Im Herzen von Zell am See hat am 13. Mai 2026 die Sonderausstellung „Heldentheater – Heldengeschichte(n)“ im Museum Vogtturm ihre Pforten geöffnet. Die Eröffnung war ein ganz besonderer Anlass, bei dem zahlreiche Ehrengäste, darunter Landtagsabgeordneter Hannes Schernthaner, Bürgermeister Andreas Wimmreuter und Kulturstadträtin Silvia Schuster, der Veranstaltung beiwohnten. Auch Gemeindevertreterin Tamara Hauenschild sowie die Projektpartner Martin Knoll und Andreas Zechner waren dabei, um die ersten Schritte dieses spannenden Projekts zu feiern. Die Kuratoren Angelika Gautsch, Rainer Hochhold und Waltraud Moser-Schmidl haben mit viel Liebe zum Detail eine Ausstellung geschaffen, die die Frage thematisiert: Wer gilt als Held?
Ein ganz tolles Konzept! Die Ausstellung wird bis Ende März 2027 zu sehen sein und beleuchtet Persönlichkeiten, die die Geschichte geprägt haben, aber auch vergessene Figuren. Sie reflektiert, wie Heldinnen und Helden ein Spiegel ihrer Zeit sind. Ein besonderer Bezug wird zum Gedenkjahr „500 Jahre Bauernkriege“ hergestellt, wobei Salzburger und Pinzgauer Akteure dieser Zeit im Fokus stehen. Durch die kritische Beleuchtung der Mechanismen historischer Geschichtsschreibung wird einem die oft vergessene Perspektive der einfachen Leute nähergebracht.
Die Mechanismen der Geschichte
Der Deutsche Bauernkrieg von 1524 bis 1526, der als größter Aufstand in der frühneuzeitlichen Geschichte Mitteleuropas gilt, wird in der Ausstellung thematisiert. Es war eine Zeit, in der einfache Bürger – Bauern, Stadtbürger, Handwerker und Bergleute – für ihre traditionellen Rechte, religiöse Freiheiten und eine gerechtere Verteilung von Wohlstand kämpften. Der Aufstand, der im Mai 1525 das Fürsterzbistum Salzburg erreichte, brachte die Obrigkeit an den Rand des Untergangs. Heftig blutig wurde dieser Aufstand vielerorts niedergeschlagen, aber die Erinnerung an den Aufstand des „gemeinen Mannes“ bleibt lebendig.
Die Ausstellung wirft auch einen Blick auf die Deutungen des Bauernkriegs in Kunst und Literatur späterer Epochen. Es ist faszinierend zu sehen, wie autoritäre Regime im 20. Jahrhundert den Bauernkrieg für ihre Propaganda missbrauchten. Die Kunst hat stets einen Weg gefunden, die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche neu zu interpretieren. Und genau das wird hier auch gemacht – der Salzburger Bauernkrieg von 1525/26 bis in die Gegenwart wird auf eine künstlerische Weise beleuchtet, die zum Nachdenken anregt.
Digitale Unterstützung durch Isidor Kheill
Ein ganz neues Element ist die digitale Unterstützung durch den Nachtwächter „Isidor Kheill“, ein KI-gesteuertes Programm, das die Besucher durch die Ausstellung führt. Das ist schon ziemlich cool und zeigt, wie moderne Technik auch in Museen Einzug hält. Man kann sich richtig gut vorstellen, wie man mit diesem digitalen Begleiter auf Entdeckungstour geht und dabei spannende Geschichten über Heldinnen und Helden, ihre Taten und die dazugehörigen Erzählungen erfährt.
Aber das ist nicht die einzige Ausstellung, die im Rahmen dieses Projekts stattfindet. Im Museum Schloss Ritzen wird die Sonderausstellung „Alles eine Frage der Religion?“ gezeigt, während im Kaprun Museum die Ausstellung „Sturm und Vergeltung“ zu sehen ist. Diese Vielfalt an Themen zeigt, wie vielschichtig und facettenreich die Geschichte ist – und wie sie uns auch heute noch betrifft.
Ein kurzer Blick zurück: Die ersten Bauernrevolten begannen im Juni 1524, ausgelöst durch einen skurrilen Vorfall, als eine Grafenfrau die Bauern dazu bringen wollte, Schneckenhäuschen zu sammeln. Dies war der Funke, der ein Feuer entfachte und schließlich zu einem der größten Aufstände in der Geschichte führte. Die Aufstände, die sich über Mitteleuropa ausbreiteten, waren nicht nur ein Kampf gegen die Obrigkeit, sondern auch ein Ausdruck der sozialen Ungleichheit, die zu dieser Zeit immer drängender wurde. Die Forderungen nach Menschenwürde, Aufhebung der Leibeigenschaft und einem unabhängigen Gerichtssystem fanden ihren Ausdruck in den „Zehn Artikeln“ von 1525 – einer Art frühem Manifest für Menschen- und Freiheitsrechte.
Die Erinnerung an den Bauernkrieg bleibt, trotz der Unterdrückung, lebendig und wird in dieser Ausstellung auf eindrucksvolle Weise künstlerisch verarbeitet. Es ist ein Besuch wert, um sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und vielleicht auch einen Blick darauf zu werfen, wie Helden und Heldinnen in unseren Zeiten gesehen werden. Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Website des Museum Vogtturm.
