Leobener Webinar zeigt Jugendlichen, wie TikTok und Instagram ihr Selbstbild prägen
Ein Bild, ein kurzer Clip, ein Blick auf den eigenen Körper – soziale Medien können beeinflussen, wie Jugendliche sich selbst sehen. In Leoben widmet sich ein kostenloses Webinar genau diesem Thema: Am Donnerstag, 17. Dezember 2026, geht es online um TikTok, Instagram und andere digitale Welten, um Schönheitsvorstellungen, Gefühle und das eigene Selbstbild.
Das „ABC-Training: Alles digital – Onlinewelten und Selbstbild“ richtet sich an Jugendliche von 12 bis 18 Jahren. Das Webinar dauert 1,5 Stunden und findet von 16:30 bis 18:00 Uhr über MS Teams statt. Trainer ist Oliver Hueber. Eine Anmeldung ist bis 14. Dezember 2026 möglich. Weitere Informationen gibt es unter styriavitalis.at.
Was hinter Filtern und Trends steckt
Im Mittelpunkt stehen die Wirkungen von Bildern und Trends sowie Filter, Algorithmen und digitale Inszenierungen. Die Jugendlichen sollen erkennen und einordnen können, wie Inhalte entstehen und warum Körper, Routinen oder Erfolge auf Instagram und TikTok oft anders aussehen, als sie im Alltag tatsächlich sind.
Auch Schönheitsideale, Körperbild und psychische Gesundheit werden besprochen. Das Webinar soll helfen, den Einfluss solcher Vorstellungen auf das eigene Körperbild und Wohlbefinden zu reflektieren und Strategien für einen bewussten, selbstbestimmten, kritischen und gesunden Umgang mit sozialen Medien kennenzulernen.
Wie groß der Druck sein kann, zeigt die Studie „Zukunft Gesundheit 2025“ der vivida bkk und ihrer Stiftung. Dafür wurden im September 2025 insgesamt 1.014 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger zwischen 14 und 34 Jahren befragt. Rund die Hälfte verspürt häufig den Druck, einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen zu müssen, 52 Prozent orientieren sich bei Schönheitsmaßstäben an sozialen Medien.
Sechs von zehn Befragten vergleichen regelmäßig ihr Aussehen oder ihren Körper mit anderen. Frauen tun das laut Studie häufiger als Männer – 64 Prozent gegenüber 55 Prozent. Jüngere Befragte berichten stärker von Vergleichsdruck als ältere; Frauen und Jugendliche äußern sich selbstkritischer und fühlen sich stärker unter Druck gesetzt.
Schönheitsdruck hat viele Gesichter
Etwa die Hälfte der Befragten empfindet sich als zu dick, rund jeder Fünfte fühlt sich zu dünn. Bei jungen Männern ist es etwa jeder Dritte, der sich als zu dünn wahrnimmt. Der Körper- und Vergleichsdruck steht laut Studie auch mit dem Trend zu Muskelaufbau und körperlicher Optimierung in Verbindung. Die vivida bkk betont allerdings, dass Sport und Ernährung nur Teile des körperlichen und mentalen Wohlbefindens sind.
Eltern sollen Jugendliche beim Umgang mit sozialen Medien begleiten und sie für unrealistische Schönheitsideale sensibilisieren. Dafür bietet die vivida bkk einen kostenlosen „Digitalen Elternabend“ an, der Gespräche über Körperbilder, Vergleichsdruck und Selbstwert unterstützen soll. Die Studie behandelt außerdem Glück, Gesundheit, Stress, Ernährung und Prävention.
Die vivida bkk ist eine bundesweit geöffnete gesetzliche Krankenkasse mit mehr als 310.000 Kundinnen und Kunden, rund 800 Beschäftigten und 16 Standorten. Ihre Stiftung „Die Gesundarbeiter – Zukunftsverantwortung Gesundheit“ unterstützt insbesondere Präventionsprojekte für Kinder und Jugendliche.
Eine im September 2021 geleakte interne Facebook-Studie untersuchte ebenfalls Zusammenhänge zwischen Instagram-Nutzung, sozialen Vergleichen und der psychischen Gesundheit Jugendlicher. Laut den ausgewerteten Präsentationen gab jede beziehungsweise jeder fünfte Jugendliche an, dass Instagram die eigene Selbstwahrnehmung verschlechtere. Unter Jugendlichen mit psychischen Problemen sagten 13 Prozent in Großbritannien und 6 Prozent in den USA, dass Suizidgedanken mit der Instagram-Nutzung begonnen hätten. 7 Prozent in Großbritannien und 9 Prozent in den USA nannten einen Zusammenhang mit selbstverletzendem Verhalten.
Mädchen berichteten häufiger von negativen Vergleichen: 66 Prozent verglichen sich auf Instagram in negativer Weise mit anderen, bei den Jungen waren es 40 Prozent. 52 Prozent der Mädchen, die solche Vergleiche erlebten, nannten Schönheitsbilder als Auslöser. 32 Prozent stimmten zu, dass Instagram ihre Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper verstärke.
Wenn der Vergleich zur Abwärtsspirale wird
Unabhängige Forschung bringt soziale Medien unter anderem mit Stress, Körperunzufriedenheit, Schlafstörungen, Depressionen, Ess- und Angststörungen sowie selbstverletzendem und suizidalem Verhalten in Verbindung. Eindeutig oder monokausal sind die Zusammenhänge meist nicht, und die Effekte treffen nicht alle Jugendlichen gleichermaßen.
Die Teilstudie „Teen Girls’ Body Image and Social Comparison on Instagram“ arbeitete mit Fokusgruppen mit 15 Personen, einer Tagebuchstudie mit 10 Personen und Tiefeninterviews mit 7 Personen. Befragt wurden 13- bis 21-jährige Instagram-Nutzerinnen mit niedrigem Selbstwertgefühl und negativem Körperbild. Diese Auswahl ist wichtig: Die Ergebnisse lassen sich nicht automatisch auf alle Jugendlichen übertragen.
Soziale Vergleiche dienen zunächst der Selbsteinschätzung. Aufwärtsvergleiche mit scheinbar überlegenen Personen können jedoch Stress, Unzufriedenheit und negative Gefühle auslösen. Erreichbare Vorbilder wiederum können Inspiration und Freude fördern. Instagram liefert besonders viele sorgfältig ausgewählte und digital bearbeitete Vergleichsinformationen.
Beiträge im Feed und algorithmisch vorgeschlagene Inhalte auf der Explore-Seite begünstigen laut Studie negative Vergleiche. Stories gelten als weniger stark vergleichsauslösend, weil sie häufiger Alltag, Reposts oder Boomerangs zeigen und weniger körperbezogen sind. Problematisch sind vor allem Beiträge mit starkem Fokus auf Körper oder einzelne Körperteile, Mode, normierten Schönheitsidealen sowie Schönheitsfiltern und bearbeiteten Selfies oder Videos.
Fehlende Kontextinformationen erschweren die Einschätzung, wie ein gezeigtes Ergebnis erreicht wurde. Dadurch kann ein Ziel unerreichbar wirken – und ein Gefühl von Ohnmacht entstehen. Selbst sichtbare Like-Zahlen können negative Vergleiche auslösen. Beiträge von Prominenten und Influencerinnen und Influencern werden besonders oft damit verbunden, aber auch Vergleiche mit Freundinnen, Freunden und Bekannten können kippen.
Jugendliche übernehmen teilweise die Bildästhetik ihrer Vorbilder und verwenden Filter sowie Bearbeitungswerkzeuge. So können unrealistische Schönheits- und Körperstandards innerhalb der Peergroup weitergereicht werden. Wer bereits eine niedrige Lebenszufriedenheit, ein negatives Körperbild, ein geringes Selbstwertgefühl oder große Unsicherheit mitbringt, ist für solche Vergleiche anfälliger.
Die beschriebene Abwärtsspirale beginnt mit der wiederholten Rezeption idealisierter Instagram-Inhalte. Das Leben anderer wirkt besser, die Frage nach dem Mithalten drängt sich auf. Die Beschäftigung mit scheinbar überlegenen und schwer erreichbaren Personen verstärkt Selbstunsicherheit und eine negative Selbstwahrnehmung. Der Blick bleibt an vermeintlichen körperlichen Makeln hängen, Frust und Ärger kommen dazu, Betroffene fühlen sich niedergeschlagen, ziehen sich zurück oder lenken sich ab. Beim nächsten Instagram-Besuch kann der Kreislauf wieder starten.
Was im Alltag helfen kann
Der Versuch, sich einer Vergleichsperson anzunähern, wird als problemorientierte Coping-Strategie beschrieben. Jugendliche werten Inhalte aus, um herauszufinden, wie sie mithalten könnten. Erscheint das unrealistisch und wird die Ursache ausschließlich bei sich selbst gesucht, können Stress, negative Gefühle und Selbstabwertung entstehen. Als mögliche langfristige Folgen nennt Facebook Körperunzufriedenheit, Einsamkeit, Essstörungen, körperdysmorphe Störungen und Depressionen.
Als Gegenmittel werden positive Selbstgespräche, Selbstbekräftigung, inspirierende Zitate und Zeit mit Freundinnen und Freunden genannt. In akuten Stresssituationen kann eine bewusste Pause von Instagram und anderen sozialen Medien guttun. Sport, Spaziergänge sowie Zeit mit Familie und Freundinnen oder Freunden sind mögliche Alternativen – manchmal hilft schon, das Handy aus dem Zimmer zu legen.
Jugendliche sollten erkennen können, ob negative Gefühle mit ihrer Social-Media-Nutzung zusammenhängen. Familien, Schulen und medienpädagogische Projekte können dabei helfen. Gemeinsam lässt sich anschauen, wo problematische Vergleichsinformationen auftauchen, welche Inhalte Vergleiche auslösen, mit wem sich Jugendliche vergleichen und welche allgemeine Stimmung gerade da ist.
Facebook schlug unter anderem personalisierte Achtsamkeits- und Auszeiten sowie weiterentwickelte Zeitbegrenzungsfunktionen vor. Nutzerinnen und Nutzer sollten stärker mitbestimmen können, welche algorithmisch empfohlenen Inhalte ihnen angezeigt werden. Genannt wird außerdem ein Zusammenspiel aus Plattformmaßnahmen, rechtlichen Vorgaben, Unterstützung durch verschiedene Akteure und persönlichen Bewältigungskompetenzen.
Für Jugendliche aus Leoben bietet das Webinar am 17. Dezember einen direkten Einstieg: kostenlos, online und mit Raum für Filter, Algorithmen, Körperbilder, Gefühle und die Frage, wie soziale Medien wieder ein Stück mehr selbstbestimmt genutzt werden können.
