Guido Zehetbauer Salzer verwandelt den Wald in leuchtende Farbarchitekturen
Die Galerie in der Mühlgasse zeigt ab 30. November Werke des aus Wien stammenden Künstlers Guido Zehetbauer Salzer. Die Ausstellung ist vom 30. Oktober bis einschließlich 20. November in der Kunstwerkstatt Lienz zu sehen – zwei Datumsangaben, die in den vorliegenden Ankündigungen nebeneinanderstehen.
Im Mittelpunkt steht der Wald: seine Struktur, seine Farben, das Licht und die wechselnden Stimmungen. Zehetbauer Salzer reduziert die Motive auf grobe Strukturen und verstärkt sie durch intensive Farben. Trotzdem sollen die charakteristischen Merkmale und die Authentizität des jeweiligen Motivs erhalten bleiben.
Zwischen Geborgenheit und Bedrohung
Der im Wienerwald aufgewachsene Künstler verbindet den Wald mit Sehnsucht, Geborgenheit und Heimat. Seine Bilder halten Eindrücke von Waldlandschaften ebenso fest wie Vorstellungen von Erhabenheit, zeitloser Ruhe und friedlicher Koexistenz. Angesichts von Waldsterben, Unwettern und Borkenkäferbefall erhält diese Auseinandersetzung zusätzliche Aktualität.
Seit fast 20 Jahren beschäftigt sich Zehetbauer-Salzer überwiegend künstlerisch mit dem Wald. Inspiration findet er in der Vielfalt der Jahreszeiten, in der Fülle und Fruchtbarkeit der Natur, in sinnlichen Erfahrungen sowie in Geborgenheit und Vertrautheit. Der Wald ist für ihn ein persönlicher und globaler „Heilsraum“.
Das klingt nicht nach einer gemütlichen Postkartenidylle. Weltweit steigende CO₂-Emissionen, häufigere und größere Waldbrände infolge des Klimawandels und die zunehmende Zerstörung der Regenwälder gefährden die Ökosysteme. Österreich gehört nach Slowenien zu den waldreichsten EU-Ländern, die österreichischen Forstflächen nehmen jährlich zu. Gleichzeitig beeinflusst Europas Konsumverhalten die Zerstörung außereuropäischer Wälder. Seit der Besiedlung Europas wurden dort laut dem zugrunde liegenden Artikel 80–90 Prozent der ursprünglichen Wälder abgeholzt.
Zehetbauer-Salzer bezeichnet sich unabhängig von aktuellen Krisen als Pessimisten. Die Begegnung mit dem Wald wirkt auf ihn dennoch ermutigend; sie vermittelt ihm die Vorstellung, dass das Leben ein Fest sei. Waldbilder zu malen bedeutet für ihn, die Schönheit und Fülle des Lebens wahrzunehmen, positive Erfahrungen festzuhalten, den Wald „in sich selbst“ wiederzufinden und diese Erfahrungen mit anderen zu teilen. Die Zerstörung des Ökosystems klingt in den Bildern mit, steht aber nicht als moralische Anklage im Vordergrund. Stattdessen stellt der Künstler die Schönheit des Waldes heraus und plädiert dadurch indirekt für seinen Schutz.
Farbe statt Naturkopie
Der Künstler malt den Wald nicht naturgetreu, sondern so, wie er ihn wahrnimmt, fühlt, sieht oder sich wünscht. Menschen tauchen in den Bildern nicht auf. Menschliche Spuren bleiben lediglich in Wegen und forstwirtschaftlichen Eingriffen erkennbar. Die dargestellten Wälder beruhen auf konkreten Waldstücken, die Zehetbauer-Salzer porträtiert.
Unwesentliches wird weggelassen, Farbnuancen und Kontraste werden verstärkt, markante Strukturen treten hervor. Naturdetails bilden die Grundlage intensiver Farbkompositionen. Erwartbare Grün- und Brauntöne reichen dafür längst nicht aus: Winterwälder können kräftig blau erscheinen, Herbstwälder rot, orange und rosa, schattige Sommerwälder magenta, grün, blau und in weiteren Farben.
Ein wichtiger Einfluss war Emil Nolde mit seinen farbintensiven Landschaftsdarstellungen. Zehetbauer-Salzer beeindruckte dessen Freiheit bei der Farbwahl und beim Abstraktionsgrad. Wie Nolde versucht er nicht, Landschaften möglichst naturgetreu abzubilden, sondern Empfindungen angesichts der Landschaft auszudrücken.
In der frühen Phase setzte der Künstler viele kleine Pinselstriche und reine Farben nebeneinander. Das erinnert an die Impressionisten, deren Farben sich erst aus der Entfernung im Auge des Betrachters verbinden. Die frühen Waldbilder wirken dadurch kleinteilig, intensiv, energiegeladen und flirrend.
Mit zunehmender Vertrautheit mit dem Motiv reduzierte Zehetbauer-Salzer die Bildmittel. Die Oberflächen wurden ruhiger, charakteristische Strukturen rückten in den Mittelpunkt, Details wichen dem Wesentlichen. Später entstand die Atmosphäre vor allem durch ineinander verschwimmende Farbflächen. Der Pinselduktus wurde freier und großzügiger, bis hin zu flächigen Darstellungen, in denen nur vereinzelt Astwerk erscheint.
Die formale Reduktion führte zu stärker abstrahierten, zugleich sanfteren Farben. Durch lasierende Farbschichten ordnet der Künstler die Farben zunehmend übereinander statt nebeneinander an. So entstehen flächige, tiefe und sanft changierende Wirkungen.
„Waldspaziergang“ und weitere Arbeiten
Als abgebildetes Werk wird „Waldspaziergang“ aus dem Jahr 2025 genannt. Das Bild misst 50 × 50 Zentimeter. Aufgeführt sind außerdem „Geleit“ (100 × 70 cm, Acryl auf Leinwand; das Jahr ist nicht angegeben), „HerbstWaldWeg“ (30 × 30 cm, 2017, Acryl auf Leinwand), „WaldWeg V12“ (100 × 70 cm, Acryl auf Leinwand), „Lärchenwald“ (100 × 70 cm, 2018, Ölstick auf Papier) und „WaldWanderWeg“ (100 × 70 cm, 2018, Ölstick auf Papier). „WaldWanderWeg“ wird im Artikel zweimal aufgeführt.
Auch grafisch arbeitet der Künstler mit dem Wald. In den Zeichnungen erscheint er wilder und ungestümer als in den Gemälden. Die Atmosphäre entsteht dort nicht durch großflächige Farbzonen, sondern durch impulsiv gesetzte Striche. Formal sind die Zeichnungen abstrakter und verlangen dem Publikum mehr Vorstellungskraft ab, um den Wald zu erkennen.
Inhaltlich erfassen sie wie die Gemälde grundlegende Waldstrukturen, allerdings in linearer Form. Zehetbauer-Salzer entwickelt die Zeichnungen von einem dichten Liniengeflecht zu wenigen konzentrierten Strichen. Farbintensität und impulsiver Duktus erinnern an die frühen Gemälde. Reduktion und Konzentration ermöglichen es, mit weniger Ausdrucksmitteln mehr zu vermitteln. Die Arbeiten verbinden Impulsivität und Konzentration, dichte Fülle und weitgehende Leere – und setzen um, was die Natur lehren könne: Konzentration auf das Wesentliche, Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments und Wertschätzung des Augenblicks.
Termine und weitere Ausstellungen
Die Ausstellung wird auf der Künstlerseite als „WaldArchitektur“ geführt: 31.10.–20.11.2026, Galerie der KunstWerkstatt Lienz, A-9900 Lienz. Für den Besuch gelten Montag bis Freitag, 12:00–18:00 Uhr; Samstag ist nach Vereinbarung geöffnet. Besichtigungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten sind nach individueller Vereinbarung möglich. Die „Galerie-Auszeit“ ist für 29.10.–1.11.2026 angegeben.
Wer über weitere Aktivitäten informiert werden möchte, kann sich per E-Mail an galerie@zsart.at mit der Bitte um Aufnahme in den Galerie-Newsletter-Verteiler anmelden.
- „The Space Between Threads“: Gruppenausstellung mit Judith P. Fischer, 14.–22.11.2026, MALT, L-1831 Clausen.
- „Konkret – was sonst?“: Gruppenausstellung mit Veronika Rodenberg, 31.10.–22.11.2026, Künstlerforum Bonn, D-53119 Bonn.
- „Der unsterbliche Apfel“: Gruppenausstellung des Austrian Painters Crit Club mit Christoph Luger, 23.1.–20.11.2026, Kunstverein Kärnten, A-9020 Klagenfurt.
- Gerhard Frömel – „… es ist was wird…“: Ausstellung zum 85. Geburtstag, 17.10.–6.12.2026, Galería ROY, 07200 Felanitx, Mallorca.
- „Untitled / Ohne Titel“: NÖDOK-Gruppenausstellung mit Belinda Cadbury, Duks Koschitz und Robert Staudinger, 10.–25.10.2026, Galerie Stiegenwirt, 2041 Wullersdorf.
- Christoph Luger – „Die Welt ist papieren“: 26.9.–31.10.2026, Kubin-Haus, 4783 Wernstein.
- „Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945“: Neupräsentation, Teil 2 „Tiefendimension & Sinnlichkeit“, Gruppenausstellung mit Gerhard Frömel, seit 27.6.2026, Museum im Kulturspeicher Würzburg.
- „Zeitgenössische Collage“: Sonderausstellung unter anderem mit Irene Wölfl, 12.6.–6.12.2026, Museum Haus des Papiers, Berlin.
- „Kunst in der Arbeitswelt – Sammlung Otten“: Dauerausstellung mit Karl Kriebel, seit 5.5.2026, Otten Kunstraum, Hohenems.
- „(K)ein Begriff. Skulpturales aus der Sammlung Liaunig“: Gruppenausstellung unter anderem mit Judith P. Fischer, Ingeborg G. Pluhar, Roland Goeschl und Christiane Reiter, 26.4.–31.10.2026, Museum Liaunig, Neuhaus, Kärnten.
Im Lienzer Ausstellungsraum wird der Wald damit nicht einfach abgemalt. Er wird zerlegt, verdichtet, farblich verschoben und wieder zusammengesetzt – manchmal in Blau, manchmal in Rosa, manchmal nur als ein paar entschlossene Linien. Ein Spaziergang, der auf der Leinwand stattfindet.
