Krampusfieber im Bezirk Leoben: Zwischen Kinderläufen und alten Ritualen
Im Bezirk Leoben wird es ab Mitte November wieder laut, rußig und ziemlich gehörig: Zahlreiche Krampusläufe und Kinderveranstaltungen bringen Nikolaus, Teufel und Masken auf Sportplätze, Marktplätze und vor Vereinsheime. Heute, am 1. November 2026, steht der Veranstaltungskalender bereits dicht gedrängt da.
Den Auftakt macht am Freitag, 13. November, ab 18 Uhr die Proleber Gruam Teifl am Sportplatz in Proleb. Fünf Gastgruppen sind dabei. Wer den ersten Glockenschlag der Saison nicht verpassen will, sollte sich warm anziehen – und vielleicht ein bisserl Nerven mitbringen.
Von Schladnitz bis Eisenerz
Am Samstag, 21. November, laden die Massenburg Teifl ab 18 Uhr zu ihrem zehnten Krampuslauf ins Veranstaltungszentrum Schladnitz. Um 18 Uhr kommt der Nikolaus, um 18.30 Uhr beginnt der Lauf mit 30 Passen. Ebenfalls an diesem Tag findet im Kulturreferat Wald am Schoberpaß ein Adventmarkt mit Krampusrummel statt.
Beim Krampuskränzchen am Donnerstag, 27. November, ab 17 Uhr verbinden die Proleber Gruamteifl und der Country & Western Club Leoben Brauchtum mit einem guten Zweck. Schauplatz ist das Vereinsheim Country Eagle. Freiwillige Spenden gehen an den Kinder- und Jugendbereich des LKH Leoben.
Am Samstag, 28. November, ab 17 Uhr führt die Diablo Pass ihr traditionelles Krampusspiel am Bergmannplatz in Eisenerz auf.
Kinder stehen im Mittelpunkt
Der Dienstag, 1. Dezember, gehört gleich an mehreren Orten den jüngeren Besuchern. Die D’Stodlstoana und die Freiwillige Feuerwehr Leoben-Göss veranstalten ab 17.30 Uhr beim Rüsthaus in der Brauhausgasse ein kinderfreundliches Krampustreiben. Der Nikolaus verteilt Sackerl, außerdem gibt es eine eigene Rutenzone.
Fast zeitgleich, von 16 bis 18 Uhr, bieten die LE Kings in der Eishalle Leoben ein Krampus-Eislaufen an. Ein etwas anderer Untergrund für die teuflischen Gestalten – rutschig wird’s vermutlich ohnehin.
Am Donnerstag, 3. Dezember, veranstaltet der FC Kammern einen Kinderkrampus auf dem Sportplatz Kammern. Tags darauf, am Freitag, 4. Dezember, folgt das dritte Kraubather Krampuskränzchen der Kraubather Ruaßteifl: Um 16.30 Uhr beginnt der Kinderkrampus, um 18 Uhr kommt der Nikolaus, und um 18.30 Uhr startet der Hauptlauf mit 15 Gruppen.
Der Krampustag bringt mehrere Läufe
Samstag, 5. Dezember, ist Krampustag – der Vorabend des Nikolaustags am 6. Dezember. Ab 17.30 Uhr findet auf dem Heinz-Jungwirth-Platz der Kinderkrampus der Gemeinde St. Michael in Obersteiermark statt.
Ab 19 Uhr laufen gleichzeitig zwei große Veranstaltungen: der 27. Krampuslauf der Ehrenfelspass am Marktplatz in Kammern und der 34. Krampuslauf auf dem Hauptplatz in Mautern.
Am Montag, 7. Dezember, geht es weiter. Die Stefaner Bergwerksteufeln veranstalten ab 17 Uhr ihren achten Krampuslauf im Festwald St. Stefan ob Leoben. Gastgruppen aus ganz Österreich nehmen teil. Ab 17.30 Uhr findet außerdem der erste Michöla Krampuslauf auf dem Vorplatz des Volkshauses statt.
Zwischen Nikolausbrauch und Teufelsgestalten
Historisch sind vor dem Ende des 16. Jahrhunderts keine Quellen zum Krampusbrauch bekannt. Die Hintergrundvorstellung war drastisch: Der Teufel verschlingt die Seelen von Sündern, und während der harten Winterzeit galt das Böse als besonders stark. Entsprechend plastisch wurden die Gestalten dargestellt.
Der Einkehrbrauch entwickelte sich offenbar seit Mitte des 17. Jahrhunderts aus den Klosterschulen und dem Kinderbischofsfest. Nikolaus prüft und beschenkt die braven Kinder, begleitet von Schreckgestalten, Teufeln und Tiermasken wie der Habergeiß. Unartige Kinder werden vom Krampus bestraft.
Außerhalb der Gegenreformationsgebiete wurde der Krampus vom norddeutsch-protestantischen Knecht Ruprecht verdrängt. Im alemannisch-protestantischen Raum vermischten sich beide Gestalten vermutlich wegen eines gemeinsamen Ursprungs in einer italienischen Figur des 16. Jahrhunderts. Der Knecht Ruprecht tritt meist einzeln auf, Krampusse dagegen gewöhnlich in größeren Gruppen.
In der Gegenreformationszeit entstanden Stubenspiele, die bis heute in Bad Mitterndorf, Tauplitz und Pichl-Kainisch im Salzkammergut sowie im Salzburgerland und in Tirol bestehen. Seit damals entwickelten sich Krampuspassen parallel zum Perchtenlauf. Ursprünglich durften am Perchtenlauf nur wehrfähige, unverheiratete Männer des Dorfes teilnehmen; seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er wieder öffentlich veranstaltet.
Krampusumzüge gibt es weiterhin in vielen Orten des Ostalpenraums, im südlichen Bayern und in der Oberpfalz, in Österreich, Teilen Liechtensteins, Ungarn, Slowenien, der Slowakei, Tschechien sowie Teilen Italiens und Kroatiens. Als Krampusse Verkleidete ziehen mit lautem Glockenlärm durch die Straßen, erschrecken Passanten und verwenden lange Ruten. Beim Tiroler „Tuifltratzen“ beziehungsweise bairischen „Kramperltratzn“ versuchen Kinder, die Krampusse zu reizen, ohne erwischt oder geschlagen zu werden.
Regional schaut der Brauch freilich sehr verschieden aus. In Kärnten gibt es Schauläufe mit Feuerwerk, Fackeln und Feuerspuckern, in Salzburg werden häufig Ruten eingesetzt, um Zuschauer zu necken. In Osttirol gehört neben dem Umzug der Krampuswurf dazu: Ein Krampus tritt freiwillig gegen einen „Raufbold“ an, die Wurftechnik ähnelt jener des Ranggelns. Eigene Zonen und Absperrungen ermöglichen eine ungefährdete Beobachtung.
Beim jahrzehntelang praktizierten osttiroler Tischziehen halten freiwillige Männer hinter einem schweren Holztisch gegen anstürmende Krampusse. Diese versuchen, den Tisch umzuwerfen oder ihn vom Ausgangspunkt wegzuziehen. Jede Runde wird separat gewertet; die Männer wechseln meist nach einer Runde, während sich die Krampusse in Gruppen aufteilen.
Im Defereggental begleiten am 5. Dezember weitere Figuren Nikolaus und Krampus: Bajazzo, Lotter und Litterin als Bettler, ein Brautpaar mit Spielmann, Arzt, Polizist, Bürgermeister und Feuerwehrmann. Auch der Tod ist dabei – als Hinweis auf die Vergänglichkeit des Lebens.
Im südlichen Berchtesgadener Land unterscheidet man fellbekleidete „Kramperl“ von den beweglicheren „Gankerl“ oder „Ganggerl“. Letztere tragen Hosen ohne Fell und kleinere Glocken und begleiten besonders die mit Stroh eingebundenen „Buttnmandl“, die den Glöcklern der Perchten ähneln.
Passen, Ruten und alte Rituale
Im Gasteinertal sind jährlich am 5. und 6. Dezember 80 bis mehr als 100 Passen unterwegs. Eine Passe besteht aus Krampus, „Engerl“, „Buttnmandl“ als Kerblträger und Nikolaus. Die Passen unterscheiden sich durch die Farben ihrer Gewänder. Am 5. Dezember ziehen sie traditionell in den Ortszentren von Bad Gastein, Bad Hofgastein und Dorfgastein von Haus zu Haus, am 6. Dezember besuchen sie die ländlichen Gebiete.
Die Passen bitten um Einlass. Nikolaus, Engel und Körbelträger betreten die Stube, brave Personen werden belohnt, danach kommen die Krampusse hinzu und bestrafen die „Schlimmen“. Treffen sich zwei Passen, kreuzen die Nikoläuse ihre Bischofsstäbe, Engel und Körbelträger begrüßen sich, und die beiden Vorteufel rempeln sich gegenseitig an. Anschließend dürfen auch die übrigen Krampusse rempeln. Zum Abschluss wünschen sich die Passen „A guads Weitageh’, treu in guadn oidn Brauch“. Zu diesen Terminen kommen zahlreiche Einheimische und Gäste ins Gasteinertal.
Verwandte Bräuche gibt es im alemannischen Alpenraum, etwa im Allgäu und in der Schweiz, mit dem Klausentreiben. In Schwaben begleitet der Pelznickel den Gabenbringer, in der Schweiz der „Schmutzli“ den Nikolaus. Der Schmutzli soll ebenfalls unartige Kinder bestrafen, trägt einen Sack und verwendet statt Kuh- oder Balkenglocken einen Schellengurt.
Das Aussehen des Krampus erinnert an den Teufel sowie an mythische und tierische Gestalten der alpenländischen Schiechperchten. Schiechperchten treten in den Rauhnächten auf, Krampusse gehören ausschließlich zum Adventsbrauchtum. Ähnliche Gestalten gibt es auch im skandinavischen Raum zwischen Weihnachten und Silvester; der Brauch heißt „julebukklaufen“ und war in Norwegen zumindest bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet.
Und während in Leoben die ersten Passen schon im November ihre Glocken schwingen, bleibt der eigentliche Krampustag der 5. Dezember. Nikolaus und Krampus treten meist am Abend dieses Tages gemeinsam auf, teilweise auch am 6. Dezember. Zu den größten Umzügen mit mehr als 1.000 Krampussen gehörten 2008 der jährlich am 6. Dezember stattfindende Krampuslauf in St. Johann im Pongau und der größte Krampuslauf Österreichs in Klagenfurt, der sich über 1,5 Kilometer erstreckt.
