Das Kolpinghaus Lienz ist kaum wiederzuerkennen. Nach mehreren Jahren Sanierung erstrahlt das Gebäude in neuem Glanz – seit Sommer 2026 ist auch das gesamte Parterre fertig. Offiziell wiedereröffnet wurde das vollständig renovierte Haus am Freitag, 6. November 2026.

Die Geschichte des Hauses reicht weit zurück: Die Kolpingfamilie Lienz wurde 1881 gegründet und zählt damit zu den ältesten Vereinen Osttirols. Das erste Kolpinghaus der Stadt entstand 1883. 1982 wurde dieses Gebäude abgerissen und durch das heutige Haus ersetzt, das nun nach mehr als 40 Jahren intensiver Nutzung umfassend erneuert worden ist.

Neuer Saal, warme Farben und Kunst an der Fassade

Mehr als eine Million Euro flossen in den vergangenen zehn Jahren in Sanierung und Erneuerung. Im Parterre wurden der Veranstaltungssaal und zwei Seminarräume überarbeitet. Der Eingangsbereich präsentiert sich mit warmen Farben und führt ins Kolpingstüberl. An der gesamten Eingangsfassade ist ein großformatiges Kunstwerk des Osttiroler Künstlers Sigi Schusteritsch zu sehen.

Für die neue Gestaltung der Innenräume war die Lienzer Innenarchitektin Silvia Schneider verantwortlich. Die Bauaufträge gingen überwiegend an heimische Unternehmen, für die Erneuerung des Parterres im Sommer 2026 waren neun Osttiroler Firmen im Einsatz. Rund 250.000 Euro kosteten diese Arbeiten – der vorgesehene Budgetrahmen wurde eingehalten.

Auch technisch wurde nachgebessert: Der Veranstaltungssaal bietet moderne Ausstattung und Platz für 240 Sitz- oder 450 Stehplätze. Die Toilettenanlagen wurden neu errichtet und um ein Behinderten-WC ergänzt. Soweit es die baulichen Gegebenheiten erlaubten, ist das Gebäude barrierefrei gestaltet. Fenster und Fassadenteile wurden vollständig ausgetauscht; dadurch sanken die Heizkosten um ein Drittel.

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In den Seminarräumen und im Kolpingsaal finden jährlich mehr als 400 Veranstaltungen statt. Rund 6.000 bis 8.000 Menschen besuchen diese Termine, dazu kommen zahlreiche Angebote für Kinder und Familien. Als gemeinnütziger Verein will die Kolpingsfamilie Lienz leistbare Raummieten für Konzerte, Theateraufführungen, Feiern und Seminare anbieten. Vorsitzender ist Meinhard Pargger.

17 Jugendliche wohnen derzeit im Jugendheim

Auch die oberen Stockwerke wurden umfassend modernisiert. Das Jugendheim verfügt insgesamt über 22 Betten und soll jungen Menschen während ihrer Ausbildung eine zeitgemäße und leistbare Unterkunft mitten in Lienz bieten. Derzeit leben dort 17 Jugendliche im Alter von 14 bis 22 Jahren, überwiegend aus dem Lesachtal, aus Kärnten und aus Südtirol.

Die Bewohner besuchen unter anderem die HAK, die HTL, den Aufbaulehrgang im Klösterle oder die Universität. Zwei Lehrlinge wohnen ebenfalls im Heim. Ein Doppelzimmer kostet monatlich 350 Euro, ein Einzelzimmer 400 Euro. Die Verträge laufen zehn Monate, im Juli und August fallen keine Kosten an.

Die Gemeinschaftsküche und ein Aufenthaltsraum sind bereits renoviert. Auf der Terrasse entsteht derzeit noch ein Aufenthaltsbereich. Im kommenden Jahr sollen die Zimmer umgebaut werden – Baustellen gehören im Kolpinghaus also noch nicht ganz der Vergangenheit an.

Finanziert werden die Bauvorhaben aus Eigenmitteln, die aus Vermietung und Verpachtung stammen. Zusätzlich erhielt die Kolpingfamilie in den vergangenen zehn Jahren 400.000 Euro von einer Stiftung aus Liechtenstein. Die Stadtgemeinde Lienz wird als verlässlicher Partner bezeichnet. Das Land Tirol unterstützte die Kolpingfamilie in diesem Zeitraum mit etwas mehr als 15.000 Euro.

Eröffnung mit Radio Osttirol und Musik

Bei der Eröffnung am 6. November begann das Programm um 16:00 Uhr mit einem Dämmerschoppen mit Radio Osttirol. Anschließend standen die Segnung der Räumlichkeiten und eine Besichtigungsmöglichkeit für die Bevölkerung auf dem Programm. Ab 17:30 Uhr sorgte „Migge on Tour“ für Musik.

Vom Gesellenverein zum offenen Haus

Die Eröffnung passt zu einem Haus, dessen Zweck sich im Lauf der Zeit gewandelt hat. Hauptanliegen der Kolpingsfamilien ist bis heute, junge Menschen während ihrer Berufsausbildung in Kolpinghäusern unterzubringen und zu begleiten. Bis in die 1930er-Jahre richteten sich die Vereine vor allem an Lehrlinge und Handwerksgesellen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten materieller Wohlstand, neue Konsumangebote und eine flexiblere Arbeitswelt Beruf und Gesellschaft grundlegend. Es entstanden neue benachteiligte Gruppen, auf die der Verband mit zusätzlichen Sozialprojekten reagierte. Bis in die 1960er-Jahre waren Kolpingsfamilien und Kolpinghäuser ausschließlich auf Jungen und Männer ausgerichtet; danach wurden die Häuser schrittweise für Mädchen und Frauen geöffnet.

Innerhalb von etwa zehn Jahren änderte sich außerdem die Bezeichnung von „Katholische Gesellenvereine und -häuser“ zu „Kolpingsfamilien und Kolpinghäuser“. Heute bietet Kolping mehrere Tausend Wohnplätze für Menschen in Berufsausbildung oder Beruf. Die Veranstaltungsangebote richten sich längst auch an die Bevölkerung der Umgebung. Als zentrale Aufgabe gilt weiterhin, menschliche Autonomie durch Bildung und Arbeit zu fördern – in Lienz jetzt in frisch renovierten Räumen.