Allerheiligen ist ein Gedenktag, an dem Erinnerungen im Mittelpunkt stehen. In Bad Traunstein im Waldviertel führt dieser Blick zum Kriegerdenkmal auf dem Platz vor der Kirche. Das Foto dazu stammt von Ing. Günter Kramarcsik.

Der Beitrag wurde am 1. November 2026 um 08:34 Uhr veröffentlicht. Ein stiller Anlass, und doch steckt in diesem Stein einiges an Geschichte.

Ein Felsblock vor der Kirche

Das Denkmal entstand 1968 aus einem etwa vier Meter hohen natürlichen Felsblock. In den fast halbrunden Stein ist eine kreuzförmige Darstellung des gekreuzigten Christus eingemeißelt. Rechts davon kniet eine große Frauenfigur vor einem Weihwasserbecken. Davor steht ein großer steinerner Sarg mit den Namen der gefallenen Soldaten.

Eine enge Verbindung zur Kirche hatte der langjährige Traunsteiner Pfarrer Josef Elter (8. Oktober 1926–28. Jänner 1997). In seinem Atelier nahe der Kirche arbeitete er an künstlerischen Projekten. Anfang der 1990er-Jahre renovierte Elter auch das Kriegerdenkmal.

Geweiht wurde die Anlage am 20. September 1970 bei einem Festgottesdienst. Mehr als 1.000 Menschen und zahlreiche Abordnungen des Kameradschaftsbundes nahmen daran teil. Heute sind außerdem Fotos aus der Topothek Bad Traunstein dokumentiert. Die Koordinaten des Denkmals lauten 48.435504, 15.113958.

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Wer erinnert wird – und wer nicht?

Rund 80 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus beschäftigen sich Pfarren und Gemeinden zunehmend mit der Rolle ihrer Kriegerdenkmäler. Im Raum stehen Fragen, die nicht einfach wegzuwischen sind: Wem wird auf welche Weise gedacht? Wer bleibt vom Gedenken ausgeschlossen? Wie kann zeitgemäß an die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnert werden? Und wie wird der Opfer des NS-Regimes aus der jeweiligen Pfarre oder Gemeinde gedacht?

Die Diözese Linz und das Maximilianhaus Puchheim widmeten sich diesen Fragen am 22. November 2024 bei der Tagung „Neue Perspektiven auf Kriegerdenkmäler: Geschichte, Transformation und Gedenkkultur“. Die Veranstaltung richtete sich an alle Interessierten, die sich mit den Fragen des Gedenkens befassen und an einer zukunftsorientierten Diskussion teilnehmen wollten.

Geschichte, neue Lesarten und Kunst

Der erste Teil der Tagung behandelte historische Grundlagen. Der Historiker und Theologe Andreas Schmoller vermittelte Orientierungswissen, unter anderem zum Krieg gegen die Sowjetunion. Zur Sprache kamen die Darstellung des Krieges in der NS-Propaganda und in Feldpostbriefen, die Traumata heimkehrender Soldaten sowie die Haltung der katholischen Kirche gegenüber den NS-Kriegen.

Im zweiten Abschnitt sprach der Historiker Clemens Gruber über Kriegerdenkmäler in Oberösterreich. Diskutiert wurden Veränderungen in der Bewertung dieser Erinnerungsstätten und die Frage, ob sie weiterhin prägende Orientierungspunkte für den Umgang mit der jüngeren Vergangenheit sind oder an Bedeutung verlieren. Projekte aus ausgewählten Gemeinden zeigten Themen, Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten.

Martina Gelsinger vom Fachbereich Kunst und Kultur der Diözese Linz stellte im dritten Teil künstlerische Konzepte zur Neudeutung von Kriegerdenkmälern vor. Die Künstler:innen Moritz Matschke, Hubert Lobnig, Rosa Andraschek und Simon Nagy präsentierten Projekte und Entwürfe, die gemeinsam mit Pfarren und Gemeinden vor der Umsetzung stehen. Sie erklärten ihre Arbeitsweisen und die Schwierigkeiten von Kontextualisierung und Transformation. Gestalterische Eingriffe sollen neue Sichtweisen auf bestehende Denkmäler eröffnen und Gespräche anstoßen. Kunst wird dabei als „Sprache der Erinnerung“ verstanden.

Beiträge und Erfahrungsberichte aus dem Publikum sowie die Ergebnisse der Podiumsdiskussion wurden thematisch zusammengefasst und in einer Publikation veröffentlicht. Ergänzend wurden ältere theologische Beiträge von Bischof Manfred Scheuer und Gottfried Bachl sowie ein Beitrag der Historikerin Claudia Kuretsidis-Haider erneut abgedruckt. Laut den Herausgebern sind diese Texte weiterhin aktuell und regen zu einer gegenwartsbezogenen Auseinandersetzung mit Kriegerdenkmälern an.

Die Publikation macht Inhalte, Diskussionen und Erfahrungen aus der Projektentwicklung auch über die Tagung hinaus zugänglich und soll zur Vermittlungs- und Bildungsarbeit der Diözese Linz beitragen. Verantwortlich für Projektleitung und Redaktion sowie an der Herausgabe beteiligt sind Martina Gelsinger, Eva Bauernfeind-Schimek, Andreas Schmoller und Willi Seufer-Wasserthal.