Rund um Linz liegt viel mehr als Stadtrand und Industrie: In Linz-Stadt und Linz-Land bewirtschaften 889 landwirtschaftliche Betriebe insgesamt 27.350 Hektar Ackerland. Rechnerisch könnten sie mit ihrer Produktion 566.000 Menschen mit Brotgetreide, 954.000 mit Sojabohnen und 863.000 mit Zucker versorgen.

Für Johannes Gruber, Obmann der Bezirksbauernkammer, zeigen diese Zahlen, welche Bedeutung die Region für die Lebensmittelversorgung hat. Internationale Krisen, geopolitische Spannungen und unsichere Lieferketten hätten das in den vergangenen Jahren deutlich gemacht. Gleichzeitig hat die Natur den Ackerbau 2026 ordentlich gefordert: Linz war eine der trockensten Regionen Österreichs. Mais und Sojabohnen litten besonders, der Ertrag ging im Bezirk laut Gruber um rund 50 Prozent zurück – und lag damit sogar unter dem oberösterreichischen Durchschnitt.

Trockenheit trifft Mais, Soja und Grünland

Die Entwicklung passt zu den österreichweiten Warnungen. Sollte sich die Wetterlage nicht nachhaltig verbessern, könnte 2026 das trockenste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Erste Schätzungen gehen bei Getreide von durchschnittlich rund 20 Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr aus. Auf zahlreichen Futterflächen im Grünland drohen Ausfälle von bis zu 50 Prozent. Auch bei Erdäpfeln, Zuckerrüben und Kürbis werden erhebliche Ernteeinbußen erwartet.

In einzelnen Regionen kam es bereits zu vorgezogenen Almabtrieben, Futter- und Wassermangel sowie ersten Notverkäufen und Schlachtungen von Rindern. Das klingt weit weg, ist es aber nicht: Wenn das Futter knapp wird, wird jede trockene Woche am Hof spürbar.

Neben dem Ackerland gibt es in der Region 1.100 Hektar Grünland, 165 Hektar Obstbau und 41 Hektar Weinbau. Landwirtschaftskammer-OÖ-Präsident Franz Waldenberger verweist deshalb nicht nur auf die Versorgungssicherheit, sondern auch auf Boden- und Gewässerschutz.

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Unterstützung kommt von der Boden.Wasser.Schutz.Beratung der Landwirtschaftskammer OÖ. Sie begleitet Landwirte fachlich, bietet Weiterbildung und praxisnahe Beratung – mit dem Ziel, natürliche Ressourcen zu schützen und die Produktivität zu sichern. Ein Beispiel ist der Betrieb der Familie Gölzner in Enns. Johannes Gölzner leitet den Arbeitskreis Boden.Wasser.Schutz Enns und setzt Maßnahmen um, damit die Böden auch bei Wetterextremen produktiv bleiben. Begrünungsflächen helfen dabei: Sie halten den Boden ganzjährig bedeckt und binden Nährstoffe, die sonst ausgewaschen werden könnten.

Saatgut aus dem Bezirk und kurze Wege zum Einkauf

Oberösterreich zählt mit rund einem Fünftel der österreichischen Saatgutvermehrungsflächen zu den führenden Saatgutregionen. 2025 wurden im Bundesland rund 7.552 Hektar Saatgut vermehrt, die Anerkennungsrate lag bei 96,8 Prozent. Etwa ein Drittel dieser Flächen liegt im Bezirk Linz. Damit spielt die Region eine wichtige Rolle, wenn österreichische Landwirte hochwertiges und qualitätsgesichertes Saatgut brauchen.

Auch beim Einkauf lässt sich die Landwirtschaft vor der Haustür finden. Im Bezirk Linz bieten 149 Betriebe ihre Produkte direkt ab Hof oder über kurze Vermarktungswege an, 35 davon tragen das Qualitätszeichen „Gutes vom Bauernhof“. Auf den Tischen landen unter anderem Obst und Gemüse, Fisch, Most- und Fruchtveredelungen sowie Spezialprodukte. Für die Betriebe bedeutet Direktvermarktung zusätzliche Einkommensmöglichkeiten und mehr regionale Wertschöpfung; für Konsumentinnen und Konsumenten entsteht der direkte Kontakt zu den Produzenten – manchmal inklusive kurzer Erklärung, warum die Erdäpfel heuer kleiner ausfallen.

Das österreichische Risikoversicherungssystem bildet angesichts der Dürre die erste Unterstützungssäule. Bund und Länder übernehmen gemeinsam 55 Prozent der Versicherungsprämien. 2025 wurden dafür rund 160 Millionen Euro aufgewendet, in den kommenden Jahren dürfte dieser Betrag deutlich steigen.

Bundesregierung und Bundesländer arbeiten an einem zusätzlichen Maßnahmenpaket für betroffene Betriebe. Eine interministerielle Arbeitsgruppe im Bundeskanzleramt bewertet die Lage, im Landwirtschaftsministerium gibt es täglich Lagebesprechungen. Die Ergebnisse gehen an das Krisensicherheitsbüro im Bundeskanzleramt und an die Arbeitsgruppe weiter. Die Österreichische Hagelversicherung will in der kommenden Woche eine erste bezifferte Schadensbilanz vorlegen, die als Grundlage für weitere Unterstützungsmaßnahmen dienen soll.

Erleichterungen beim Agrarumweltprogramm ÖPUL und bei der Ausgleichszulage wurden bereits umgesetzt. Geplant sind vor allem die Sicherung der Liquidität besonders betroffener Höfe, Unterstützung bei schweren Schäden und gegebenenfalls eine Kompensation. Sobald die tatsächlichen Schäden feststehen, sollen besonders betroffene Betriebe rasche Liquiditätshilfen erhalten. Danach wird geprüft, ob weitere Mittel nötig sind – möglicherweise auch aus dem Katastrophenfonds des Finanzministeriums.

Anpassung beginnt am Feld und im Stall

Die Landwirtschaft steht dabei nicht nur vor einem trockenen Jahr. Das Bundesministerium nennt Klimawandel, volatile Preise und die Hofnachfolge als zentrale Herausforderungen. Viele Betriebe reagieren bereits: mit neuen Saatgutmischungen und Arten, neuen Weidesystemen und weiteren betrieblichen Anpassungen. Bildungs- und Beratungsangebote werden laut den vorliegenden Informationen von den meisten Landwirtinnen und Landwirten genutzt.

Auch die Nachfrage verändert sich. Höheres Bewusstsein für regionale Lebensmittel, Digitalisierung, innovative Betriebskonzepte, Diversifizierung und neue Vermarktungswege eröffnen Chancen. In Umfragen unter Bäuerinnen und Bauern – sie sind nicht repräsentativ, sollen aber ein allgemeines Stimmungsbild vermitteln – nannten viele faire Produktpreise als wichtigste Herausforderung. 29 Prozent vermarkten ihre Produkte bereits selbst, nur 2 Prozent lehnen eine Direktvermarktung der eigenen Erzeugnisse vollständig ab.

2024 wurden in Österreich 26 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen biologisch bewirtschaftet. Weitere 21 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ihren konventionellen Betrieb künftig auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Das Regierungsprogramm sieht vor, den Bio-Anteil bis 2027 auf 30 Prozent zu erhöhen.

Beim Generationenwechsel wird es oft knifflig: 88 Prozent der Teilnehmenden sehen sich bei Hofübergabe oder Hofübernahme vor Herausforderungen, etwa wegen Generationskonflikten oder finanzieller Unsicherheiten. Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik wurden deshalb erweiterte Unterstützungsmöglichkeiten für Hofübernehmerinnen und Hofübernehmer geschaffen. 78 Prozent der Befragten mit einer möglichen Hofübernahme hatten bereits einen Betrieb übernommen oder planten dies. 88 Prozent von 417 Teilnehmenden konnten sich vorstellen, einen Bauernhof außerfamiliär zu übergeben oder zu übernehmen. Österreich hat laut dem Artikel die jüngste Landwirtschaft innerhalb der EU.

Gewünscht wird vor allem eine bessere Vernetzung mit anderen Landwirtinnen und Landwirten. Ebenfalls gefragt sind Hilfe bei der Suche nach Vermarktungspartnern und bei der Risikoabsicherung.

Almen, Wälder und das Jahr der Bäuerin

Für die Almwirtschaft sehen 76 Prozent der Befragten eindeutig eine Zukunft, 24 Prozent bleiben skeptisch. Als Belastungen gelten Konflikte mit Erholungssuchenden, der Klimawandel und die zunehmende Wolfspopulation. 2023 wurden 1.128 Nutztierverluste durch Wölfe verzeichnet. 91 Prozent der Teilnehmenden sprachen sich für eine Änderung des Schutzstatus des Wolfs aus. Die EU-Mitgliedstaaten einigten sich im September 2024 auf eine Herabstufung von „streng geschützt“ auf „geschützt“; im Dezember 2024 unterstützten auch die Vertragspartner der Berner Konvention diesen Schritt.

Auch die Wälder geraten durch Klimawandel, Wetterextreme und Schädlinge unter Druck. Vermehrt sollen Baumarten gepflanzt werden, die mit den erwarteten klimatischen Bedingungen zurechtkommen. 53 Prozent der teilnehmenden Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer hatten bereits Maßnahmen für einen klimafitten Wald umgesetzt. Der Waldfonds fördert unter anderem standortangepasste Baumartenzusammensetzungen, unterstützt die Waldbewirtschaftung, die Forst-Holz-Papier-Wertschöpfungskette, den Klimaschutz und die Allgemeinheit.

Die „VISION 2028+“ soll Stabilität, Orientierung und Planungssicherheit für die Landwirtschaft schaffen. Im Ackerbau-Schwerpunkt geht es um betriebliche Entwicklungsmöglichkeiten und Bodengesundheit. Weitere Themen sind die historische Trockenheit, die Gemeinsame Agrarpolitik sowie die Rolle Österreichs, Deutschlands und Italiens.

2026 gilt als „Internationales Jahr der Bäuerin“. Die Leistungen von Frauen in der Land- und Forstwirtschaft sollen sichtbarer werden. Das ist nötig: 84 Prozent der Befragten hatten den Eindruck, dass ihre Arbeit gesellschaftlich nicht ausreichend wertgeschätzt wird. In der „VISION 2028+“ wurde deshalb eine Arbeitsgruppe zur Wahrnehmung und Wertschätzung der Landwirtschaft eingerichtet. Eine Faktencheck-Serie im Rahmen der Initiative „Das isst Österreich“ soll Konsumentinnen und Konsumenten besser informieren.

Für die Höfe selbst bleiben zudem Tierseuchen ein Thema. Zur Vorbeugung gegen die Maul- und Klauenseuche werden erhöhte Biosicherheitsmaßnahmen empfohlen: Personenverkehr am Betrieb soll auf ein Minimum reduziert, betriebsfremde Personen nur in Ausnahmefällen zugelassen und in einem Besuchsprotokoll erfasst werden. Ställe sollen nur mit gereinigter oder desinfizierter Arbeitskleidung betreten werden; eine Desinfektions- und Umziehschleuse am Stallzugang ist sinnvoll.

Tiere sollten ausschließlich aus bekannten Beständen mit gesichertem Gesundheitsstatus zugekauft und mindestens vier bis sechs Wochen unter strenger Quarantäne gehalten werden. Kleidung, Stiefel und Gegenstände für Quarantänetiere sind strikt vom regulären Bestand zu trennen. Von Jagden in Ungarn und der Slowakei wird abgeraten.

Verboten ist die Einfuhr von Wirtschaftsdünger, frischem Fleisch, Rohmilch, Wildbret und Jagdtrophäen aus Sperrzonen in Ungarn und der Slowakei. Pflanzliche Einzelfuttermittel und Stroh dürfen nicht eingeführt werden, wenn sie von Pflanzen stammen, die seit dem 1. März 2025 in den dortigen Sperrzonen geerntet wurden. Bei einem MKS-Verdacht muss unverzüglich die Amtstierärztin oder der Amtstierarzt verständigt werden. Die Landwirtschaftskammer stellt dazu Broschüren, Risiko-Checklisten, Besuchsprotokollvorlagen, Warnschilder und Informationsplakate zur Biosicherheit bereit.

Und wenn trotz aller Vorsicht Lebensmittel übrig bleiben, setzt das Projekt „Kostbar Markt“ dort an: Es soll Lebensmittelüberschüsse sozialen Einrichtungen zuführen. Laufende Informationen für land- und forstwirtschaftliche Betriebe bietet das Bundesministerium außerdem zu Themen wie Unterstützung für Winzerinnen und Winzer, Einkommensentwicklung 2025 nach Betriebszweigen, Zukunftsperspektiven, Almwirtschaft, Ackerbau, Waldfonds und „VISION 2028+“ an.