Wer in Rohrbach-Berg oder St. Martin tanken möchte, steht derzeit vor gesperrten Zapfsäulen. Die ehemaligen BP-Standorte werden umgebaut. Hintergrund ist das Insolvenzverfahren des Tankstellenunternehmens Stiglechner, das im vergangenen Jahr eröffnet wurde und mehrere Tankstellen im Bezirk Rohrbach traf. Die betroffenen Stationen wurden zeitweise nicht mehr mit Treibstoff beliefert.

An der Umfahrung Süd in Rohrbach-Berg soll künftig eine Jet-Tankstelle betrieben werden. Ein Plakat am Standort kündigt die Eröffnung bereits an. Wann dort wieder Diesel und Benzin erhältlich sein werden, ist allerdings noch offen.

Pink-Tankstelle in Windorf angekündigt

In St. Martin, genauer am Standort in Windorf, soll der Betrieb ab Anfang November wieder starten. Der neue Betreiber plant dort eine pink-Tankstelle. Als Eröffnungstermin ist der 9. November 2026 angekündigt. Weitere pink-Tankstellen im Bezirk Rohrbach seien derzeit nicht geplant.

Die Entwicklungen im Bezirk stehen im größeren Zusammenhang mit der finanziellen Schieflage des Linzer Tankstellenbetreibers. Betroffen sind die Julius Stiglechner GmbH als Konzernobergesellschaft und die Stiglechner Tankstellen GmbH als operative Einheit. Für beide Gesellschaften wurden am 5. Dezember 2025 am Landesgericht Linz Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt beziehungsweise eröffnet.

188 Millionen Euro Passiva, 584 Beschäftigte

Die Passiva betragen laut Berichten zusammen rund 188 Millionen Euro: 166 Millionen Euro entfallen auf die Julius Stiglechner GmbH, 22 Millionen Euro auf die Stiglechner Tankstellen GmbH. Betroffen sind 584 Beschäftigte – 66 bei der Konzernobergesellschaft und 518 bei der operativen Einheit, einschließlich karenzierter Mitarbeiter.

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Im Verfahren werden etwa 300 Gläubiger genannt. Rund 100 davon stehen mit der Julius Stiglechner GmbH in Verbindung, rund 170 mit der Stiglechner Tankstellen GmbH. Die Angaben zur Zahl erklären sich auch dadurch, dass das Gesamtnetz mit etwa 140 Tankstellen beziffert wird, während zur Julius Stiglechner GmbH 85 Stationen gehören, teilweise verpachtet. Im Verfahren ist außerdem von 71 betriebenen Tankstellen und zwei Waschstraßen die Rede.

14 Stationen waren zeitweise geschlossen und sollten wieder geöffnet werden. Der Betrieb wesentlicher Teile des Tankstellennetzes soll trotz Insolvenz weiterlaufen. Eine Überbrückungsfinanzierung soll das zunächst ermöglichen und mehr als 500 Arbeitsplätze im operativen Bereich sichern.

Sanierungsplan und offene Fragen

Den Gläubigern wurde ein Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent angeboten, zahlbar innerhalb von 24 Monaten. Die Forderungsanmeldefrist endete am 10. Februar 2026; Tagsatzungen waren für den 24. Februar und den 24. März 2026 angesetzt. Mit 19 Gläubigerbanken wurde eine Vereinbarung zur Weiterfinanzierung getroffen, vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Gremien.

Eine Zustimmung zur 20-Prozent-Quote würde für die Gläubiger bedeuten, auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen zu verzichten. Das Verfahren läuft unter gerichtlicher Aufsicht, ein Insolvenzverwalter steuert die Fortführung und die möglichen Sanierungswege. Wie es weitergeht, hängt unter anderem von der Profitabilität einzelner Standorte, der Finanzierung, der Belieferung und der Zustimmung der Gläubiger ab.

Als Ursachen der Zahlungsunfähigkeit wurden geringe Margen im Treibstoffgeschäft, Marktverwerfungen durch die Ölpreisentwicklung und Krisen sowie gestiegene Finanzierungskosten infolge höherer Zinsen genannt. Gescheiterte Restrukturierungsmaßnahmen und die fehlende Zustimmung der finanzierenden Banken zu einem Investorenmodell spielten ebenfalls eine Rolle. Anschließend wurden Bankkredite fällig gestellt.

Nach den Insolvenzanträgen kam es zeitweise zu Engpässen bei Treibstoff und Shopwaren, weil Lieferanten zurückhaltend agierten. Bei einzelnen Treibstoffsorten war die Verfügbarkeit eingeschränkt. Lieferprobleme können auch dann entstehen, wenn Lieferanten auf Vorkasse umstellen oder Kreditversicherer ihre Limits reduzieren. Das Tankkartensystem IQ Card war laut Berichten zeitweise eingeschränkt; im Zusammenhang mit der IQ Tankkarte wurde über einen möglichen Schaden von 12 Millionen Euro berichtet. Später war von der Insolvenz einer Kartenvertriebsgesellschaft die Rede.

Partner, Löhne und Rückgaben

Rund 60 Prozent der Tankstellen sollen im Eigentum des Familienunternehmens stehen, etwa 40 Prozent selbstständigen Tankstellenpartnern zugeordnet sein. Für diese Partner ist entscheidend, welche Gesellschaft Vertragspartner für Eigentum, Pacht, Betrieb, Einkauf, Abrechnung und Kartensysteme ist. Zwei Tankstellen sollen an Verpächter zurückgegeben worden sein.

Berichtet wurde, dass Novemberlöhne und Weihnachtsgeld noch ausbezahlt wurden, während Dezembergehälter zeitweise offen waren. Für offene Entgeltansprüche kann unter gesetzlichen Voraussetzungen der Insolvenz-Entgelt-Fonds greifen. Im Verfahren sind Arbeitsverträge, Lohnabrechnungen, Zeitaufzeichnungen, Spesen sowie Vereinbarungen zu Prämien und Zulagen relevant.

In Rohrbach bleibt vorerst der Blick auf die Baustellen gerichtet: In Rohrbach-Berg wartet man auf den Neustart der künftigen Jet-Station, in Windorf auf die angekündigte pink-Tankstelle am 9. November 2026. Bis dahin bleiben die Zapfsäulen dort gesperrt.