In Neunkirchen wird das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig gehalten. Am vergangenen Sonntag wurden in der Wienerstraße acht neue Stolpersteine verlegt. Diese kleinen, aber bedeutungsvollen Steine sind nicht einfach nur Pflastersteine – sie sind ein symbolisches Zeichen des Erinnerns. Sie tragen die Namen und Daten der Menschen, die während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden. Bis heute wurden in Neunkirchen insgesamt 42 Stolpersteine an 17 Adressen verlegt, was zeigt, wie wichtig diese Erinnerungsarbeit für die lokale Gemeinschaft ist. Der Historiker Gerhard Milchram betonte während der Gedenkveranstaltung die zentrale Rolle des Erinnerns in unserer Gesellschaft.

Besonders emotional wurde es, als Vera Goldman, die Enkelin der Familie Neumann, und ihr Ehemann Les aus England an der Feier teilnahmen. Die Familie Neumann betrieb einst eine Schneiderei und ein Geschäft für Second-Hand-Kleidung. Ihre Geschichte ist untrennbar mit der Geschichte Neunkirchens verbunden. Die Familie Gerstl, die ein Geschäft für Lederwaren führte, wurde ebenfalls in den Fokus gerückt. Verwandte dieser Familie verfolgten die Zeremonie via Video-Call aus Frankreich, was zeigt, wie weit das Gedenken reicht. Les Goldman schloss die Veranstaltung mit dem Kaddisch, einem jüdischen Gebet für die Toten, ab – ein bewegender Moment, der nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Zuschauer berührte.

Ein Zeichen gegen das Vergessen

Die Stolpersteine sind mehr als nur ein Gedenkobjekt; sie sind ein Aufruf zur Erinnerung. Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist – diese Worte von Gunter Demnig, dem Künstler, der die Stolpersteine initiiert hat, hallen in diesen Tagen besonders nach. In Neunkirchen wurden insgesamt zwölf neue Stolpersteine verlegt, und es sind weitere 11 für den 4. September geplant. An der Verlegung nehmen auch Vertreter der Kreisstadt Neunkirchen, die AG Stolpersteine sowie Schüler der Alex-Deutsch-Schule und der Betonfacharbeiterklasse teil. So wird das Gedenken aktiv in die Gemeinschaft eingebunden, und die jüngere Generation lernt die Bedeutung von Erinnerung und Verantwortung.

Insgesamt lebten 103 Personen der Israelitischen Kultusgemeinde in Neunkirchen, von denen 74 mit Wohnadresse hier lebten. Diese Menschen wurden durch das NS-Regime ermordet oder vertrieben, und die Stolpersteine sind ein wichtiger Teil des kollektiven Gedächtnisses. Die Steine werden niveaugleich ins Pflaster gelegt, was symbolisch für ein gedankliches Stolpern steht – ein Moment des Innehaltens und des Nachdenkens über die Vergangenheit. Es ist eine Einladung, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und die Lehren der Vergangenheit nicht zu vergessen.