Österreichs Kirche verliert Mitglieder, gewinnt aber neue Rückkehrer
In Kirchdorf richtet sich der Blick zu Allerheiligen auf die stillen Fragen: Was bleibt? Worauf lässt sich vertrauen, wenn der Verstand keine eindeutige Antwort mehr liefert? Im Vorjahr traten in Steyr, Steyr-Land und Kirchdorf insgesamt 81 Menschen neu in die katholische Kirche ein oder kehrten zu ihr zurück.
Der Anlass des Berichts sind die Beweggründe dieser Menschen. Allerheiligen spricht dabei nicht nur überzeugte Kirchengeher an, sondern mitunter auch jene, die der katholischen Kirche bereits den Rücken gekehrt hatten. Viele beschäftigen sich an diesem Tag besonders mit Fragen jenseits des rational Beweisbaren. Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard brachte es auf den Satz: „Der Glaube beginnt dort, wo das Denken aufhört.“
Mehr Aufnahmen, weniger Austritte
Bundesweit veröffentlichte die Österreichische Bischofskonferenz am 17. September 2025 die Kirchenstatistik für 2024. Zum 31. Dezember 2024 gehörten 4.557.471 Menschen der katholischen Kirche an, 2023 waren es 4.638.842. 71.531 Personen traten 2024 aus; 2023 waren es 85.163, 2022 90.975 und 2021 72.222.
Gleichzeitig wurden 5.154 Menschen wieder oder neu aufgenommen. Das waren 2023 4.575, 2022 4.771, 2021 4.520 und 2020 4.068. Zusätzlich ließen sich 255 Erwachsene ab 14 Jahren taufen, nach 208 im Jahr 2023, 226 im Jahr 2022, 287 im Jahr 2021 und 417 im Jahr 2020. 453 Personen widerriefen ihren zuvor erklärten Kirchenaustritt innerhalb der vorgesehenen Dreimonatsfrist; 2023 waren es 579, 2022 634, 2021 552 und 2020 461.
Die Zahl der Katholikinnen und Katholiken hängt allerdings nicht nur von Ein- und Austritten ab. Auch Taufen und Sterbefälle sowie Zu- und Wegzüge spielen hinein. 2024 wurden 36.705 Kinder getauft, 7.537 Paare heirateten kirchlich, und es gab 47.353 kirchliche Begräbnisse. Die Vergleichswerte: 2023 waren es 39.488 Taufen, 8.228 Trauungen und 50.900 Begräbnisse; 2022 45.706, 9.503 und 54.525; 2021 45.541, 6.674 und 54.358. Für 2020 weist die Statistik 54.621 kirchliche Begräbnisse aus. In Österreich starben 2024 laut Statistik Austria rund 88.500 Menschen.
Sonntags wieder mehr Menschen in der Kirche
In den Kirchen wurden 2024 mehr Gottesdienstbesucher gezählt: Am ersten Zählsonntag waren es 366.210, am zweiten 378.797. 2023 lagen die Werte bei 321.821 beziehungsweise 347.891, 2022 bei 309.000 beziehungsweise 366.000. Besonders in der Diözese St. Pölten und der Erzdiözese Wien nahmen die Zahlen zu.
Wer nicht in der Bank saß, konnte den Gottesdienst über Radio, Fernsehen oder Internet mitfeiern. Sonntags waren daran regelmäßig rund 800.000 bis mehr als eine Million Menschen beteiligt. Auch bei den Sakramenten gibt es Bewegung: 45.685 Erstkommunionen wurden gefeiert, nach 45.132 im Jahr 2023, 46.728 im Jahr 2022 und 51.221 im Jahr 2021. 39.677 Firmungen gab es 2024; die Vergleichszahlen lauten 38.122, 41.204 und 45.537, für 2020 26.625.
In Österreich wirkten 2024 insgesamt 3.269 Priester, darunter 1.619 Diözesanpriester, 457 ausländische Priester und 1.193 Ordenspriester. Weitere 145 österreichische Diözesanpriester arbeiteten im Ausland. 2023 waren es 3.320 Priester, 2022 3.403, 2021 3.425 und 2020 3.548.
Die Zahl der Ständigen Diakone stieg auf 763, nach 753 im Jahr 2023. 333 Ordensbrüder gab es 2024, gegenüber 340 im Vorjahr. Ordensmänner insgesamt wurden 1.526 gezählt, 2023 waren es 1.555; bei den Ordensfrauen sank die Zahl von 2.721 auf 2.591. Wegen grenzüberschreitender Ordensprovinzen lässt sich die Statistik zu Ordensangehörigen einzelnen Ländern allerdings nur eingeschränkt zuordnen.
Viele Aufgaben, viele helfende Hände
1.463 hauptamtliche Laien arbeiteten 2024 im pastoralen Dienst, 2023 waren es 1.409. Darunter waren 909 Frauen und 554 Männer. Ihre Tätigkeitsfelder reichen von Pastoralassistenz über Gemeindeleitung bis zur Krankenhausseelsorge.
| Diözese | Frauen | Männer |
|---|---|---|
| Eisenstadt | 18 | 16 |
| Feldkirch | 42 | 27 |
| Graz-Seckau | 130 | 62 |
| Gurk | 58 | 30 |
| Innsbruck | 136 | 58 |
| Linz | 267 | 129 |
| Salzburg | 78 | 88 |
| St. Pölten | 63 | 46 |
| Wien | 117 | 98 |
Auch ohne Bezahlung wird viel getragen. 12.061 Ehrenamtliche begleiteten die Vorbereitung auf die Erstkommunion, nach 11.767 im Jahr 2023. Bei der Firmvorbereitung halfen 6.934 Ehrenamtliche, 2023 waren es 6.840. Es gab 4.167 Pfarren und sonstige kirchliche Seelsorgestellen; 2023 waren es 4.184, 2022 noch 4.286.
Die Diözesen im Vergleich
| Diözese | Katholiken 2024 | Austritte | Neu- und Wiedereintritte | Widerrufe |
|---|---|---|---|---|
| Erzdiözese Wien | 1.039.055 | 17.797 | 1.076 | 42 |
| Diözese Linz | 868.650 | 12.713 | 1.030 | 94 |
| Diözese Graz-Seckau | 726.832 | 11.881 | 1.150 | 120 |
| Diözese St. Pölten | 441.330 | 6.681 | 407 | 26 |
| Erzdiözese Salzburg | 423.599 | 6.926 | 477 | 64 |
| Diözese Gurk | 325.461 | 4.561 | 440 | 35 |
| Diözese Innsbruck | 346.763 | 5.266 | 332 | 39 |
| Diözese Feldkirch | 207.933 | 3.856 | 139 | 17 |
| Diözese Eisenstadt | 177.848 | 1.850 | 103 | 16 |
Zum Vergleich mit 2023: Die Erzdiözese Wien zählte damals 1.061.349 Katholikinnen und Katholiken, 21.894 Austritte, 965 Neu- und Wiedereintritte sowie 123 Widerrufe. In Linz waren es 882.465 Katholiken, 15.155 Austritte, 783 Neu- und Wiedereintritte und 110 Widerrufe. Graz-Seckau kam auf 739.024 Katholiken, 13.419 Austritte, 1.182 Neu- und Wiedereintritte und 117 Widerrufe.
St. Pölten meldete 448.735 Katholiken, 8.763 Austritte, 308 Neu- und Wiedereintritte und 28 Widerrufe. Salzburg hatte 430.108 Katholiken, 7.893 Austritte, 402 Neu- und Wiedereintritte und 65 Widerrufe. Gurk kam auf 331.594 Katholiken, 5.408 Austritte, 339 Neu- und Wiedereintritte und 43 Widerrufe.
Innsbruck zählte 352.691 Katholiken, 6.034 Austritte, 355 Eintritte und 47 Widerrufe. Feldkirch wies 212.496 Katholiken, 4.439 Austritte, 137 Neu- und Wiedereintritte und 32 Widerrufe aus. Eisenstadt kam auf 180.380 Katholiken, 2.158 Austritte, 104 Neu- und Wiedereintritte und 21 Widerrufe.
2025: Der Rückgang geht weiter
Die Österreichische Bischofskonferenz veröffentlichte am Mittwoch die Kirchenstatistik, Finanzkennzahlen und Leistungsbilanz für 2025. Zum 31. Dezember 2025 gab es 4.488.101 Katholikinnen und Katholiken, nach 4.557.471 im Jahr 2024. Die Austritte sanken auf 66.930, gegenüber 71.531 im Jahr davor.
5.449 Menschen wurden 2025 wieder oder neu aufgenommen, nach 5.154 im Jahr 2024. 359 Erwachsene ab 14 Jahren ließen sich taufen, 2024 waren es 255. 447 Personen widerriefen ihren zuvor erklärten Kirchenaustritt innerhalb der vorgesehenen Frist; im Jahr davor waren es 453. Für die Entwicklung der Katholikenzahl bleiben neben Ein- und Austritten auch Taufen und Sterbefälle sowie Zu- und Wegzüge maßgeblich.
Die Gottesdienstbesucherzahlen blieben 2025 stabil. Auch das ehrenamtliche Engagement blieb stabil beziehungsweise nahm leicht zu. Die Zahl der hauptamtlichen Beschäftigten lag bei 1.398 und stieg leicht. Rückläufig waren dagegen die Taufen mit 35.259, die Trauungen mit 6.678, die Erstkommunionen mit 42.322 und die Firmungen mit 38.955. Ebenso sank die Zahl der Priester auf 3.171 und jene der Ordensleute auf 3.898.
Beim Geld zeigt sich ein anderes Bild: Der Kirchenbeitrag brachte 2025 Einnahmen von 552,2 Millionen Euro und machte 71,2 Prozent der gesamten Einnahmen aus. 2024 waren es 539,4 Millionen Euro. Staatliche Leistungen zur Abgeltung von NS-Schäden betrugen rund 67,2 Millionen Euro beziehungsweise 8,7 Prozent der Einnahmen. Weitere 155,8 Millionen Euro, also 20,1 Prozent, stammten aus Vermögensverwaltung, Vermietungen, Leistungen, Subventionen und sonstigen Erträgen.
Die diözesanen Gesamtausgaben umfassten laut Gebarungsübersicht 474,8 Millionen Euro an Personalkosten, das waren 60,1 Prozent. Im diözesanen Dienst standen 8.410 Priester und Laien. Der Personalaufwand für Laienangestellte lag über jenem für den Klerus. Nach thematischer Ausgabenstruktur entfielen 492,6 Millionen Euro beziehungsweise 62,4 Prozent auf Pfarren und Seelsorge, knapp 147 Millionen Euro beziehungsweise 18,6 Prozent auf Leitungs- und Organisationsaufgaben, 120,2 Millionen Euro beziehungsweise 15,2 Prozent auf Bildung, Kunst und Kultur sowie 29,9 Millionen Euro beziehungsweise 3,8 Prozent auf soziale und karitative Aufgaben sowie Entwicklungshilfe.
Seit 2025 kann der Kirchenbeitrag in allen Diözesen teilweise bestimmten Bereichen oder Projekten gewidmet werden. Die Leistungsbilanz enthält Zahlen zu kirchlichen Leistungen in den Bereichen Gemeinschaft, Soziales, Bildung und Kultur. Die vollständige Kirchenstatistik, der Finanzbericht und die Leistungsbilanz sind unter www.katholisch.at/kirche-in-zahlen abrufbar. In Kirchdorf bleibt derweil die Frage im Raum, was Menschen am Ende tatsächlich zurückführt: eine Rechnung, eine Gewohnheit, ein Gespräch – oder doch etwas, das sich nicht ganz erklären lässt.
