Bagger, Smoothies, Zukunft: Die „Future Factory“ macht Berufsorientierung im Burgenland praktisch begreifbar
Jennersdorf – In der „Future Factory“ der Wirtschaftskammer Burgenland wird Berufsorientierung nicht nur erklärt, sondern ausprobiert. Jugendliche sitzen am Bagger, mixen Smoothies oder testen andere Tätigkeiten mit den eigenen Händen. Für Schülerinnen und Schüler der 7. Schulstufe sowie für Erstklässler wird damit ein praxisnaher Blick auf mögliche Bildungs- und Berufswege möglich.
Wie groß das Interesse ist, zeigte sich im Frühjahr: 1.600 Schülerinnen und Schüler nahmen teil, die Nachfrage bleibt hoch. Deshalb wurde die Kapazität von bisher 30 auf bis zu 45 Teilnehmende pro Tag erhöht. Zusätzlich können 13- bis 17-Jährige die Einrichtung auch außerhalb des schulischen Umfelds bei Privatbesuchen kennenlernen.
Fünf Themenwelten zum Ausprobieren
Das BG/BRG/BORG Oberschützen war kürzlich mit den Klassen 3a, 3b, 3c und 3s zu Gast. Die Jugendlichen erkundeten fünf Themenwelten mit rund 50 interaktiven Stationen. Auf dem Programm standen unter anderem Baumbestimmung, eine Elektrowand und das Binden einer Krawatte.
Eröffnet wurde die „Future Factory“ von der Wirtschaftskammer Burgenland. Auf rund 500 Quadratmetern entstanden die fünf Themenwelten innerhalb von etwa eineinhalb Jahren. Abgebildet werden Tätigkeitsfelder aus Technik, Handwerk, Green Jobs, Medien, Dienstleistungen und Office. Virtuelles Schweißen, Baggerfahren, Tätowieren, Smoothie-Mixen und Fotografieren gehören ebenfalls dazu.
Die Stationen werden in Kleingruppen erkundet, begleitet von Guides. Für Klassen der 7. Schulstufe ist ein rund fünfstündiger Gesamtparcours vorgesehen. Vorschulkinder und Kinder der 1. Volksschulklasse erhalten ein altersgerechtes Programm von bis zu zwei Stunden. Zum Abschluss bekommen die Jugendlichen ein Teilnahmezertifikat und ein individuell erstelltes Interessenprofil.
Kostenlos, mit Bus und Zertifikat
Die Teilnahme ist kostenlos. Schulen können bei Bedarf über Partnerbusunternehmen außerdem kostenlose Transportmöglichkeiten nutzen. Das Projektbudget beträgt 1,2 Millionen Euro. Die Wirtschaftskammer verbindet mit dem Angebot zwei zentrale Ziele: Jugendlichen bei der Berufsorientierung zu helfen und angesichts des Fachkräftemangels Nachwuchs zu gewinnen.
Informationen und Buchungsmöglichkeiten gibt es unter www.future-factory.at/. Dort sind auch Anmeldungen möglich.
Orientierung braucht mehr als einen Nachmittag
Was in der „Future Factory“ spielerisch beginnt, gehört auch außerhalb der Stationen zur Berufsorientierung: Jugendliche sollen eigene Fähigkeiten, Stärken und Begabungen erkennen und benennen. Ebenso wichtig ist es, Interessen, Wünsche, Erwartungen und Ziele für die künftige Lebens- und Arbeitswelt zu formulieren.
Hilfreich sind dabei Menschen aus dem eigenen Umfeld – etwa Eltern oder Freunde –, aber auch schulische Beratung und regionale Anlaufstellen für Bildung und Beruf. Wer sich orientiert, kann Berufsfelder kennenlernen, Berufsbilder ausprobieren, Ausbildungsmöglichkeiten und regionale Betriebe recherchieren und diese Betriebe schließlich selbst erkunden.
Dazu kommt die eher nüchterne, aber entscheidende Frage: Welche Fähigkeiten und persönlichen Eigenschaften braucht es für das angestrebte Ziel? Eigene Erwartungen und Fähigkeiten lassen sich abgleichen, Entscheidungen überprüfen und Handlungsmöglichkeiten weiterentwickeln. Manchmal führt der erste Versuch am Bagger eben nicht zum Traumberuf – und genau das ist auch eine brauchbare Erkenntnis.
