Im Ratscher Landhaus ist über Pflegekinder gesprochen worden – und über jene Familien, die ihnen im Alltag Halt geben. Altlandeshauptfrau Waltraud Klasnic kennt dieses Thema nicht nur aus politischen Debatten: Sie wuchs selbst als Pflegekind auf. Der Rotary Club Steierska-Štajermark setzt sich mit der Initiative „Tasting Rotary to support children“ für Pflegekinder in der Steiermark und in Slowenien ein.

Ein sichtbares Zeichen dafür war eine 15-Liter-Weinflasche. Wolfgang Klemencic, ehemaliger Bezirkshauptmannstellvertreter und Leiter des Sozialreferats der BH Leibnitz, kaufte sie zugunsten des Pflegekindes Vesna und ihrer Pflegefamilie. Der Kaufpreis von 1.910 Euro kommt zur Gänze Vesna und ihrer Familie zugute. Im Rahmen des Projekts stellen rotarische Weinbauern jedes Jahr eine solche Flasche bereit; der Verkaufserlös wird jeweils einem Pflegekind gespendet.

Pflegeplätze dort, wo sie gebraucht werden

Affido, eine private Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe, begleitet Kinder und Jugendliche in Pflege- und Adoptivfamilien, in Wohngemeinschaften sowie Familien, die gerade durch schwierige Zeiten gehen. Im Bezirk Deutschlandsberg leben derzeit 34 Pflegekinder aus der gesamten Steiermark in 25 Pflegefamilien. 22 dieser Kinder stammen aus dem Bezirk Deutschlandsberg, aber nur fünf leben auch dort. Die übrigen sind in anderen Teilen der Steiermark untergebracht.

Im Bezirk Leibnitz gibt es 102 Pflegekinder in 73 Pflegefamilien. Von den 78 Pflegekindern aus dem Bezirk Leibnitz leben mindestens 42 in Pflegefamilien ihres Heimatbezirks. Das klingt zunächst nach einer einfachen Rechnung, ist es in der Praxis aber nicht. Laut Affido-Geschäftsführerin Ulrike Reimerth muss eine Pflegefamilie möglichst gut zu den individuellen Bedürfnissen des Kindes und zu den Möglichkeiten der Familie passen.

Die Nähe zum Herkunftsort kann helfen, soziale Kontakte zu erhalten – zu Freundinnen und Freunden, zum Kindergarten oder zur Schule. Entscheidend bleibt aber die Lebenssituation der Pflegefamilie, unabhängig davon, aus welcher Region sie kommt. Sie muss mit den Bedürfnissen des Kindes übereinstimmen. Deshalb werden Pflegekinder auch außerhalb ihres Heimatbezirks untergebracht, selbst wenn es dort Pflegefamilien gibt.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

In der gesamten Steiermark und in Slowenien leben jeweils rund 800 Pflegekinder. Verteilt sind sie auf etwa 500 Pflegefamilien. Der Bedarf an Pflegefamilien steigt stark. Genau hier will das Rotary-Projekt ansetzen: Das Thema soll in der Öffentlichkeit stärker präsent sein und junge Familien dazu bringen, über die Aufnahme eines Pflegekindes nachzudenken. Ausgangspunkt war die Zusammenarbeit österreichischer und slowenischer rotarischer Weinbau- und Weinfachleute – mit einer Flasche Wein, die diesmal mehr bewirkt als bloß einen guten Abend.

Was die Kinder- und Jugendhilfe erfasst

Zentrale Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe ist die Sicherung des Wohls von Kindern und Jugendlichen. Die Statistik Austria erstellt die KJH-Statistik auf Grundlage jährlicher tabellarischer Meldungen der Bundesländer. Rechtliche Basis für die jährliche Erhebung und Veröffentlichung ist das Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz 2013.

Der Statistikauftrag nach § 15 umfasst soziale Dienste, Unterstützung der Erziehung, volle Erziehung, Gefährdungsabklärungen, Hilfen für junge Erwachsene, inländische und grenzüberschreitende Adoptionen sowie Rechtsvertretungen. Erfasst wird, wie oft diese Leistungen in Anspruch genommen werden – teils nach der Zahl der Leistungsbeziehenden, aufgeschlüsselt nach Alter und Geschlecht, teils nach der Zahl der Leistungen. Auch der finanzielle Aufwand der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe, einschließlich Ausgaben und Einnahmen, wird dokumentiert.

Österreichweite Zahlen aus 2025

Seit 2015 gibt es eine österreichweite Kinder- und Jugendhilfestatistik. Sie ersetzt die früheren Kinder- und Jugendhilfeberichte. Das gemeinsam mit Statistik Austria und den Bundesländern entwickelte Erhebungsprogramm bildet mehr Leistungen und Details ab, darunter Gefährdungsabklärungen sowie Einnahmen und Ausgaben.

Anders als bei einer Erhebung zu einem einzigen Stichtag werden die Daten im gesamten Referenzzeitraum des Berichtsjahres gesammelt. Dadurch finden auch bereits abgeschlossene Leistungen Eingang in die Statistik. Für 2025 weist die Auswertung 42.645 Kinder und Jugendliche aus, die Unterstützung der Erziehung erhielten. 13.029 Kinder und Jugendliche wurden im Rahmen der vollen Erziehung betreut, 4.249 junge Erwachsene zwischen 18 und 21 Jahren erhielten Hilfen für junge Erwachsene.

Der Anteil an der gleichaltrigen Bevölkerung lag bei 0,83 Prozent für die volle Erziehung und bei 2,71 Prozent für die Unterstützung der Erziehung. Zwischen den Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede: Bei der vollen Erziehung reicht die Bandbreite von 0,56 Prozent in Oberösterreich bis 1,19 Prozent in Wien. Bei der Unterstützung der Erziehung reicht sie von 1,67 Prozent in Oberösterreich bis 4,63 Prozent in Kärnten.

Von den Minderjährigen in voller Erziehung wurden 61 Prozent in sozialpädagogischen Einrichtungen betreut, 39 Prozent lebten in Pflegefamilien. 54.901 Gefährdungsabklärungen zur Prüfung möglicher Kindeswohlgefährdungen wurden eingeleitet. Außerdem wurden 77.370 Erziehungshilfen zuerkannt: 92,4 Prozent aufgrund einer Vereinbarung, 7,6 Prozent aufgrund einer gerichtlichen Verfügung.

Für Unterstützung der Erziehung, volle Erziehung und Hilfen für junge Erwachsene wurden 1.181,8 Millionen Euro ausgegeben. Die Einnahmen aus Kostenersätzen betrugen 62,8 Millionen Euro, die Nettoausgaben lagen bei 1.118,9 Millionen Euro. 69 Kinder erhielten Unterstützung durch Mitwirkung bei Adoptionen, für 74.363 Kinder und Jugendliche wurden Rechtsvertretungen übernommen.

Im Vergleich zu 2024 ging die Unterstützung der Erziehung um 5,9 Prozent zurück, die volle Erziehung um 0,2 Prozent. Die Gefährdungsabklärungen stiegen hingegen um 3,3 Prozent; den stärksten Anstieg verzeichnete Salzburg. Seit 2020 nahm ihre Zahl um 49,4 Prozent zu. Der Nettoaufwand erhöhte sich um 111,4 Millionen Euro beziehungsweise 11,1 Prozent – bei einer Inflation von 3,6 Prozent.

Hinter den Tabellen bleiben Namen wie Vesna, ihre Pflegefamilie und all jene Kinder, für die eine passende Familie gesucht wird. In Leibnitz, Deutschlandsberg, der übrigen Steiermark und Slowenien entscheidet sich Pflege nicht nach einem fixen Raster. Manchmal liegt der richtige Platz näher am bisherigen Zuhause, manchmal ein gutes Stück entfernt. Und manchmal beginnt Unterstützung mit einer großen Weinflasche.