In Linz bekommt eine kommunale KI-Lösung derzeit ordentlich Rückenwind: Die IKT Linz GmbH wurde mit „Transkripo“ innerhalb von zwei Wochen gleich zweimal österreichweit ausgezeichnet. Ende September erhielt die Software die „Confare LivinIT Trophy“ in der Kategorie „Beste praxisnahe KI-Lösung“. Am 12. Oktober 2026 folgte der zweite Platz beim „AI Excellence Award Austria“.

Entwickelt wurde Transkripo ursprünglich für die Wortprotokolle des Linzer Gemeinderats. Der Anlass war denkbar praktisch: Für Stenografie und Nachbearbeitung einer Sitzung waren früher rund 200 Arbeitsstunden nötig. Gemeinderatssitzungen dauern häufig mehrere Stunden, der Budgetgemeinderat 2025 etwa rund neun Stunden. Aufzeichnungen mussten wiederholt angehört, zurückgespult, Sprecherinnen und Sprecher zugeordnet und Inhalte händisch verschriftlicht werden.

Vom Mitschreiben zur Qualitätskontrolle

Transkripo wandelt Audio- und Videoaufnahmen automatisch in Text um und verarbeitet auch mehrstündige Sitzungen innerhalb kurzer Zeit. Die Mitarbeitenden arbeiten danach im Smart Editor weiter: Sie können das Transkript direkt mit der Audio- oder Videoaufnahme vergleichen, wobei das jeweils gesprochene Wort automatisch hervorgehoben wird. Eine Suchfunktion führt rasch zu bestimmten Textstellen und zur passenden Position in der Aufnahme.

Sprecherwechsel werden erkannt, Sprecherinnen und Sprecher können nachträglich korrigiert oder ergänzt werden. Unklare Zwischenrufe und mehrere gleichzeitig sprechende Personen bleiben allerdings eine Herausforderung. Österreichische Dialekte erkennt das System zuverlässig; eine geordnete Gesprächsführung verbessert die Qualität zusätzlich. Am Ende stehen Kontrolle, Korrekturen und Qualitätssicherung durch Menschen. Das vollständige Abtippen entfällt.

Laut IKT Linz sinkt der gesamte Aufwand einschließlich Endredaktion von rund 200 Arbeitsstunden auf wenige Stunden. Transkripo soll dabei keine Beschäftigten ersetzen. Die Tätigkeit verschiebt sich vom monotonen Abtippen und wiederholten Anhören hin zur inhaltlichen Kontrolle. Erfahrung, Sprachverständnis und Fachwissen werden dadurch eher wichtiger als unwichtiger.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Eigene Rechenzentren statt fremder Cloud

Die IKT Linz betreibt die KI selbst in ihren eigenen Rechenzentren. Zum Einsatz kommen Eigenentwicklungen und Open-Source-Technologien. Speicherort und Verarbeitung der Daten bleiben damit unter eigener Kontrolle – ein wesentlicher Punkt bei Datenschutz und Informationssicherheit. Neben öffentlichen Gemeinderatssitzungen kann Transkripo daher auch vertrauliche Inhalte, etwa aus Aufsichtsratssitzungen, verarbeiten. Abhängigkeiten von Cloud-Anbietern, deren Preisen und technischen Vorgaben will man vermeiden.

IKT-Geschäftsführer Markus Hein treibt die digitale Weiterentwicklung der öffentlichen Verwaltung voran; gemeinsam mit Geschäftsführer Michael Lettner erklärte er, Transkripo bilde den gesamten Weg von der Aufnahme bis zum fertigen Protokoll ab. Wirtschafts- und Finanzstadtrat sowie IKT-Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Gegenhuber gratulierte dem Unternehmen. Aus einer konkreten Herausforderung der Stadtverwaltung sei ein Produkt entstanden, das inzwischen auch außerhalb von Linz angeboten werde, sagte Gegenhuber.

Seit Juli 2026 bietet die IKT Linz ihre Produkte und Dienstleistungen auch außerhalb der Unternehmensgruppe Stadt Linz an. Zielgruppen sind Behörden, öffentliche Einrichtungen und weitere Organisationen, die Gespräche, Sitzungen oder Anhörungen dokumentieren müssen. Die Idee entstand aus dem eigenen Bedarf: Städte, Gemeinden und andere öffentliche Organisationen kämpfen ebenfalls mit langen Sitzungen, hohem Dokumentationsaufwand, begrenzten Personalressourcen sowie hohen Anforderungen an Datenschutz und Informationssicherheit.

Junge Entwickler, größere Pläne

Der Smart Editor entstand auch als Beispiel für die Nachwuchsförderung der IKT Linz. Junge IT-Mitarbeitende sollen an realen Projekten und konkreten Herausforderungen arbeiten, begleitet von erfahrenen Entwicklerinnen und Entwicklern. Neugier, Experimentierfreude und ein selbstverständlicher Zugang zu neuen Technologien bringen sie laut IKT Linz oft mit. Vertrauen, professionelle Rahmenbedingungen und Unterstützung helfen, daraus produktive Arbeit zu machen – besonders dann, wenn das Ergebnis tatsächlich eingesetzt wird.

Transkripo soll künftig über Gemeinderatssitzungen hinaus zum Einsatz kommen: bei Besprechungen, Interviews, weiteren Sitzungen und sonstigen Audio- und Videoaufzeichnungen. Auch Untertitelung und Barrierefreiheit sind mögliche Anwendungsfelder. Eine Verbindung mit dem KI-Projekt LinzGPT ist geplant. Transkripo liefert gesprochene Sprache als strukturierten Text; LinzGPT könnte diesen anschließend zusammenfassen, gezielt auswerten oder in unterschiedliche Protokollformen bringen. Vom gesprochenen Wort bis zum aufbereiteten Ergebnis wäre es dann nur noch eine durchgängige Prozesskette.

Die Auszeichnungen lenken dabei auch den Blick auf die Menschen hinter der Lösung. Die Confare LivinIT Trophy gilt dem Transkripo-Team als Anerkennung der Entwicklungsarbeit, die beteiligten Mitarbeitenden sollen sichtbarer werden. Die IKT Linz will zeigen, dass moderne KI-Produkte auch von kommunalen IT-Unternehmen mit eigener Infrastruktur, Open-Source-Technologien und engagierten Teams entwickelt werden können. Für die nächste Verleihung beziehungsweise den Confare CIOSUMMIT Salzburg ist der 22. September 2027 angekündigt.