Kleinmünchen soll zum lebendigen Zentrum im Linzer Süden werden
In Kleinmünchen soll sich etwas bewegen. Ahoi-Gemeinderat Clemens Brandstetter möchte den Linzer Stadtteil zu einem lebendigen Zentrum für den Süden der Stadt weiterentwickeln – mit einem neuen Stadtplatz, einem Sommerkino, einem Gesundheitshaus und besseren Verbindungen im öffentlichen Verkehr.
Heute, am 5. November 2026, will Brandstetter in der 42. Gemeinderatssitzung einen entsprechenden Antrag einbringen. Die Sitzung beginnt um 14 Uhr und wird unter www.linz.at/gemeinderat-live übertragen.
Ein Platz zwischen Volkshaus und Einkaufszentrum
Im Linzer Süden fehlt laut dem Bericht bislang ein urbanes Zentrum mit attraktiven Plätzen, Kulturangeboten und Orten, an denen Menschen einfach zusammenkommen können. Geprüft werden soll deshalb ein Stadtplatz zwischen dem Volkshaus Kleinmünchen und dem Einkaufszentrum. Die städtebauliche Kommission soll untersuchen, wie sich das historische Zentrum weiterentwickeln lässt.
Bevor Bagger auffahren oder große Pläne gezeichnet werden, soll ein kostengünstiges „Stadtlabor“ zeigen, was an diesem Ort überhaupt funktioniert. Geplant sind neue Sitzgelegenheiten, begrünte Säulen und Schatten. Vier bereits vorhandene Säulen könnten mit Rankpflanzen und Beschattungselementen bepflanzt werden. Auch der Brunnen beim Volkshaus soll wieder in Betrieb genommen werden – ein kleiner Schritt, aber einer, den man im Sommer vermutlich sofort merkt.
Ein Sommerkino für Familien, Kinder und Jugendliche könnte bereits im Sommer 2027 starten. Brandstetter fordert Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer zur Umsetzung auf. Das Projekt liegt laut dem Bericht seit zwei Jahren im zuständigen Ausschuss.
Gesundheitshaus, Bim und Trauninsel
Auch abseits des möglichen Platzes gibt es eine längere Wunschliste. Im ehemaligen Kaufhaus Josef Schmid in der Dauphinestraße könnte ein Gesundheitshaus entstehen. Dazu kommen der Vorschlag für eine Straßenbahnlinie 5 und ein neuer Nahverkehrsknoten in Linz-Wegscheid.
Für die Trauninsel wird ein Nutzungskonzept angeregt. Öffentliche Toiletten, klare Regeln für Hunde und Maßnahmen gegen Vermüllung gehören zu den genannten Punkten. Gerade dort treffen Freizeit, Natur und der ganz normale Linzer Alltag aufeinander – manchmal entspannt, manchmal mit ziemlich viel liegen gebliebenem Mist.
Kleinmünchen bringt schon einiges mit: Geschäfte, Gastronomie, Schulen, eine Apotheke, einen Grünmarkt, das Volkshaus sowie Freizeit- und Sportangebote. Der Stadtteil liegt zwischen Wasserwald und Traun. Neue Wohnbauprojekte könnten zusätzliche Bewohnerinnen und Bewohner bringen und damit auch neue Nachfrage für lokale Angebote. Brandstetter will Bestehendes verbinden und den historischen Ortskern weiterentwickeln, statt einzelne Vorhaben nebeneinanderher laufen zu lassen.
Stadtentwicklung mit längerem Atem
Als übergeordneter Rahmen kommt die Linzer Stadtstrategie 2022 ins Spiel. Sie wurde nach einem umfangreichen Entwicklungsprozess abgeschlossen; der Gemeinderat beschloss sie am 1. Juli 2021. Erstmals legt die Stadt damit proaktiv Richtlinien und Rahmenbedingungen für die künftige urbane Entwicklung fest.
Die Strategie soll Linz auf technologische, wirtschaftliche, ökologische und soziale Veränderungen der kommenden zehn Jahre vorbereiten. Sie beschreibt Ziele, Methoden sowie notwendige und mögliche Maßnahmen für eine ganzheitliche Stadtentwicklung und bündelt zentrale Fragen in fünf Handlungsfeldern: Stadtwirtschaft, Stadtwachstum, Stadtleben, Stadtnetzwerk und Stadtzukunft.
Zu den Themenschwerpunkten wurden verschiedene Szenarien öffentlich diskutiert, weitere Diskussionen sind vorgesehen. Die Beteiligung soll unterschiedliche Sichtweisen berücksichtigen. Für jedes Handlungsfeld gibt es eine Zusammenfassung wichtiger Aufgaben für die kommenden Jahre; diese To-do-Liste soll schrittweise umgesetzt und laufend ergänzt werden.
Auslöser für die Strategie ist unter anderem das Bevölkerungswachstum. In den vergangenen sechs Jahren zogen nach Angaben der Stadt ungefähr so viele Menschen nach Linz, wie Grieskirchen Einwohnerinnen und Einwohner hat. Die Corona-Pandemie unterbrach den Wachstumstrend vorübergehend, für die kommenden Jahre und Jahrzehnte wird aber weiteres Wachstum erwartet. Prognosen rechnen mit bis zu 230.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in zehn Jahren.
Damit stellen sich Fragen zu Verkehr, Digitalisierung und Homeoffice, zu alternativen Mobilitätsformen und zur möglichen CO₂-Neutralität der Stadt. Die Stadtstrategie soll Entscheidungen für beteiligte Akteurinnen und Akteure berechenbarer und nachvollziehbarer machen. Einzelmaßnahmen sollen in einen übergeordneten stadtentwicklerischen Zusammenhang eingeordnet werden – also auch ein Stadtplatz in Kleinmünchen.
Von der Strategie in die Planung
Der Gemeinderat genehmigte am 22. Juni 2020 die Durchführung eines Stadtentwicklungs-Strategieprozesses. Am 25. August 2020 beschloss der Stadtsenat die Beauftragung einzelner Expertinnen und Experten zur Aufbereitung verschiedener Themenfelder.
Gedacht ist die Strategie als Plan für die gesamtstädtische Entwicklung und als Leitbild für städtebauliche und gesellschaftliche Themen. Sie soll Perspektiven und eine Richtung für künftige Entwicklungen vorgeben, damit die Stadtplanung Einzelentwicklungen besser ausrichten und koordinieren kann.
Verbindlich herangezogen werden soll sie bei Entscheidungen zu Stadtplanungsthemen. Einfließen soll sie unter anderem in das Örtliche Entwicklungskonzept, Flächenwidmungs- und Bebauungspläne, Beiräte, die städtebauliche Kommission, den Gestaltungsbeirat, Planungsvisiten, kooperative Verfahren und die Planungswerkstatt. Für Kleinmünchen heißt das zunächst: prüfen, ausprobieren, nachjustieren. Und vielleicht im Sommer 2027 zwischen Volkshaus und Einkaufszentrum gemeinsam einen Film anschauen.
