Ried. Die SV Oberbank Ried hat eine intensive Hinrunde hinter sich – und steht trotz des großen personellen Umbruchs im Sommer auf Platz sechs. Sportdirektor Lukas Brandl bewertet die bisherige Saison grundsätzlich positiv: Mit der Punkteausbeute und der sportlichen Leistung sei man zufrieden, zugleich bleibe der Verein selbstkritisch.

Ein kleiner Schönheitsfehler begleitet die vergangenen Wochen allerdings hartnäckig. In den letzten vier Spielen kassierte Ried jeweils in der Nachspielzeit ein Gegentor. Die Szenen werden im Innviertel wie gewöhnliche Gegentore analysiert und mit der Mannschaft aufgearbeitet. Brandl verweist aber auch auf die Umstände: Ried spielte gegen starke Gegner, teilweise auswärts, und in Altach sei die Mannschaft zudem müde gewesen. Späte Gegentore seien unter solchen Bedingungen eine mögliche Folge – ein Sonderthema wolle man daraus nicht machen.

Der jüngste Sportchef der Bundesliga

Seit knapp drei Monaten ist Brandl Sportdirektor und derzeit allein für den sportlichen Bereich zuständig. Der 28-Jährige arbeitet bereits seit fünf Jahren im Verein, kennt die internen Abläufe und die beteiligten Personen. Im August wechselte er nach dem Abgang von Wolfgang Fiala vom Posten des Technischen Direktors zum Sportdirektor. Damit ist Brandl der jüngste Sportchef in der österreichischen Bundesliga.

Auch bei der Trainerentscheidung ging Ried nicht nach dem lautesten Namen. Mario Despotovic war im Sommer eher der weniger naheliegende Kandidat. Gesucht wurde entweder ein Trainer mit Bundesligaerfahrung oder ein Coach vor dem Durchbruch beziehungsweise aus einem weniger offensichtlichen Bereich. Entscheidend war nicht, was die Öffentlichkeit erwarten würde, sondern die inhaltliche Eignung.

Despotovic sollte Rieds intensive Spielweise, die Stärke bei Standardsituationen und das Umfeld des Vereins verstehen. Außerdem musste er die Mannschaft taktisch und fußballerisch weiterentwickeln können. Nach Einschätzung des Vereins erfüllte er diese Anforderungen am besten – und bekam deshalb den Zuschlag.

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Erfahrung für das Projekt

Mit Stefan Schwab und Isaac Kiese Thelin holte Ried zwei erfahrene Führungsspieler. Laut Brandl ließen sich beide vor allem durch das sportliche Konzept überzeugen. Der Verein stellte ihnen das Projekt vor, führte Gespräche mit dem Trainer und schnürte zusätzlich ein finanziell attraktives Rahmenpaket. Die Grundlage für die Verpflichtungen sei aber das sportliche Umfeld gewesen.

Bei Transfers arbeitet Ried mit einem gemeinsam entwickelten Prozess aus sechs Stufen und mehr als 30 Prüfpunkten. Experimente könne sich der Verein nicht leisten. Neben möglichen Ablösen müssen Gehälter und weitere Kosten berücksichtigt werden, weshalb potenzielle Verpflichtungen besonders detailliert und sorgfältig geprüft werden. Viel Papier, viele Gespräche – und am Ende trotzdem die Frage, ob ein Spieler wirklich nach Ried passt.

Mit dem aktuellen Kader ist der Klub zufrieden. Brandl bezeichnet ihn als ausgewogen. Der Transfermarkt wird weiter beobachtet, konkrete Aktivitäten im Winter seien derzeit aber nicht geplant.

Klassenerhalt bleibt das offizielle Ziel

Am offiziellen Saisonziel hat sich nichts geändert: Der Klassenerhalt. Bei einer Qualifikation für das obere Play-off könnte dieses Ziel früher erreicht werden. Gleichzeitig will die Mannschaft sportlich das Bestmögliche herausholen. Platz sechs nach der intensiven Hinrunde lässt dafür jedenfalls Spielraum.

Dass der Verein mit solchen Zwischenständen umgehen kann, hat auch mit seiner langen Entwicklung zu tun. 1975/76 gewann die SV Ried den Meistertitel in der 2. Landesliga und stieg zur Saison 1976/77 in die 1. Landesliga auf. Im neu geschaffenen OÖ-Ligacup folgte 1976/77 ein 2:1 nach Verlängerung im Finale gegen Raika Wels.

Die Wurzeln reichen noch weiter zurück: 1984 fusionierte die 1949 gegründete Fußballsektion der Union Ried mit der SV Ried. 1987/88 wurde Ried erstmals Meister der OÖ-Landesliga. Im Aufstiegs-Play-off zur 2. Division belegte der Verein hinter Wolfsberg und vor dem TSV Hartberg den zweiten Platz.

1990/91 holte Ried am letzten Spieltag vor rund 1.800 Zuschauern zu Hause gegen Micheldorf den dritten Meistertitel in der OÖ-Landesliga und überholte dabei Vorwärts Steyr. Im Play-off um den Aufstieg in die 2. Bundesliga besiegte Ried Flavia Solva im Entscheidungsspiel mit 3:0. Vor rund 7.000 Zuschauern gelang schließlich erstmals der Aufstieg in die 2. Bundesliga.