Am Brupbacherplatz im Kreis 3, Zürich, sorgen große, weiße Punkte auf der Straße für einiges Aufsehen. Die Markierungen sollen, so die Idee, die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr erhöhen. Doch nicht jeder versteht sofort, was es mit diesen weißen Punkten auf sich hat. Passanten zeigen sich verwirrt – einige denken, es handle sich um eine Kunstinstallation. Eine Autofahrerin äußert sogar, dass die Punkte Autofahrer dazu bringen sollen, langsamer zu fahren, während eine Mutter sie als psychologischen Weckruf für Autofahrer sieht, um die Sicherheit ihrer Kinder zu erhöhen.

Komischerweise halten die meisten Autos an den Punkten kurz an, während Fahrräder mit einem gewissen Schwung über die Kreuzung fahren. Diese unkonventionelle Art der Verkehrsberuhigung hat auch an anderen Orten in Zürich, wie dem Anny-Klawa-Platz und dem Bullingerplatz, ihre Spuren hinterlassen. Chantal Stocker, Sprecherin der Dienstabteilung Verkehr, berichtet, dass die Punkte auf dem Bullingerplatz als besonders wirkungsvoll angesehen werden. Sie sollen den Fußgängervortritt verdeutlichen und die Geschwindigkeit der Autos reduzieren. Die farblichen Gestaltungen der Straßenoberfläche (FGSO) sind zwar seit 2008 in einer Norm geregelt, jedoch gibt es keine gesetzliche Verpflichtung dazu.

Vielfalt der Straßenmarkierungen

In der Schweiz sind rund 100 Farbtöne für Straßenmarkierungen zulässig. Zürich nutzt neben den weißen Punkten auch grüne Streifen für Velovorzugsrouten und beige Bänder auf der Langstrasse. Andere Städte in der Schweiz setzen auf unterschiedliche Farben: In Thun sieht man blaue Wellen, während pinke Kreise in Bern für Aufsehen sorgen. Patrick Eberling von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) stellt fest, dass die kreativen Straßenbemalungen zunehmen. Er sieht den Farbeinsatz zwar positiv, warnt jedoch davor, dass diese Gestaltung nicht als Verkehrsrecht interpretiert werden sollte.

Um die Sicherheit im Straßenverkehr weiter zu verbessern, setzt der Kanton Zürich verschiedene Sicherheitsinstrumente systematisch ein. Dazu gehören unter anderem die Road Safety Inspection (RSI) zur Identifikation und Sanierung von Gefahrenstellen sowie das Black Spot Management (BSM), das Unfallschwerpunkte identifiziert. Die Ergebnisse dieser Instrumente münden in konkrete Maßnahmenvorschläge und Sanierungen. Auch das Network Safety Management (NSM) spielt eine Rolle: Es bewertet die Verkehrssicherheit auf Netzebene und fließt in die strategische Planung ein. Verkehrssicherheit ist ein großes Thema, das in alle Prozesse des Verkehrs- und Infrastrukturmanagements integriert werden muss.

Gesellschaftliche Verantwortung

Wie wichtig das Thema Verkehrssicherheit ist, zeigt sich auch in Deutschland, wo im Jahr 2024 insgesamt 2.770 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ihr Leben verloren. Das entspricht einem Rückgang von 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zu 2019, vor der Covid-19-Pandemie, ist die Zahl der Getöteten sogar um 9 Prozent gesunken. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur verfolgt mit der „Vision Zero“ das Ziel, keine Toten im Straßenverkehr zu haben. Verkehrssicherheit wird als gesamtgesellschaftliches Anliegen betrachtet, das die Zusammenarbeit von Staat und Gesellschaft erfordert. Jährlich stellt der Bund etwa 15 Millionen Euro für Präventionsmaßnahmen zur Verfügung.

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Die aktuellen Entwicklungen in Zürich und anderen Städten zeigen, dass kreative Ansätze zur Verkehrsberuhigung und die Integration von Verkehrssicherheitsaspekten in die Planung von Infrastrukturprojekten immer wichtiger werden. Die gesellschaftlichen Herausforderungen in diesem Bereich sind groß, aber die Initiativen zeigen, dass es viele Wege gibt, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Wer weiß, vielleicht werden wir bald noch mehr solcher bunten Markierungen in unseren Städten sehen – vielleicht sogar hier in Rohrbach.

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