In Tweng im Salzburger Lungau klingeln derzeit die digitalen Glückwünsche: Die rund 280 Einwohner zählende Gemeinde führt erstmals das Bonitätsranking des Zentrums für Verwaltungsforschung (KDZ) an. Mit einem Bonitätswert von 1,02 springt Tweng gegenüber dem Vorjahr von Platz 42 auf Rang 1.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen Parbasdorf in Niederösterreich und Niederndorf in Tirol. Elixhausen, in den vergangenen zwei Jahren noch Spitzenreiter, fällt auf Platz 29 zurück. Das Ranking zeigt aber auch die andere Seite: Die finanziellen Spielräume vieler österreichischer Gemeinden werden kleiner.

Salzburg stark vertreten

Für einen Platz unter den besten 250 Gemeinden war 2024 noch ein Bonitätswert von 1,89 nötig, im Vorjahr 2,00. Im diesjährigen Ranking liegt die Grenze bereits bei 2,29. Je niedriger der Wert, desto besser wird die finanzielle Leistungsfähigkeit eingeschätzt.

Das jährlich veröffentlichte Ranking berücksichtigt den laufenden Haushalt, Investitionen, Zuschüsse und die Verschuldung. Entscheidend ist letztlich, wie viel Geld nach der Finanzierung des laufenden Betriebs für Investitionen übrig bleibt. Inflation, steigende Transferzahlungen an die Länder und zusätzliche kommunale Aufgaben setzen den Gemeinden dabei zu.

Die 250 bestplatzierten Gemeinden verteilen sich auf Niederösterreich mit 86, Tirol mit 40, Salzburg mit 39, Oberösterreich mit 34, die Steiermark und das Burgenland mit jeweils 18, Kärnten mit acht sowie Vorarlberg mit sieben Gemeinden. Gemessen am Anteil der Gemeinden des jeweiligen Bundeslandes liegt Salzburg vorn. 14 Salzburger Gemeinden zählen zu den besten 50 Österreichs – ebenso viele wie aus dem deutlich größeren Niederösterreich.

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Als Gründe nennt das KDZ für Salzburg hohe Einnahmen aus eigenen Steuern und Ertragsanteilen, eine vergleichsweise geringere Zunahme der Transferbelastung und das Bevölkerungswachstum. Hinter den Tabellenzahlen steckt also einiges an Bewegung: Filzmoos verbesserte sich von Platz 194 auf 41, Reichersberg in Oberösterreich kletterte um 141 Plätze auf Rang 15, Untertauern in Salzburg sogar um 134 Plätze auf Rang 4.

In die andere Richtung ging es für Ramsau am Dachstein: Die steirische Gemeinde fiel von Platz 34 auf 212. Langschlag rutschte um 151 Plätze auf Rang 231 ab, Maishofen um 144 Plätze. Doch Vorsicht bei schnellen Schlüssen: Eine Veränderung der Platzierung allein zeigt nicht, wie sich die tatsächliche Finanzsituation entwickelt hat. Dafür müssen auch die Bonitätswerte selbst betrachtet werden.

Ein Ranking mit 14 Jahren Geschichte

Das KDZ erstellt die Rangliste seit 14 Jahren in Kooperation mit dem Gemeindemagazin „Public“. Grundlage ist der KDZ-Quicktest mit Kennzahlen für den Zeitraum 2021 bis 2023. Erfasst werden die öffentliche Sparquote, die freie Finanzspitze, die Eigenfinanzierungsquote, die Verschuldungsdauer und die Schuldendienstquote.

Eine neue Podcastfolge von „KDZ im Dialog“ widmet sich dem Bonitätsranking der 250 besten österreichischen Gemeinden 2025. Gesprächspartner sind Siegfried Fritz und KDZ-Geschäftsführer Peter Biwald. Besprochen werden die bestplatzierten Gemeinden, die Hintergründe des Rankings, der Vergleich der Bundesländer und der Einfluss von Umlagen – etwa im Gesundheitsbereich.

Kontakt zum KDZ: Siegfried Fritz, fritz@kdz.or.at, +43 676 849 579 17.

Weniger Luft für Investitionen

Der Gemeindefinanzbericht 2026 des KDZ im Auftrag des Österreichischen Städtebundes untersucht die Gemeindefinanzen Österreichs von 2015 bis 2024. Das Bild, das sich für 2024 ergibt, ist rauer geworden: Die finanzielle Lage der Städte und Gemeinden hat sich weiter verschlechtert, der operative Überschuss sank auf einen historischen Tiefstand.

Die öffentliche Sparquote lag in den Vorkrisenjahren konstant bei etwa zwölf Prozent. 2024 waren es nur noch 6,1 Prozent – weniger als im Pandemiejahr 2020 mit 8,1 Prozent. Damit stehen weniger Mittel für Investitionen und Schuldentilgung zur Verfügung. Gleichzeitig stiegen zwischen 2020 und 2024 die Ertragsanteile um 34 Prozent, eigene Abgaben und Gebühren um 27 Prozent, die Personalausgaben um 36 Prozent, die Transferausgaben um 35 Prozent und die Sachausgaben um 29 Prozent.

Sparmaßnahmen und Zahlungen an die Länder konnten die Verschlechterung nur teilweise abfedern. Die Verschuldung steigt, während mehr Gemeinden ihre laufenden Ausgaben nicht mehr vollständig selbst finanzieren können. 2025 reduzierten Städte und Gemeinden ohne Wien ihr öffentliches Defizit gegenüber 2024 zwar um 24 Prozent. Offen ist aber, ob das vor allem durch Einsparungen im laufenden Betrieb oder durch weniger Investitionen erreicht wurde.

Fusionen, Leistungen und Reformdruck

Ein Schwerpunktkapitel des Berichts analysiert Gemeindefusionen in der Steiermark. Fusionierte Gemeinden konnten Effizienzpotenziale nutzen; ihre Kostenentwicklung, besonders bei den Sachausgaben, war günstiger als jene vergleichbarer Nicht-Fusionsgemeinden. Das Fördersystem des Landes Steiermark wurde laut Bericht allerdings nicht ausreichend an die veränderten Gemeindestrukturen angepasst.

Für eine dauerhafte Wirkung von Fusionen brauche es daher Anpassungen des Transfersystems und bessere Anreize für Fusionen. Weitere Untersuchungen seien nötig – zur Treffsicherheit der Zusammenschlüsse ebenso wie zu Veränderungen beim Leistungsangebot.

Trotz des finanziellen Drucks halten Städte und Gemeinden zentrale Leistungen aufrecht: Kinderbetreuung, Pflichtschulen, Ver- und Entsorgung sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Erste Einschnitte gibt es dennoch. Eislaufplätze und Freibäder werden geschlossen, Öffnungszeiten verkürzt, Gemeindewohnungen verkauft. Das trifft den Alltag direkt, nicht nur irgendeine Tabelle in einem Bericht.

Eine Stabilisierung könne nicht allein durch kommunale Einsparungen erreicht werden, heißt es im Bericht. Nötig seien zusätzlich strukturelle Verbesserungen der Rahmenbedingungen, deren Wirkung erst mittelfristig eintrete. Kurzfristig werden Unterstützungen des Bundes genannt, damit kommunale Leistungen nicht weiter abgebaut werden müssen.

Als mittelfristige Reformansätze gelten eine Reform der Grundsteuer, die Weiterentwicklung der Transfersysteme zwischen Ländern und Gemeinden, geeignete Rahmenbedingungen für Kooperationen und freiwillige Fusionen sowie eine Verbesserung der vertikalen Verteilung im Finanzausgleich zugunsten von Städten und Gemeinden. Der Österreichische Städtebund fordert rasch wirksame Reformen und langfristig tragfähige Rahmenbedingungen.