In Lilienfeld durfte der österreichische Schriftsteller Martin Prinz sein neues Buch schließlich doch in seiner Heimatstadt vorstellen. Die Lesung fand im Stiftkeller statt, nachdem eine ursprünglich im städtischen Museum geplante Veranstaltung abgesagt worden war. Vor großem Publikum sprach Prinz über sein neues Werk.

Für Aufmerksamkeit sorgte dabei weniger der literarische Abend als der Weg dorthin. Die Museumlesung war auf Weisung des Lilienfelder ÖVP-Bürgermeisters Manuel Aichberger gestrichen worden. Die Veranstaltung hatte die örtliche SPÖ organisiert.

Ein alter Konflikt kehrt zurück

Prinz gilt in Lilienfeld seit mehr als drei Jahrzehnten als unerwünscht. Als Schüler war er Chefredaktor der dortigen Schülerzeitung und veröffentlichte Anfang der 1990er-Jahre einen offenen Brief über den Schuldirektor. Darin warf er dem Direktor vor, seine Stelle ausschließlich seiner ÖVP-Mitgliedschaft zu verdanken. Außerdem behauptete Prinz, eine besser geeignete Bewerberin sei auf Betreiben der örtlichen ÖVP übergangen worden.

Der Streit blieb nicht auf das Schulgebäude beschränkt. Die unterlegene Bewerberin gründete aus Protest eine eigene Partei. Dadurch verlor die ÖVP zeitweise den Bürgermeisterposten in Lilienfeld. Nach seiner Matura erhielt Prinz nach eigener Einschätzung auch deshalb ein Hausverbot an der Schule.

Aufgehoben wurde dieses Verbot vor zehn Jahren – auf Initiative des örtlichen Pfarrers, der sich dabei auf das christliche Gebot der Barmherzigkeit berief. Ganz verschwunden ist die alte Geschichte damit offenbar nicht.

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Bürgermeister Aichberger bestätigte die Dienstanweisung gegen die Veranstaltung, bestritt aber einen Zusammenhang mit dem früheren Konflikt. Seine Begründung: In Gemeinderäumlichkeiten sollten keine Parteiveranstaltungen stattfinden. Ein nicht namentlich genannter Gemeindemitarbeiter sagte hingegen, Prinz sei in Lilienfeld auch unabhängig davon nicht besonders beliebt.

Lesung im Stiftkeller

Die Einladung durch die SPÖ erfolgte laut dem Bericht nicht primär aus weltanschaulichen Gründen. Prinz kritisiert die Sozialdemokraten öffentlich häufig. Nun sprang die katholische Kirche ein und stellte den Stiftkeller zur Verfügung. Dort saß schließlich ein großes Publikum, statt vor verschlossenen Türen zu stehen.

Eine Besucherin schrieb danach auf Facebook, Lilienfeld müsse stolz auf seinen Sohn sein. Ein Satz, der in einer Stadt mit so langer Vorgeschichte wohl nicht ganz zufällig fiel.

Vom Lilienfelder Schüler zum vielfach übersetzten Autor

Martin Prinz wurde 1973 in Wien geboren, wuchs in Lilienfeld in Niederösterreich auf und studierte Theaterwissenschaft und Germanistik. Sein Roman „Der Räuber“ über den österreichischen Bankräuber Johann Kastenberger wurde zur Vorlage für den gleichnamigen Film aus dem Jahr 2010. Dafür wurde Prinz für den Österreichischen Filmpreis nominiert.

Sein veröffentlichtes Werk umfasst unter anderem „Der Räuber“, Roman, Jung und Jung, Salzburg 2002, „Alle Habseligkeiten. Eine kurze Geschichte“ mit Farboffsetlithografien von Joseph Kühn, Edition Thurnhof, Horn 2002, sowie „Puppenstille. Inspektor Starek geht zu weit“, Jung und Jung, Salzburg 2003.

Es folgten „Ein Paar“, Roman, Jung und Jung, Salzburg 2007, „Über die Alpen. Von Triest nach Monaco – zu Fuß durch eine verschwindende Landschaft“, C. Bertelsmann, München 2010, „Die letzte Prinzessin“, Roman, Insel, Berlin 2016, und „Die unsichtbaren Seiten“, Roman, Insel, Berlin 2018.

Gemeinsam mit Johannes Dürr veröffentlichte Prinz „Der Weg zurück: Eine Sporterzählung“, Insel, Berlin 2019. Sein jüngstes in der Werkliste genanntes Buch ist „Die letzten Tage“, Roman, Jung und Jung, Salzburg 2025.

„Der Räuber“ wurde auch international gelesen: auf Englisch als „On the Run“, übersetzt von Mike Mitchell, Dedalus 2005; auf Tschechisch als „Lupič“, übersetzt von Zuzana Augustová, Havran 2008; und auf Französisch als „L’envolée belle“, übersetzt von Odile Vandermeersch, Éditions Absalon 2009. Hinweise zu Prinz finden sich außerdem beim Internationalen Festival junger Literatur, beim Kunstradio sowie in einer Meldung zu den Kulturpreisträgern 2025 des Landes Niederösterreich und zum Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2025.

Am 8. November 2026 bleibt in Lilienfeld damit ein Abend im Gedächtnis, der erst abgesagt und dann doch möglich wurde – zwischen Museum, Gemeindepolitik und einem Stiftkeller, in dem am Ende gelesen und zugehört wurde.