Halloween im Bezirk Spittal: Zwischen Süßigkeitenrunde, Horrorfilm und Faschingstradition
Im Bezirk Spittal gehört Halloween für manche Jugendliche längst zum Herbst dazu, für andere bleibt der Fasching die deutlich vertrautere Verkleidungstradition. Bei einer Straßenumfrage erzählen Maya Mitterer, Isabella Jatzkowski, Lena Winkler, Leonhard Schön, Julian Steiner, Matheo und Monique, wie sie die Gruselnacht am 30. Oktober 2026 erleben.
Maya Mitterer, 13, aus Radenthein zieht meist mit Freundinnen von Haus zu Haus und sammelt Süßigkeiten. In ihrer Gegend gehen Kinder verschiedener Altersgruppen um die Häuser. Nicht immer wird ihnen die Tür freundlich geöffnet: Manche ältere Menschen hätten ihr schon die Tür vor der Nase zugeschlagen. Maya verkleidet sich besonders gerne und bereitet ihre Kostüme mit viel Aufwand vor. Zu Hause schaut sie mit der Familie Horrorfilme, dekoriert das Haus und schnitzte früher auch Kürbisse.
Von Haus zu Haus oder lieber auf die Party
Der Fasching sei in Österreich stärker etabliert, meint Maya. Durch den Generationenwechsel könnte sich das ihrer Ansicht nach aber ändern. Isabella Jatzkowski, 14, aus Feld am See, feierte Halloween als Kind, heute nicht mehr. Damals verkleidete sie sich zwar nicht, dekorierte aber mit Freunden und blieb bis Mitternacht auf. Mittlerweile beobachtet sie mehr Halloween-Partys und Verkleidungen unter Jugendlichen.
Bei Kindern hängt das Feiern für Isabella davon ab, ob die Eltern sie von Haus zu Haus begleiten. Süßigkeiten gibt es in ihrer Familie trotzdem weiterhin zu Hause, weil immer einige Kinder vorbeikommen.
Lena Winkler, 14, aus Radenthein, feiert Halloween nicht daheim, besucht aber gerne Partys. Jugendliche verkleiden sich ihrer Beobachtung nach eher als Erwachsene. Besonders wichtig ist ihr Halloween nicht, und bedeutender müsse das Fest auch nicht werden. Schließlich gebe es mit dem Fasching bereits eine in Österreich etablierte Verkleidungstradition. Weil ihre Familie am Berg lebt und kaum Kinder vorbeikommen, bereitet Lena keine Süßigkeiten vor. Das Haus wird lediglich herbstlich dekoriert.
Auch Leonhard Schön, 18, aus Seeboden, feiert Halloween heute kaum noch. Als Kind verkleidete er sich gelegentlich, Halloween-Partys besucht er nicht. Überhaupt nimmt er nur wenige solcher Veranstaltungen wahr. Kinder ziehen seiner Beobachtung nach aber durchaus von Haus zu Haus und fragen nach Süßigkeiten. Bei ihm daheim kommen nur wenige Kinder vorbei, ein bisschen gruselige Dekoration gibt es trotzdem.
Gruselfilme, kleine Brüder und Kostüme
Julian Steiner, 16, aus Stall, Matheo, 15, aus Mühldorf, und Monique feiern alle Halloween. Monique verkleidet sich gerne und trifft sich mit Freunden. Julian schaut mit seinem Freundeskreis Gruselfilme. Matheo zieht verkleidet mit seinen beiden kleinen Brüdern von Haus zu Haus und fragt nach Süßigkeiten.
Julian findet, dass eine stärkere gesellschaftliche Akzeptanz von Halloween für Kinder positiv wäre. Bei Monique geht es ums Verkleiden und Zusammensein, bei Matheo um die Runde mit den kleinen Brüdern – und irgendwo dazwischen stehen die Horrorfilme, die daheim im flackernden Licht gleich noch ein Stück unheimlicher wirken.
Vom Allerseelenbrauch zu „Süßes oder Saures“
In den USA wird Halloween mit Kürbisdekorationen, Partys und maskierten Heischegängen gefeiert. Laut dem Wiener Historiker Andreas Hofeneder spricht das Fest unter anderem Ängste vor Dunkelheit und Tod sowie Hoffnungen auf Erneuerung an. Der Name Halloween leitet sich von „All Hallows’ Evening“, dem Vorabend von Allerheiligen, ab. Papst Gregor IV. bestimmte im Jahr 835 den 1. November als Allerheiligenfest.
Irische Auswanderer sollen den Brauch im 19. Jahrhundert aus ihrer Tradition in die USA gebracht haben. Um 1900 galt Halloween dort als Nacht der Zerstörung, bei der Menschen und Tiere verletzt wurden. Pfadfinder und andere Organisationen versuchten, die Ausschreitungen einzudämmen. Um 1930 waren die „Beggars Night“ und der Spruch „Trick or treat“ in den USA allgemein bekannt.
Zur Tradition gehört auch die Geschichte von Jack-o’-Lantern: Der trunksüchtige Schmied Jack schloss zweimal einen Pakt mit dem Teufel und überlistete ihn. Der Teufel verzichtete daraufhin auf Jacks Seele. Wegen seines Lebenswandels blieb Jack jedoch auch der Zugang zum Himmel verwehrt. Die Erzählung gilt als Beispiel für den mittelalterlichen Allerseelenglauben.
Durch Massenmedien und Internet wurde Halloween Ende des 20. Jahrhunderts auch in Österreich populär. Das Aushöhlen von Rüben und Kürbissen und das Aufstellen einer Kerze darin war bereits der Großeltern-Generation als Kinderbrauch bekannt. Die Programmzeitschrift „Radio Österreich“ kündigte 1957 sogar eine Bastelsendung zu Halloween an.
Ein Flugblatt der Kaufleute in Wien-Döbling warb 1997 unter dem Motto „Hallo Wien – Halloween, Wien beleben in toter Zeit“ für eine Verkaufsaktion. Die Geschäftsleute wollten damit Aufmerksamkeit, Aktivität und Kauflust der Kunden steigern. In den folgenden Jahren stiegen die Halloween-Ausgaben deutlich an. Heute gilt das Fest nach Silvester als zweitgrößte Partynacht des Jahres.
Süßigkeiten, Streiche und 80 Millionen Euro
Häufige Kostüme sind Totengerippe, Hexen, Zauberer, Vampire und andere aus Filmen bekannte Horrorgestalten. Das Fest richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche. Sie gehen von Haus zu Haus und bitten um Süßigkeiten; dafür werden unter anderem bedruckte Stoffsackerl angeboten.
Der Brauch erinnert an das frühere Heischen zu Allerheiligen, bei dem Kinder „für die armen Seelen“ um Allerheiligenstriezel baten. Anders als beim traditionellen Heischen wird heute keine Gegenleistung erbracht. Stattdessen drohen Kinder mit „Trick or treat“, „Süßes oder Saures“ beziehungsweise „Schoko oder Schabernack“. Wer nichts herausgibt, muss mit Sachbeschädigungen oder anderen boshaften Streichen rechnen. Unter 14-Jährige sind strafunmündig, für übertriebene Streiche können jedoch die Eltern haften. Auch frühere Heischende, etwa die Klöckler, konnten bei Unzufriedenheit unangenehm werden.
Für 2026 schätzt der Handelsverband die Halloween-Ausgaben auf 80 Millionen Euro, durchschnittlich 61 Euro pro Person. 38 Prozent sollen für Süßigkeiten ausgegeben werden, die an Kinder verschenkt werden, 24 Prozent für Dekorationen und 19 Prozent für Partys. 61 Prozent der Befragten gaben an, Halloween zu begehen. Besonders hoch ist der Anteil bei den 18- bis 20-Jährigen mit 82 Prozent und bei den 30- bis 44-Jährigen mit 74 Prozent.
Zahlreiche Veranstaltungen stehen rund um Halloween auf dem Programm. Eine 2025 veröffentlichte YouGov-Erhebung zum Einkaufsverhalten bezifferte die durchschnittlichen Ausgaben für Lebensmittel auf 260 Euro. Davon entfielen 84 Prozent auf Süßwaren; 16 Prozent davon waren saisonale Süßwaren wie Fruchtgummi und Lebkuchen.
Beim Kürbisfest mit Bauernmarkt am Himmel werden 200 Kürbissorten angeboten, außerdem gibt es ein Kinderprogramm. Im Bezirk Spittal reichen die Pläne der Jugendlichen derweil von der Runde mit den Freundinnen und dem Klingeln an fremden Türen bis zum Horrorfilm auf der Couch – und manchmal ist es eben nur ein herbstlich dekoriertes Haus am Berg.
