In Wiener Neustadt wurde ein bedeutendes Zeichen des Erinnerns gesetzt: Am 25. April 2026 wurden zwei neue Stolpersteine in der Deutschgasse 8 verlegt, die an die Opfer Rosa und Marie Mandl erinnern. Diese Verlegung ist Teil des Projekts „Stolpersteine für Wiener Neustadt“, das 2025 vom Verein „Aktion Mitmensch“ übernommen wurde. Die Stolpersteine sind nicht nur Gedenkstücke, sondern auch Teil eines europäischen Kunstprojektes des Kölner Künstlers Gunter Demnig, das 1996 begann und mittlerweile über 100.000 Steine in 31 Staaten umfasst.

Insgesamt wurden in Wiener Neustadt seit Beginn des Projekts 129 Stolpersteine an 58 Standorten verlegt, die an Menschen mit Namen, Geschichten und Leben erinnern. Die Familie Mandl, aus Westungarn und Niederösterreich stammend, war in der jüdischen Gemeinde aktiv. Samuel Mandl, der 1889 in Mattersdorf geboren wurde und 1919 nach Wiener Neustadt kam, gründete in der Deutschgasse 8 einen Weinhandel. Tragischerweise wurde die Familie nach dem „Anschluss“ 1938 verfolgt: Die Kinder wurden aus der Schule ausgeschlossen, der Betrieb „arisiert“ und Samuel inhaftiert.

Ein bewegendes Erbe

Die Verlegung der Stolpersteine wurde durch einen Kurzvortrag von Dr. Werner Sulzgruber und Lesungen von Schülerinnen und Schülern des BRG Gröhrmühlgasse begleitet. Während der Novemberpogrome erlebte die Familie Mandl großes Unrecht: Sie wurde misshandelt, vertrieben und enteignet. Einige Kinder konnten mit Hilfe jüdischer Organisationen fliehen, darunter Erwin, Grete, Gertrude und Samuel nach Palästina sowie Helma nach Dänemark. Marie Mandl versuchte 1939 mit Rosa und Erika über den Kladovo-Transport zu fliehen, was jedoch scheiterte. Die Familie musste unter schweren Bedingungen in Serbien ausharren, während nur Erika weiterreisen konnte.

Nach der Besetzung Jugoslawiens 1941 wurden die Flüchtlinge ins Internierungslager nach Šabac gebracht und mussten Zwangsarbeit leisten. Tragischerweise wurden viele Flüchtlinge, darunter Marie und Rosa Mandl, nach einem Partisanenüberfall im Oktober 1941 hingerichtet. Auch die älteste Tochter Hedwig wurde in der Shoah ermordet, während sie schwanger war und mit ihren Kindern deportiert wurde. Die Biografie der Familie Mandl und weitere rund 50 Familienbiografien wurden von Dr. Werner Sulzgruber in seinem Buch „Lebenslinien. Jüdische Familien und ihre Schicksale“ veröffentlicht.

Das Stolpersteine-Projekt im Kontext

Die Stolpersteine erinnern nicht nur an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, sondern auch an politisch Verfolgte, Roma, Sinti, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Euthanasie-Opfer. Gunter Demnig, der Initiator des Projekts, möchte mit diesen Gedenksteinen den Opfern ihren Namen und ihre Erinnerung zurückgeben. Stolpersteine sind in über 1.800 Kommunen zu finden und bilden das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Unterstützer polieren die Gedenksteine traditionell am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht.

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In Wien und anderen Städten wird das Projekt von verschiedenen Initiativen unterstützt, auch wenn es vereinzelt Widerspruch von einigen jüdischen Gemeinden gibt. Diese sehen die Verlegung von Stolpersteinen teils als Missachtung der Opfer. Dennoch bleibt der Eindruck, dass die Stolpersteine eine wichtige Rolle im kollektiven Gedächtnis Europas spielen. Die App „Stolpersteine Deutschland“, die seit November 2022 verfügbar ist, enthält Daten zu über 40.000 Gedenksteinen und ermöglicht es, die Geschichten hinter den Namen zu entdecken.

Für viele Menschen sind die Stolpersteine nicht nur ein Symbol des Gedenkens, sondern auch ein Aufruf, die Vergangenheit nicht zu vergessen und aktiv gegen Antisemitismus und Diskriminierung einzutreten. Die Verlegung der Stolpersteine in Wiener Neustadt ist daher nicht nur ein lokales Ereignis, sondern Teil eines größeren, europäischen Gedächtnisprojekts, das die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachhalten möchte. Weitere Informationen zu den Stolpersteinen und ihrer Bedeutung finden Sie in der Quelle.