Longevity-Test aus Bruckneudorf: Was ein Blutcheck für 149 Euro tatsächlich zeigt
Wer gesund ist, will meistens nicht erst dann vom eigenen Körper hören, wenn er laut auf sich aufmerksam macht. Genau hier setzt Preventomed an, ein Angebot der österreichischen Marke „Ihr Labor“. Seit 1. Oktober wird präventive Labordiagnostik angeboten, unter anderem im Laboratorium Bruckneudorf. Der Longevity-Test richtet sich an gesunde Menschen ab 18 Jahren und soll mögliche Gesundheitsrisiken sichtbar machen, bevor Beschwerden auftreten.
149 Euro kostet die private Untersuchung derzeit. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist nicht vorgesehen. Die Ergebnisse sollen laut Anbieter nach zwei bis drei Arbeitstagen vorliegen. Anders als eine Smartwatch, die Schritte, Schlaf oder Kalorienverbrauch zählt, schaut der Test ins Blut – und zwar in sieben Bereichen: Herz, Gefäße, Entzündungen, Stoffwechsel, Leber, Niere und oxidatives Gleichgewicht.
Was im Blut gesucht wird
Zum Laborprofil gehören unter anderem das hochsensitive C-reaktive Protein, kurz hsCRP, verschiedene Apolipoproteine und weitere Blutmarker. Die Werte können Hinweise auf Entzündungsprozesse, Fettstoffwechselstörungen und andere Risikofaktoren liefern. Das ist allerdings keine Glaskugel: Der Test bestimmt weder das biologische Alter noch kann er vorhersagen, wie lange jemand gesund leben wird.
Er zeigt mögliche Belastungen in bestimmten Gesundheitsbereichen und damit Ansatzpunkte für Veränderungen des Lebensstils. Die Befunde werden ärztlich interpretiert. Zusätzlich erhalten die getesteten Personen Empfehlungen einer Diätologin zu Ernährung und Bewegung – also nicht bloß eine Zahlenkolonne, die danach irgendwo in einer E-Mail herumliegt.
Zur Einordnung: In der Biomarker-Diagnostik werden häufig ApoB, Lipoprotein(a), hs-CRP, HbA1c und Marker für eine Insulinresistenz genannt. ApoB beschreibt die Anzahl jener Partikel, die Cholesterin in die Gefäßwand transportieren, und gilt als aussagekräftiger als LDL allein. Lipoprotein(a) ist weitgehend genetisch bestimmt; meist reicht eine einmalige Messung. HbA1c steht für den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen etwa drei Monate.
Nüchterninsulin und HOMA-Index können auf eine beginnende Insulinresistenz hinweisen – oft Jahre, bevor der Nüchternblutzucker erhöht ist. Triglyceride hängen eng mit Stoffwechsel und Ernährung zusammen. eGFR beziehungsweise Cystatin C geben Hinweise auf die Nierenfilterleistung, Ferritin auf die Eisenspeicher. Auch zu niedrige Werte können relevant sein, ebenso zu hohe. Ergänzend werden 25-OH-Vitamin D für den Versorgungsstatus und TSH, das Steuerhormon der Schilddrüse, häufig bestimmt.
Viele Werte sind nicht automatisch besser
Welcher Check sinnvoll ist, hängt von Alter, Vorgeschichte und familiärem Risiko ab und sollte ärztlich entschieden werden. Eine größere Zahl an Markern bringt nicht automatisch mehr Erkenntnis. Seriöse Anbieter erklären, warum bestimmte Werte ausgewählt werden, arbeiten mit akkreditierten Laboren und besprechen die Ergebnisse persönlich. Von Paketen mit mehreren hundert Werten ohne ärztliche Einordnung wird abgeraten.
Auch der Zeitpunkt zählt: Aussagekräftiger als ein einzelner Messwert ist häufig die Entwicklung über mehrere Jahre. Oft wird deshalb eine jährliche Kontrolle empfohlen. Bei Lipoprotein(a) ist das wegen der weitgehend genetischen Festlegung meist nicht nötig.
Die Preise am Markt gehen deutlich auseinander. Ein Selbstzahler-Blutbild mit Vitaminstatus kostet meist 80 bis 200 Euro, ein erweiterter Laborcheck mit mindestens 50 Markern 300 bis 800 Euro. Pakete mit epigenetischer Altersmessung liegen bei 1.500 bis 2.500 Euro. Im genannten Verzeichnis sind aktuell acht Anbieter aufgeführt: epiAge Deutschland und YEARS – Präventivmedizin in Berlin, Professional Longevity in Blankenhain, die Laborarztpraxis Rhein-Main MVZ in Frankfurt, CARE × Unilabs in Genf, Labor Dr. Tiran in Graz, die Naturheilpraxis Shahandeh J. Basir in Leverkusen sowie healthlab in Salzburg. Die Reihenfolge innerhalb einer Stadt ist alphabetisch und stellt keine Empfehlung dar.
Bei medizinischer Indikation können einzelne Werte von der Krankenkasse übernommen werden. Präventive Gesamtpakete werden in der Regel nicht bezahlt. Für den Preventomed-Test in Bruckneudorf gilt ausdrücklich: privates Angebot, 149 Euro, keine vorgesehene Kostenübernahme.
Was die Forschung rund um Longevity untersucht
Die Fachliteratur zur Longevity-Medizin ist breit gefächert. Die von Labor Bayer angeführte Seite enthält allerdings ausschließlich ein Literaturverzeichnis mit 25 wissenschaftlichen Publikationen, keinen eigenständigen Nachrichtenartikel und keinen zusammenhängenden Fließtext.
Ein Teil der Arbeiten beschäftigt sich mit proteomischen Alterungsuhren und der Frage, ob sich Sterblichkeit und Krankheitsrisiken in verschiedenen Bevölkerungsgruppen vorhersagen lassen. Andere Publikationen untersuchen Entzündungsmarker im Alter – darunter CRP und Interleukin-6 – im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, kognitivem Abbau, körperlicher Leistungsfähigkeit und Sterblichkeit. Genannt werden dazu Argentieri et al. (2024), Singh & Newman (2011), Tracy et al. (1997), Pradhan et al. (2002), Siemes et al. (2006), Yaffe et al. (2004), Cesari et al. (2004) und Harris et al. (1999).
Weitere Arbeiten widmen sich NAD+-Vorstufen und den therapeutischen Perspektiven von Nicotinamid-Ribosid und Nicotinamid-Mononukleotid – auch mit Blick auf Sicherheit und Wirksamkeit bei älteren Menschen sowie bei Parkinson-Erkrankung. Dazu zählen Iqbal & Nakagawa (2024), Berven et al. (2023) und Igarashi et al. (2022).
Bei Homocystein und B-Vitaminen geht es um Zusammenhänge mit der Alzheimer-Erkrankung und um die Frage, ob eine Senkung des Homocysteins durch B-Vitamine den Verlust von Hirnsubstanz verlangsamen kann. Genannt werden Shen & Ji (2015) sowie Smith et al. (2010). Omega-3-Fettsäuren werden im Hinblick auf Kognition, den Omega-3-Status und die Wirkung von B-Vitaminen untersucht; außerdem gibt es eine systematische Auswertung kombinierter Nahrungsergänzungen bei älteren Erwachsenen (Oulhaj et al. 2016; Fairbairn et al. 2023).
Auch Melatonin taucht in der Literatur auf – mit möglichen anti-aging- und neuroprotektiven Wirkungen, etwa auf Mitochondrien, Herz-Kreislauf-System, Neurodegeneration, Kognition und psychiatrische Erkrankungen. Dazu kommen Untersuchungen zu möglichen Mechanismen zwischen Kohlenhydratzufuhr und Schlaf, zu immunologischen Wirkungen von Vitamin D und zu einer möglichen Schutzfunktion gegen Alterungsprozesse. Eine Studie beschreibt beim Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Spiegeln und kardiovaskulärer Sterblichkeit eine umgekehrt J-förmige Beziehung. Die Literatur dazu: Martín Giménez et al. (2022), Melhuish Beaupre et al. (2021), Benton et al. (2022), Charoenngam & Holick (2020), Durup et al. (2015) und Fantini et al. (2023).
Untersucht werden außerdem das Darmmikrobiom und die Darmbarriere, einschließlich personalisierter Medizin und der klinischen Bedeutung einer durchlässigen Darmbarriere, oft „leaky gut“ genannt (Willmann & Mahler 2023; Camilleri 2019). Weitere Themen sind die Menopause und Behandlungsmöglichkeiten einschließlich menopausaler Hormontherapie (Davis & Baber 2022) sowie Mitochondrien als Ansatzpunkt zur Verringerung von Muskelabbau im Alter, der Sarkopenie (Coen et al. 2019).
Stressprofil ist keine Burnout-Diagnose
Preventomed bietet zusätzlich einen Cortisol-Test an. Dafür wird ein Tagesprofil mit mehreren Messzeitpunkten erstellt, um den Verlauf der Cortisolausschüttung zu beurteilen. Ein auffälliges Profil kann Hinweise auf eine veränderte Stressregulation geben, reicht allein aber nicht für eine Diagnose aus. Eine mögliche Burnout-Symptomatik muss ärztlich abgeklärt werden.
Bei akuten Beschwerden oder bereits bekannten Erkrankungen, die regelmäßig kontrolliert werden, ist der Longevity-Test ohnehin nicht der richtige erste Schritt. Dann wird eine medizinische Abklärung beim Hausarzt oder bei der Fachärztin empfohlen. Das klingt weniger glamourös als ein Laborpaket mit großem Namen, ist im konkreten Fall aber der wichtigere Weg.
