Am 30. Mai 2026 war es wieder einmal so weit – der kleine Ort Kirchberg am Wechsel erstrahlte im Glanz einer besonderen Feier. Alois Brunner, ein Mann mit einer bewegten Geschichte, feierte seinen 90. Geburtstag. Gratulanten wie der ÖVP-Vizebürgermeister Hubert Haselbacher und Gemeinderat Peter Leopold ließen sich nicht zweimal bitten und überbrachten ihre besten Wünsche. Sie hatten sogar ein Körbchen voller Delikatessen im Gepäck, um dem Jubilar eine Freude zu bereiten. So ein runder Geburtstag zieht natürlich auch die Aufmerksamkeit der Gemeinde auf sich, und es wurde eine Einladung ausgesprochen, Dankeschöns für die Feierlichkeiten an die Redaktion zu senden. Eine schöne Geste, die den Zusammenhalt in der Gemeinde zeigt.
Doch während in Kirchberg gefeiert wurde, gab es auch andere Themen, die die Region beschäftigten. In Neunkirchen beispielsweise feierten die Krautgartners ihre eiserne Liebe – seit 65 Jahren ein Paar. Eine beeindruckende Zahl, die von Beständigkeit und Zusammenhalt zeugt. Auch die Stadt selbst hat in letzter Zeit einige Veränderungen erlebt. Neue Stolpersteine wurden verlegt, um an die NS-Schicksale zu erinnern, und in Gloggnitz könnte aus einem ehemaligen Kinderhort bald eine Arztpraxis entstehen. Der neue Stadtchef René Blum hat zudem ambitionierte Pläne, das alte Rathaus in einen Kindergarten umzuwandeln, um dem Bedarf an Betreuungsplätzen gerecht zu werden.
Eine dunkle Vergangenheit
Doch wer ist Alois Brunner eigentlich? Seine Geschichte ist nicht nur von persönlichen Errungenschaften geprägt, sondern auch von einem düsteren Kapitel der Geschichte. Im Frühjahr 1945 traf er sich ein letztes Mal mit Adolf Eichmann und dessen Gefolgsleuten in Altaussee. Nach dem Krieg versteckte er sich und geriet kurzzeitig in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Er flüchtete von Linz nach München und arbeitete dort als LKW-Fahrer für die US-Besatzungstruppen – unter falschem Namen, versteht sich. Es war der Beginn eines Lebens, das von Geheimnissen und Schatten geprägt war.
Im Laufe der Jahre wurde Brunner wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt und verließ Europa. Er fand Unterschlupf in Syrien, wo er als Dr. Georg Fischer lebte und für den BND als „Experte“ für den Nahen Osten arbeitete. Dabei war er in Waffendeals verwickelt und hatte enge Kontakte zu ehemaligen NS-Funktionären. Besonders brisant: Er bot Eichmanns Anwalt seine Hilfe während des Eichmann-Prozesses in Israel an – ein echter Skandal! Trotz eines Haftbefehls wegen Mordes wurde Brunner nie gefasst und lebte bis zu seinem mutmaßlichen Tod in Damaskus, wo er die Welt mit seinen antisemitischen Äußerungen schockierte.
Ein Leben im Verborgenen
Seine Geschichte ist wie ein Schatten, der über den Feierlichkeiten in Kirchberg schwebt. Während die Gemeinde heute Brunners 90. Geburtstag feiert, bleibt die Frage: Wie konnte ein Mann wie er, ein berüchtigter SS-Verbrecher, so lange ungestraft leben? Deutsche Journalisten haben in den letzten Jahren immer wieder über seine vermeintlichen Sichtungen in Syrien berichtet, sogar über seine engen Verbindungen zu einem Netzwerk ehemaliger NS-Funktionäre. Ein Netzwerk, das sich bis in die Politik erstreckte, umfasste Diplomaten, Unternehmer und Geheimdienstler, die Brunner halfen, im Verborgenen zu leben.
Brunner wäre heute 104 Jahre alt. Sein Tod wurde mehrfach gemeldet, aber nie bestätigt. Das wirft einen langen Schatten auf die Feierlichkeiten des heutigen Tages, während die Gemeinde in Kirchberg am Wechsel zusammenkommt, um das Leben eines Mannes zu feiern, dessen Vergangenheit nicht nur seine eigene, sondern auch die Geschichte vieler Menschen geprägt hat. Es zeigt uns, dass auch in den kleinsten Orten die Geschichte ihre Spuren hinterlässt.
