In Lilienfeld bekommen leer stehende Räume an der Talstation des Muckenkogels wieder Licht, Betrieb und Kundschaft: Der Bikestore Muck’n’Ride hat dort ein Geschäft eröffnet. Wo zuvor ungenutzte Flächen brachlagen, werden nun Fahrräder verkauft und vermutlich bald auch wieder öfter Gespräche über Touren, Technik und den nächsten Anstieg geführt.

Bürgermeister Manuel Aichberger nennt die Nachnutzung eine „Win-win-Situation“. Die Bergbahn erhält Mieteinnahmen, der Unternehmer passende Geschäftsräume. Gleichzeitig wird ein bestehender Standort wiederbelebt, ohne neue Flächen zu verbauen. Das reduziert Leerstand und stärkt den Wirtschaftsstandort Lilienfeld.

Weniger Versiegelung, mehr Leben in alten Räumen

Der Fall am Muckenkogel passt zu einer aktuellen Umfrage im Mostviertel. 87 Prozent der Befragten wollen Böden und Grünflächen schützen, statt weitere Flächen zu versiegeln. Zwei Drittel kennen leerstehende Industrieareale, rund die Hälfte ist mit deren derzeitiger Nutzung unzufrieden.

Bei der künftigen Verwendung solcher Brachflächen liegen Parks und eine Entsiegelung mit 58 Prozent vorne. 41 Prozent wünschen sich eine erneute gewerbliche oder industrielle Nutzung, 40 Prozent neuen Wohnraum und 37 Prozent Freizeit- und Sportanlagen. Von der Nutzung bestehender Brachflächen statt der Versiegelung von Wiesen erwarten 40 Prozent einen Beitrag zum Klimaschutz. Rund die Hälfte rechnet mit einem schöneren Ortsbild und mehr Grünraum in der Gemeinde, 43 Prozent mit neuen Arbeitsplätzen in der Region.

Ganz ohne Vorbehalte ist die Sache freilich nicht. 35 Prozent befürchten den Verlust von Grünflächen, 24 Prozent rechnen mit mehr Verkehr. Die Ansiedlung von Unternehmen in leer stehenden Gebäuden verbinden 69 Prozent mit möglichen neuen Arbeitsplätzen, 67 Prozent mit einer Belebung und Aufwertung der Region.

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Die größten Bremsklötze bei der Revitalisierung alter Gebäude sind laut Umfrage hohe Sanierungskosten, fehlende Investoren sowie Altlasten und Umweltprobleme. Das klingt trocken, macht in der Praxis aber schnell einen großen Unterschied: Zwischen einer guten Idee und einer tatsächlich nutzbaren Fläche liegen oft Gutachten, Geld und viel Geduld.

Von der Fabrik zur „Glanzstadt“

Dass hinter solchen Projekten engagierte Verantwortliche stehen, zeigte auch eine ganztägige, ausgebuchte Exkursion mit dem Tourenbus. 50 Personen nahmen daran teil und besuchten vier Areale mit unterschiedlichen Transformationsgeschichten.

Eine Station war das Glanzstoffareal St. Pölten. Auf dem mehr als 20 Hektar großen Gelände wurden von 1906 bis 2008 Viskosefasern hergestellt. Von den historischen Industriegebäuden sind nur noch wenige erhalten, einige wurden bereits umgenutzt. Das ehemalige Fabrikgelände soll nun schrittweise unter dem Titel „Glanzstadt“ zu einem neuen Stadtteil entwickelt werden.

Die historische Bausubstanz soll dabei als identitätsstiftendes Element erhalten bleiben. Gleichzeitig sind Flächen für Wohnen, Arbeiten und Freizeit vorgesehen. In ehemaligen Produktionshallen befinden sich heute unter anderem ein Veranstaltungszentrum und eine Boulderhalle. Verantwortlich dafür ist Marion Praskac von Glanzstoff-Events.

Förderung beginnt vor dem ersten Auftrag

Für Gemeinden, die Flächenrecycling vorbereiten wollen, gibt es Unterstützung – allerdings muss der Förderantrag gestellt werden, bevor Konzepte, Untersuchungen oder Planungen beauftragt werden. Anträge können laufend eingereicht werden. Der Antrag ist ausschließlich online über die KPC möglich.

Benötigt werden eine Beschreibung der aktuellen Situation, der möglichen künftigen Nutzung und der geplanten Untersuchungen, außerdem eine Auflistung der betroffenen Grundstücke, ein Lageplan zur Darstellung der Lage innerhalb des geschlossen bebauten Ortsgebiets und Fotos der aktuellen Situation. Dazu kommen eine Kostenschätzung, die beantragten Gesamtkosten sowie ein Nachweis über die Information oder Zustimmung der Gemeinde beziehungsweise der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer.

Als weitere Antragsunterlagen und Informationen stehen unter anderem Förderungsrichtlinien, ein Kostenkatalog, ein Informationsblatt und Unterlagen zur Übertragung von Foto-Nutzungsrechten zur Verfügung. Nach einer positiven Prüfung auf Vollständigkeit und inhaltliche Richtigkeit werden die Anträge der Kommission für Kreislaufwirtschaft und Flächenrecycling zur Begutachtung vorgelegt.

Die KPC prüft und beurteilt die vollständig eingereichten Unterlagen. Falls zusätzliche Informationen oder Dokumente nötig sind, wird ein Nachforderungsschreiben übermittelt. Nach Abschluss der Prüfung erhalten die Antragstellerinnen und Antragsteller den Förderungsvorschlag und können dazu Stellung nehmen.

Danach berät die zuständige Kommission über den Vorschlag und empfiehlt ihn der zuständigen Bundesministerin beziehungsweise dem zuständigen Bundesminister. Die Kommissionssitzungen finden zweimal jährlich statt. Nach der Genehmigung wird der Förderungsvertrag übermittelt.

Rechtsgültig wird dieser erst, wenn die Annahmeerklärung unterschrieben zurückgesendet wurde. Anschließend folgt ein Schreiben über den Vertragsabschluss. Ausbezahlt wird die Förderung nach abgeschlossener Endabrechnung.

Die Unterlagen dafür müssen spätestens einen Monat nach dem im Förderungsvertrag festgelegten Maßnahmenabschluss digital übermittelt werden: das fertige Entwicklungskonzept beziehungsweise die Untersuchungs- oder Planungsergebnisse einschließlich aller Anhänge und Unterlagen als vollständige Datei, vorzugsweise im PDF-Format, ein firmenmäßig gezeichnetes Endabrechnungsformular, Kopien der Rechnungen und Zahlungsbelege sowie das Endabrechnungsformular „Flächenrecycling“.

In Lilienfeld ist der erste Schritt bereits sichtbar: An der Talstation des Muckenkogels hat der Bikestore Muck’n’Ride eröffnet. Die Fläche ist nicht neu versiegelt worden. Sie wird einfach wieder gebraucht.