23 regionale Geschichten im neuen Bundschuh: Vom Innviertel bis nach Kanada
Im vollbesetzten Sparkassen-Stadtsaal in Ried ist die neue Ausgabe der Schriftenreihe „Der Bundschuh“ präsentiert worden. Viele Besucherinnen und Besucher kamen, um den mittlerweile etablierten heimatkundlichen Streifzug durch das Inn- und Hausruckviertel mitzuerleben.
Seit beinahe 30 Jahren veröffentlicht das Museum Innviertler Volkskundehaus in dieser Reihe Beiträge zur Geschichte und Alltagskultur der Region. Zahlreiche ehrenamtliche Autorinnen und Autoren haben damit einen umfangreichen Wissensbestand aufgebaut. „Der Bundschuh“ wird laut Nicole Mahr aus der Kulturabteilung und dem Redaktionsteam inzwischen sogar international als Nachschlagewerk genutzt. Zuletzt kamen Anfragen aus Kanada und Lettland.
23 Beiträge von Astrofotografie bis Flechtenkunde
Die neue Ausgabe umfasst 23 Beiträge. Niklas Schneiderbauer stellt sein Hobby Astrofotografie vor und zeigt eigene Aufnahmen. Franz Daxecker geht der Frage nach, welche Güter Munderfing vor 1.250 Jahren dem Kloster Mondsee schenkte. Claudia Reischl beschreibt die Verbindung der Familie Zötl zum Färberwesen in Schärding, Josef Wiesenberger den Beruf seiner „Strigl-Vorfahren“ aus Obernberg.
Um das Landschloss Neuwartenburg in Timelkam, das auch „Klein Schönbrunn“ genannt wurde, und den Besuch Kaiser Karls VI. im Jahr 1732 geht es bei Alois Baumgartner. Willi Jobst widmet sich geplanten, aber nie verwirklichten Eisenbahnprojekten im Inn- und Hausruckviertel. Christian Peterlik porträtiert Hans Hammerstein-Equord, den ersten Präsidenten der Innviertler Künstlergilde, und dessen Wirken als Dichter und Politiker.
Auch ein früherer Dorfkramerladen samt Einkaufszettel findet Platz im Band: Christa Paschl schreibt über ihre Eltern und deren Kramerladen Wimmer in Altschwendt. Christoph Hellwanger fragt, warum die Kaiserin einen Brief vom Dorfer Bäcker erhielt und was darin stand. Martin Brandstötter schildert unter dem Titel „Die Toten von Osternach“, wie seine Großeltern zu Grundbesitzern wurden. Klaus Pumberger berichtet über das Leben der Krankenpflegerin Rosa Beer.
Feuerwehr, Soldaten und NS-Zeit
Mehrere Beiträge führen in die Geschichte von Bränden und ihrer Bekämpfung. Simon Wakonig behandelt unter dem Titel „Sehen, Hören, Handeln“ die sinnliche Wahrnehmung bei der Feuerbekämpfung in Aurolzmünster um 1808. Alfred Pixner berichtet über die Jubiläen der Feuerwehr der Stadt Ried. Tamara und Manfred Rachbauer erzählen von Brandkatastrophen, Feuerschreiern sowie Nacht- und Gefängniswärtern aus Braunau und Ried.
Eva Heitzinger-Weiser recherchiert zum Missbrauch der Amtsgewalt im Innviertel der 1830er-Jahre. Philipp G. Bauer beschreibt die Geschichte der Reichsbrücke zwischen Braunau und Simbach. Hannah Dullinger nimmt Alltag und Ausbildung von Soldaten im Zweiten Weltkrieg unter die Lupe. Ewald Ratzenböck hat eine Erzählung von Maria Reitinger über den Widerstand eines Innviertler Bauern gegen den Nationalsozialismus verschriftlicht.
Richard Jansko erinnert an die NS-Opfer Rudolf Thalmannsböck und Juliana Stockmaier. Gerold Falch und Gerald Held ergänzen die Geschichte des 90 Jahre alten Kriegerdenkmals in Ried. Die Themen sind schwer, aber sie bleiben nicht im Abstrakten hängen: Es geht um Menschen, Orte und Entscheidungen, die im regionalen Gedächtnis Spuren hinterlassen haben.
Von Misteln, Pilzen und Bäumen
Der Blick wandert danach wieder hinaus in die Natur. Michael Hohla erklärt die Bedeutung und Besonderheiten von Misteln. Heinz Forstinger beschreibt die enge Beziehung zwischen Pilzen und Bäumen. Franz Berger und Josef Alois Stempfer widmen sich dem ehemaligen Tumeltshamer Pfarrer Franz von Paula Stieglitz und den Anfängen der Flechtenkunde im Innviertel.
Cornelia Schlosser, Leiterin des Holz- und Werkzeugmuseums Lignorama, stellte bei der Präsentation die einzelnen Beiträge des neuen Bandes vor. Vizebürgermeister und Kulturausschussobmann Thomas Dim würdigte dabei die Arbeit von Nicole Mahr, Sabine Spießberger und Julia Hütter.
Nach der Pensionierung der langjährigen Leiterin Sieglinde Frohmann wird die Schriftenreihe weitergeführt. Das Buch ist als Hardcover mit cellofaniertem Überzug erhältlich, misst 21 × 28 Zentimeter und ist vierfarbig gedruckt. Der neue Band kostet 23,90 Euro und ist im Museumsshop des Innviertler Volkskundehauses sowie im Buchhandel erhältlich. Bestellungen sind außerdem beim Museum Innviertler Volkskundehaus oder direkt beim Verlag möglich.
