Heute ist der 12.05.2026 und wir blicken auf ein bewegendes Ereignis in Stainz zurück. Sadeq Gholani, der 2016 nach Österreich kam, hat kürzlich einen Vortrag über die erschütternde Situation in Afghanistan gehalten. Mit seinem ausgezeichneten Deutsch und seiner persönlichen Geschichte zog er die Zuhörer in seinen Bann. Vor dem Vortrag wurde ein Film gezeigt, der die düsteren Lebensverhältnisse in seinem Heimatland verdeutlichte, insbesondere die dramatischen Umstände, unter denen Frauen leben müssen. Der Film ließ keinen Zweifel daran, dass die Taliban Frauen aus der Öffentlichkeit verdrängen und ihnen den Zugang zu Bildung und gesellschaftlicher Akzeptanz verwehren.
Gholani beschreibt die gegenwärtige Lage in Afghanistan als Geschlechter-Apartheid. Er schildert, dass dieser rechtliche Tatbestand international anerkannt werden soll. Während Russland das einzige Land ist, das Afghanistan anerkennt, unterhalten andere Staaten weiterhin Beziehungen zu den Taliban. Afghanistan selbst ist mit einer Fläche von 653.000 Quadratkilometern und etwa 40 Millionen Einwohnern ein riesiges Land, aber nur 15% der Fläche sind wirtschaftlich nutzbar – eine Tatsache, die durch das gebirgige Terrain des Hindukusch bedingt ist.
Historische Rückschau und aktuelle Herausforderungen
Die Bevölkerung Afghanistans setzt sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen mit unterschiedlichen Religionen und Kulturen zusammen. Gholani hebt die Unterschiede zwischen den städtischen Gebieten, wie Kabul mit seinen 5 Millionen Einwohnern, und den ländlichen Regionen hervor, die oft von Armut geprägt sind. Ein kurzer Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Emir Abdurahman Khan Ende des 19. Jahrhunderts mit britischer Unterstützung zum König wurde. Die Militärübernahme 1978 führte zu einer Zerstörung und einem Bürgerkrieg, der das Land über Jahrzehnte hinweg prägte. 2001 wurden die Taliban von US-Truppen besiegt, doch im Jahr 2021 kamen sie zurück an die Macht.
Besonders bedrückend ist die Tatsache, dass religiöse Normen in Afghanistan über dem Gesetz stehen, was sich vor allem negativ auf Frauen auswirkt. Ein drastisches Beispiel hierfür war, dass Hilfskräfte nach einem Erdbeben nicht in der Lage waren, verschüttete Frauen zu retten, da sie aufgrund des Berührungsverbots nicht helfen durften. Korruption hat zudem die Wirtschaft des Landes stark geschädigt. Die Menschen kämpfen tagtäglich mit Herausforderungen wie Bildung, Armutsbekämpfung und Menschenrechten. Interessanterweise erhalten die Taliban monatliche Zahlungen von der US-Administration zur Erhaltung ihrer Macht.
Sadeq Gholanis Weg nach Österreich
Gholani selbst hat einen beeindruckenden Weg hinter sich. Er kam nach Österreich und fand zunächst in Traiskirchen und später in St. Stefan Unterkunft, bevor er schließlich in Stainz Fuß fasste. Dort legte er die Matura ab und absolvierte eine Lehrausbildung bei SVI Deutschlandsberg, wo er nun als Facharbeiter arbeitet. Tragisch ist, dass er seine Eltern bei einem Bombenanschlag verlor. Heute kommuniziert er über das Internet mit Verwandten, die noch immer in Afghanistan leben.
Sein Vortrag hat nicht nur die gegenwärtige Situation in Afghanistan beleuchtet, sondern auch die Hoffnung, die Gholani für die Zukunft hat. Er konnte die Zuhörer mit seiner persönlichen Geschichte und den Herausforderungen, die er überwunden hat, berühren. Die Schilderungen von Gholani machen deutlich, dass hinter den Nachrichten über Afghanistan Menschen stehen – Menschen mit Träumen, Ängsten und dem Wunsch nach einem besseren Leben.