Im Linzer Mariendom haben heute, am 26. Oktober 2026, mehr als 50 Paare aus allen Regionen Oberösterreichs ihr Eheversprechen erneuert. Die Katholische Kirche in Oberösterreich lud zu einem Festgottesdienst für Menschen mit rundem Ehejubiläum oder einem anderen Anlass zum Feiern. Im Mittelpunkt stand das Thema „Einander anvertraut“.

Bischof Manfred Scheuer, Pastoralvorständin Monika Weilguni und Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger Josef Lugmayr segneten die Paare einzeln. In der ergänzenden Ankündigung zum Gottesdienst wurde als Leitgedanke auch „Gemeinsam (ge)wachsen“ genannt; vorbereitet und organisiert wurde die Feier von der Fachstelle Beziehungs-, Ehe- und Familienpastoral beziehungsweise „Beziehungleben.at“ der Diözese Linz.

Liebe bleibt ein Geheimnis

In seiner Predigt stellte Scheuer die Liebe als Geschenk und Geheimnis in den Mittelpunkt. Sie lasse sich trotz aller Bemühungen und guter Vorsätze nicht vollständig herstellen oder garantieren. Partnerinnen und Partner könnten aber Bedingungen schaffen, unter denen Liebe, Zuneigung und Zärtlichkeit wachsen.

Ein einfaches, allgemeingültiges Rezept für eine glückliche Ehe gebe es nicht, betonte der Bischof. Beziehungen seien von unterschiedlichen Lebensgeschichten, Prägungen und Umständen bestimmt. Das Eheversprechen vor Gott stehe zugleich für Hoffnung und Vertrauen: dafür, dass Liebe wachsen und getragen werden könne. Scheuer sprach von einer „zutiefst hoffende Liebe“ und sagte, die letzte Lebensfülle komme von Gott.

In einem weiteren Bild verglich er die Ehe mit einer Bergsteiger-Seilschaft. Ein Seil binde den Einzelnen, ermögliche aber auch, Steilwände sicher zu überwinden und Höhe zu gewinnen. Es vermittle Freiheit und Sicherheit – und gewähre beides zugleich dem jeweils anderen. Auch Liebe bedeute Bindung: Man gebe einen Teil seiner Unabhängigkeit auf und stelle sich auf die Bedürfnisse und den Rhythmus des Gegenübers ein. Dafür entstünden Geborgenheit, Vertrauen und ein Sinn des Lebens.

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„Höhe gewinnen“ lasse sich vielleicht gerade durch eine solche Verbindung, fragte Scheuer. Bindungen könnten freisetzen; wer sich nicht auf sie einlasse, werde diese Freiheit nicht erfahren. Bedingungslose gegenseitige Einlassung sei kein Zwang und kein Korsett, sondern ein „Wertezuwachs“.

Drei Haltungen hoffender Liebe, die der Ehe- und Familienberater Markus Wonka beschrieben hat, hob der Bischof hervor: ernsthafte Gelassenheit gegenüber Veränderungen und Herausforderungen, die Annahme des Unperfekten ohne Resignation sowie die Bereitschaft zu Abschied, Veränderung, Loslassen und Wandlung.

50, 60 und 65 Jahre miteinander

Eine Teilnehmerin aus dem Mühlviertel feierte mit ihrem Mann das 50-jährige Ehejubiläum. Beide beschrieben die Feier als bewegend und erhebend. Der Engerwitzdorfer Bürgermeister Christoph Meisinger kam mit seinen Eltern, die seit 65 Jahren verheiratet sind, und vier weiteren Paaren aus seiner Gemeinde. Georg Windtner beging gemeinsam mit seiner Frau Christl das 60-jährige Ehejubiläum.

Während des Gottesdienstes erneuerten die Paare ihr Eheversprechen, erhielten persönliche Segnungen und Impulse für ihre Beziehung. Für Lugmayr war es zugleich der letzte Gottesdienst in seiner Funktion als Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger: Er steht vor der Pensionierung.

„Die Familienpastoral begleitet Menschen in ihren Beziehungen“, erklärte Lugmayr. Der Segen sei bei der Eheschließung ebenso wichtig wie bei besonderen Beziehungsjubiläen. Der Dienst an gelingenden Beziehungen sei für ihn eine erfüllende und sinnvolle Tätigkeit gewesen.

Nach der Feier lud die Diözese zu einer speziellen Führung durch den Mariendom ein. Viele Paare nahmen daran teil und blieben noch im Dom – ein ruhiger Nachklang nach dem Gottesdienst, mit viel Gespräch und vermutlich auch der einen oder anderen Erinnerung an längst vergangene Hochzeitstage.

Abschied nach fast 40 Jahren

Josef Lugmayr scheidet nach knapp 40 Jahren Tätigkeit in der Diözese Linz in den Ruhestand. Ab 1987 war er Pastoralassistent in St. Georgen an der Gusen, ab 1998 Diözesansekretär und Abteilungsleiter der Katholischen Männerbewegung. 2012 übernahm er die Funktion des Abteilungsleiters bei BEZIEHUNGLEBEN.AT, seit 2023 leitete er das Team Männer, Generationen und Familie. Seit 2020 war er sechs Jahre lang diözesaner Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger.

Bischof Scheuer würdigte Lugmayr als zugewandten, besonnenen und reflektierten Theologen mit einem wachen Blick für die Anliegen und Nöte der Menschen.

Begleitung vor und nach der Hochzeit

Die kirchlichen Angebote enden nicht mit dem Festtag. Die Fachstelle bietet Partnerkurse für Brautpaare, Ehevorbereitungskurse, Bildungsangebote für Paare in verschiedenen Beziehungsphasen, Angebote für Eltern und Familien, Segensfeiern zum Valentinstag sowie Gottesdienste für Jubelpaare an.

Für Paare, Familien und Einzelpersonen gibt es in Oberösterreich außerdem 26 Familienberatungsstellen. Dort wird auch Paar- und Familienberatung angeboten. Die kirchlichen Angebote begleiten Menschen somit bei Feiern ebenso wie in Beziehungskrisen – manchmal lange vor dem Ja-Wort, manchmal nach vielen gemeinsamen Jahrzehnten.