In Graz, wo die Herausforderungen der mobilen Pflege immer präsenter werden, hat sich kürzlich die politische Diskussion um die Verantwortung in der Pflege verschärft. Die ÖVP, insbesondere der Landesrat Kornhäusl, versucht, die Verantwortung für die mobile Pflege auf Städte und Gemeinden abzuwälzen. Das klingt nach einem verzweifelten Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen, während Kornhäusl das Thema geschickt für seinen Wahlkampf nutzt. Doch der Grazer KPÖ-Pflegestadtrat Robert Krotzer weist diese Angriffe entschieden zurück. Er betont, dass die Behauptung, Graz würde untätig zusehen, während Pflegestunden nicht abgeholt werden, nur eine Ablenkung von den wahren Problemen ist.
In der Steiermark wird der Bedarf an mobiler Pflege vom Land berechnet, und es werden Pflegestunden pro Bezirk festgelegt. Zu Jahresbeginn erhalten die Trägerorganisationen ihre Kontingente für die mobile Pflege. Am Ende des Jahres melden diese, wie viele Stunden tatsächlich erbracht wurden. Hier zeigt sich oft ein Kernproblem: Es gibt viele nicht genutzte Stunden, was häufig auf Personalmangel oder die schwierigen Erbringungsbedingungen zurückzuführen ist. Und nicht zu vergessen: Städte und Gemeinden sind nicht dafür zuständig, Pflegestunden selbst zu vergeben. Die Differenzen zwischen geplanten und erbrachten Stunden sind leider kein Einzelfall – sie sind in allen steirischen Bezirken zu beobachten, werden jedoch nur in Graz so lautstark kritisiert.
Mobile Pflege in der Steiermark
Mobile Pflege ist nicht nur eine theoretische Überlegung, sondern eine greifbare Notwendigkeit für viele ältere Menschen. Sie wünschen sich ein selbstbestimmtes Leben in ihren eigenen vier Wänden, trotz eines hohen Pflege- und Betreuungsbedarfs. Der Kontakt zu Familie und Freunden ist für sie von großer Bedeutung. In der Steiermark unterstützen mobile Pflege- und Betreuungsdienste diese Bedürfnisse und entlasten gleichzeitig die Angehörigen. Eine wichtige Informationsquelle ist die Broschüre „Pflege[n] zu Hause“, die Hilfsangebote und Unterstützungsmaßnahmen für pflegebedürftige ältere Menschen und deren Angehörige aufzeigt. Darin finden sich Details zu Ansprüchen auf Leistungen, Zugang zu verschiedenen Angeboten und Anlaufstellen bei Fragen.
Die Broschüre kann kostenlos über das Amt der Steiermärkischen Landesregierung bestellt werden. Wer mehr Informationen benötigt, erreicht die Abteilung Gesundheit und Pflege unter +43 (316) 877-3550 oder per E-Mail an pflegemanagement@stmk.gv.at. Diese Informationen sind besonders wichtig, da die Nachfrage nach Dienstleistungen wie Hauskrankenpflege, mehrstündiger Alltagsbegleitung und mobiler Kinderkrankenpflege stetig wächst.
Die Zukunft der Pflege
Der Bedarfs- und Entwicklungsplan Pflege Steiermark 2030 sieht einen Ausbau der mobilen Pflege vor, da das Land von steigenden Bedarfen und zusätzlichen Pflegestunden ausgeht. Doch diese Prognosen sind nur die halbe Miete. Die Kernfrage bleibt, wie der Bedarf tatsächlich gedeckt werden kann. Die Pflegepersonalbedarfsprognose zeigt, dass in den kommenden Jahren tausende zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden. Das ist eine gewaltige Herausforderung! Es gilt, den Abstand zwischen geplantem Bedarf und möglicher Versorgung zu schließen und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen zu verbessern, um Pflegekräfte langfristig zu binden.
Ein wenig Hoffnung gibt es in Graz, wo bereits konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Pflege umgesetzt wurden, wie das Grazer Klient:innentarifmodell und der Ausbau der Pflegedrehscheibe, um die Unterstützung schneller zu organisieren. Das Projekt „Pflege ist mehr“ ermöglicht zudem Interessierten, die vielfältigen Pflegeberufe kennenzulernen. Diese Initiative wird von der Stadt Graz finanziert und läuft nun schon im vierten Jahr.
Die Pflege in der Steiermark steht vor großen Herausforderungen, und es bedarf an realitätsnäheren Planungen, um die Versorgung unter realen Bedingungen sicherzustellen. Der Arbeitskreis Gesundheit hat dazu einen Masterplan der Pflege verfasst, der die Weichen für die Zukunft stellen soll. Doch bis dieser umgesetzt wird, bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickelt und ob die Verantwortlichen die nötigen Schritte unternehmen, um die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen nicht allein zu lassen.
