Heute ist der 29.05.2026, und in Hollabrunn brodelt es. Der Gesundheitsplan 2040+ steht im Fokus einer lebhaften Diskussion, die im Rahmen des Formats „Ein Ort am Wort“ in Zellerndorf stattfand. Es geht um viel – um die Zusammenlegung von drei Landeskliniken: Hollabrunn, Stockerau und Korneuburg werden künftig als ein neues Schwerpunktspital in Stockerau geführt. Die Pläne stoßen auf gemischte Reaktionen, insbesondere die angedachte Schließung des Notarztstützpunkts in Retz sorgt für Aufregung. Nur der Stützpunkt in Hollabrunn soll bestehen bleiben, was viele Bewohner im Retzerland beunruhigt. Schließlich könnte im Notfall eine Anfahrt von etwa 45 Minuten nach Stockerau anstehen.
Der ehemalige Bürgermeister Manfred Marihart äußert seinen Frust über die aktuellen Pläne und bezeichnet sie als „medizinischen Kahlschlag“. Diese Worte hallen in der Gemeinde wider. Auch Rudolf Preyer, der sich für den Erhalt des Notarztstützpunkts in Retz stark macht, hebt hervor, wie wichtig die wohnortnahe medizinische Versorgung ist. Die Sorgen der Bevölkerung sind nachvollziehbar; die Ungewissheit über die medizinische Versorgung in Notsituationen spricht für sich.
Ärzte und Experten äußern sich
Die Diskussion wird von verschiedenen Seiten beleuchtet. Internist Martin Nigischer schildert eindringlich seine Erfahrungen als Notarzt und die Herausforderungen, die schlechten Bedingungen bei Anfahrten mit sich bringen. Auch Gunther Leeb, Arzt in Hollabrunn, übt Kritik an der Schließung des NEF-Stützpunkts in Retz und der Entscheidung, das neue Klinikum in Stockerau zu errichten. Die Standortwahl bleibt umstritten. Rainer Ernstberger, der ärztliche Direktor, verteidigt jedoch die Entscheidung und betont, dass ein objektives Verfahren zur Standortwahl durchgeführt wurde. Dennoch bleibt die Frage offen, warum Hollabrunn nicht als Standort in Betracht gezogen wurde.
Michael Prunbauer, Patientenanwalt, verweist auf internationale Studien, die belegen, dass die Behandlungsqualität mit der Fallzahl steigt. In diesem Zusammenhang könnte die Schließung von Stützpunkten und die Zusammenlegung von Kliniken in der Region durchaus negative Auswirkungen haben. Christian Fohringer, Geschäftsführer von Notruf NÖ, versucht, die Gemüter zu beruhigen. Er erklärt, dass sich das Gesundheitswesen zwar verändern wird, die Patienten aber weiterhin Notärzte erhalten werden. Klingt gut, aber die Zweifel bleiben.
Die Sorgen der Bevölkerung
In den Gesprächen wird deutlich, dass die Bevölkerung in Retz und Umgebung um ihre medizinische Versorgung bangt. Die Ängste vor langen Anfahrtswegen und möglicherweise verzögerten Behandlungen sind greifbar. Die Initiative für den Erhalt des Notarztstützpunkts in Retz hat bereits zahlreiche Unterstützer mobilisiert. Die Frage, wie die gesundheitliche Versorgung in Zukunft gestaltet wird, ist für viele von existenzieller Bedeutung.
Die Diskussion um die Schließung des Notarztstützpunkts zeigt, wie wichtig es ist, die Belange der Bevölkerung ernst zu nehmen. Es ist nicht nur eine Frage der medizinischen Infrastruktur, sondern auch der Zugänglichkeit und der Sicherheit für die Menschen vor Ort. Man darf gespannt sein, wie sich die Situation weiterentwickelt und welche Lösungen gefunden werden, um die Sorgen der Bürger zu adressieren.
