In den letzten Jahren hat sich die duale Ausbildung in Österreich stark weiterentwickelt. Es ist an der Zeit, dass auch die Sprache, die wir verwenden, um diese Ausbildungsform zu beschreiben, modernisiert wird. Die Wirtschaftskammer Tirol hat dies erkannt und eine Initiative zur Anpassung der Begrifflichkeiten in der dualen Ausbildung ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist es, die Sprache an die heutige Ausbildungsrealität anzupassen und das Image der Fachberufslehre zu stärken. Unterstützt wird dieses Vorhaben von der Arbeiterkammer Tirol, was zeigt, dass es sich um ein gemeinsames Anliegen handelt.
Worte wie „Lehrling“, „Lehrbetrieb“ und „Lehrzeit“ gelten mittlerweile als überholt. Sie spiegeln nicht mehr die Realität wider, die von Digitalisierung, neuen Technologien und modernen Berufsbildern geprägt ist. David Narr, Fachkräftekoordinator der Wirtschaftskammer Tirol, betont die Bedeutung einer modernen Sprache für die Ausbildung. „Wir müssen die Bezeichnungen anpassen, um den Stellenwert der Berufsausbildung zu verdeutlichen“, sagt AK-Präsident Erwin Zangerl. Diese Änderung ist nicht nur kosmetisch; sie soll auch junge Menschen ansprechen und ihnen zeigen, dass eine Ausbildung heutzutage attraktive Karriereperspektiven bietet.
Neue Begriffe für eine neue Zeit
Die vorgeschlagenen neuen Begriffe sind vielversprechend: „Fachberufslehre“ anstelle von „Lehre“, „Ausbildungsbetrieb“ statt „Lehrbetrieb“, und „Fachberufsprüfung“ anstelle von „Lehrabschlussprüfung“. Auch „Ausbildungszeit“ und „Fachberufsdiplom“ sind Teil des neuen Ansatzes. Eine bereits durchgeführte Anpassung ist die Umstellung von „Lehrlingsentschädigung“ auf „Lehrlingseinkommen“. Diese Schritte sind Teil eines umfassenderen Plans, um das Image der dualen Ausbildung zu stärken und professionelle Bezeichnungen für professionelle Leistungen zu schaffen.
Die Initiative hat das Ziel, gemeinsam mit Sozialpartnern und dem Gesetzgeber zu prüfen, wie diese neuen Begriffe in den offiziellen Sprachgebrauch übernommen werden können. Die duale Ausbildung ist durch ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ein wertvolles Gut für die Gesellschaft. Schließlich haben wir die Verantwortung, die nächste Generation optimal auf die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt vorzubereiten.
Ein Blick über die Grenzen hinaus
Ein weiterer Aspekt, der in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Entwicklung der dualen Ausbildung in Deutschland. Ab August 2021 wurden dort vier modernisierte Standardberufsbildpositionen in allen neu geregelten Ausbildungsberufen verpflichtend aufgenommen. Diese umfassen Themen wie die digitalisierte Arbeitswelt, Umweltschutz, Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sowie die Organisation des Ausbildungsbetriebs. Diese neuen Standards sind entscheidend, um sicherzustellen, dass Auszubildende berufsübergreifende Kompetenzen erwerben, die für die moderne Arbeitswelt unerlässlich sind.
Die neuen Inhalte, die auch kommunikative und soziale Kompetenzen sowie den bewussten Umgang mit digitalen Medien und Daten umfassen, werden während der gesamten Ausbildungszeit vermittelt. Dies ist besonders wichtig, da die Anforderungen in der Wirtschaft ständig steigen und sich die Berufsbilder weiterentwickeln. Die Modernisierung der Standards wurde von einer Arbeitsgruppe des BIBB-Hauptausschusses durchgeführt, die Vertreter von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen sowie des Bundes und der Länder umfasst.
Insgesamt zeigt sich, dass die duale Ausbildung, sowohl in Österreich als auch in Deutschland, auf einem guten Weg ist. Mit der Anpassung der Begrifflichkeiten und der Einführung neuer Standards wird ein wichtiger Schritt in die Zukunft gemacht. Es bleibt abzuwarten, wie schnell und umfassend diese Veränderungen in der Praxis umgesetzt werden können, aber die Richtung stimmt.