In Österreich sorgt eine neue Praxis in der Gastronomie für Aufregung. Einige Restaurants – und insbesondere eine Pizzeria in Grieskirchen – verlangen von ihren Gästen einen Aufpreis für das Teilen von Gerichten. Ein Betrag von bis zu elf Euro für einen leeren Teller hat bereits für Entsetzen gesorgt. Viele Gäste sind über diese Regelung empört und können sie nicht nachvollziehen. Ein Familienvater aus Oberösterreich berichtete, dass der Aufpreis dem Preis der günstigsten Pizza entsprach, was ihn dazu brachte, lieber eine zweite Pizza zu bestellen, anstatt die unangemessene Gebühr zu zahlen. Es ist fast schon absurd, oder?

Vor zwei Jahren gab es bereits einen ähnlichen Vorfall am Wörthersee, wo ein Lokal acht Euro für einen Beistellteller verlangte. Ernst Pühringer, ein Salzburger Gastronom, hat sich zu dieser Praxis geäußert, indem er das konsequente Teilen von Speisen als „Unart“ bezeichnete. Er erklärt, dass Gastronomiebetriebe einen bestimmten Umsatz pro Sitzplatz erzielen müssen. Für ihn ist klar, wenn nur eine Mahlzeit für mehrere Gäste bestellt wird, sinkt der Umsatz und das macht den Betrieben zu schaffen. Ein gewisser wirtschaftlicher Druck ist in der Branche spürbar, vor allem durch steigende Einkaufspreise und Energiekosten.

Die Sicht der Gäste und Wirte

In den sozialen Medien, insbesondere auf Reddit, berichten Nutzer von ähnlichen Erfahrungen in anderen Restaurants, wo Gebühren für das Teilen von Speisen erhoben wurden. Einige zeigen Verständnis für die Gastronomen und die wirtschaftlichen Herausforderungen, während andere diese hohen Aufpreise als „Wucherpreise“ empfinden. Manchmal wird der sogenannte „Räuberteller“ als pädagogisch wertvoll für Kinder angepriesen, doch die Auswahl an Kindertellern ist oft begrenzt und bietet häufig nur nährstoffarme, frittierte Speisen. Ein Dilemma für viele Eltern, die ihren Kleinen etwas Gesundes anbieten möchten.

Die Akzeptanz für solche Gebühren ist bei den Gästen eher gering. Kleinere Beträge könnten noch toleriert werden, aber sobald es in den zweistelligen Bereich geht, ist die Bereitschaft, das Lokal zu betreten, oft vorbei. In Linz, zum Beispiel, wurden Gebühren für das Teilen von Schnitzeln erhoben, was ebenfalls für Unmut sorgte. Einige Wirte zeigen sich jedoch flexibel und berechnen keinen Aufpreis, wenn der Gesamtumsatz stimmt – und das ist vielleicht der Schlüssel, um die Gäste nicht zu vergraulen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die Herausforderungen für die Gastronomie sind vielfältig: Fachkräftemangel, Preisdruck von Mitbewerbern und steigende Kosten setzen den Betrieben zu. Die Preisgestaltung wird zu einem entscheidenden Faktor, um sowohl die Kundenzufriedenheit als auch die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Experten raten dazu, die Preise präzise zu kalkulieren, damit die Gäste nicht verloren gehen und die Gewinne gesichert werden. In der heutigen Zeit bedarf es geschickter Strategien, um die eigenen Angebote attraktiv zu gestalten, ohne dass die Gäste sich über den Tisch gezogen fühlen.

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Die Kommunikation des Mehrwerts der Angebote ist ebenfalls wichtig. Die Geschichten hinter den Gerichten, die Verwendung regionaler Zutaten oder das Ambiente des Lokals – all das kann die Preisakzeptanz steigern. Aber bei einem Aufpreis für leere Teller wird das Vertrauen der Gäste auf die Probe gestellt. Ehrlich gesagt, es bleibt abzuwarten, ob diese Praxis von den Gästen auf Dauer toleriert wird oder ob sie die Gastronomen dazu zwingt, ihre Preisgestaltung zu überdenken.