin „anzupacken und weiterzumachen“. Aufhören will sie derzeit nicht. Kürzlich übernahm sie sogar die Patenschaft für ein neues Einsatzfahrzeug des Roten Kreuzes.
Viele Wege, sich einzubringen
Junge Menschen können je nach ihren Interessen in verschiedenen Bereichen des Roten Kreuzes mitarbeiten. Für ein freiwilliges Engagement im Rettungsdienst gilt grundsätzlich ein Mindestalter von 17 Jahren, in Vorarlberg sind es 18 Jahre. Nötig sind außerdem gesundheitliche Eignung, die Bereitschaft, regelmäßig Dienste zu übernehmen, und die Bereitschaft zur Ausbildung.
Diese Ausbildung führt zur staatlich anerkannten Qualifikation als Rettungssanitäterin beziehungsweise Rettungssanitäter. Dazu kommen zahlreiche Aus- und Weiterbildungen, praktische Erfahrungen im Rettungsdienst, Kontakte innerhalb des Roten Kreuzes sowie Rückmeldungen und Dank von Patientinnen und Patienten. Die Tätigkeit vermittelt damit auch eine Berufsqualifikation und Einblicke, die später beruflich nützlich sein können.
Eine weitere Möglichkeit ist das Freiwillige Soziale Jahr. Es dauert je nach Vereinbarung neun bis zwölf Monate und ersetzt den Zivildienst. Enthalten sind Pensions-, Unfall- und Krankenversicherung, etwa 500 Euro netto Taschengeld sowie das Klimaticket. Bei entsprechender Berechtigung kann die Familienbeihilfe weiterbezogen werden. Angeboten werden außerdem die Ausbildung zu Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitätern sowie Zertifikate und Praxisnachweise für spätere Bewerbungen.
Barilits hält Mundpropaganda und Berichte über erfolgreiche Veranstaltungen für gute Wege, weitere Menschen für ein Ehrenamt zu gewinnen. Besonders junge Leute ruft sie auf, sich beim Roten Kreuz zu engagieren. Entscheidend seien Zusammenhalt, gemeinsame Absprachen und eine klare Aufgabenverteilung im Team.
Österreichweit helfen ehrenamtliche Sanitäterinnen und Sanitäter Menschen in Not – unabhängig von den Umständen. Die Einsätze unterscheiden sich, der Kontakt mit Menschen bleibt. Für Barilits ist genau das der Kern ihrer Arbeit: nicht wegschauen, sondern da sein, wenn es darauf ankommt. Auch wenn der Pager wieder einmal losgeht, während zu Hause gerade alles andere wartet.
